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Hypo-Bilanz 2013 kostet deutlich mehr: Insgesamt 1,43 Milliarden Euro
Hypo-Insolvenz bleibt die billigste Lösung
 "Es ist offensichtlich: Die Anstaltslösung für die Hypo
stützt sich auf keine seriösen Berechnungen. Demnach sind auch die
Ängste vor einer Insolvenz und geordneten Abwicklung der Hypo Alpe
Adria Group hausgemacht und mit keinen konkreten Zahlen unterlegt",
zu diesem Schluss kommt Dr. Barbara Kolm, die Präsidentin des
Friedrich A. v. Hayek Instituts und Direktorin des Austrian Economics
Centers.
Bekräftigt wird diese Schlussfolgerung durch die Tatsache, dass
dem Steuerzahler nur sehr zögernd konkrete Zahlen auf den Tisch
gelegt werden und für die Bilanzerstellung 2013 unerwartet viel mehr
Geld in die Pleite-Bank fließen muss, als ursprünglich angenommen.Â
"Noch vor wenigen Tagen hieß es, dass für die Bilanz 2013 noch rund
750 Millionen Euro gebraucht werden. Nun stellt sich heraus, dass die
österreichischen Steuerzahler für die Bilanz 1,43 Milliarden
zuschießen müssen. Das ist mit Sicherheit schlimmer als eine
Insolvenz der Hypo, die gleichzeitig die Möglichkeit eröffnete, die
Stakeholder, die ohnedies die Verluste bereits eingepreist haben -
primär ausländische Banken, Fonds und Versicherungen - in die
Lastenteilung miteinzubeziehen. Diese gilt es nicht auf Kosten des
Steuerzahlers zu retten."
Berechnungen im Finanzministerium hatten ergeben, dass eine
Hypo-Insolvenz den österreichischen Steuerzahler rund 5,3 Milliarden
Euro weniger kosten würde, als die Anstaltslösung. Doch eine
Insolvenz der Hypo wurde von der Task-Force abgelehnt. Das
Hauptargument war, dass eine Hypo-Pleite einen schwer kalkulierbaren
Dominoeffekt auslösen würde. Wörtlich war von "unabsehbaren
wirtschaftlichen Konsequenzen" die Rede.
"Das ist reine Spekulation. Mit Sicherheit auch sehr einseitig,"
betont Kolm. "Schließlich bringt jede Variante Reputationsrisiken mit
sich. Dass Österreichs Rating im Falle einer Insolvenz
heruntergestuft wird und, dass die Refinanzierungskosten des Bundes
weiter steigen würden ist aus meiner Sicht ein falscher Rückschluss.
Ich glaube, dass sogar das Vertrauen wächst, wenn für die Hpo die
gleichen Regeln gelten, wie für jedes andere Unternehmen. - Die
Anstalts-Lösung wird jedenfalls einen Vertrauensverlust nicht
verhindern können."Â
Consulter Oliver Wyman, der für das Finanzministerium vier
Abbauvarianten für die Hypo Alpe Adria prüfte, hält in seinem
Abschlussbericht fest: "Die Anstalts-Lösung führt zur unmittelbaren
und formal gültigen Konzentration der faktischen Risiken und
Haftungen bei der öffentlichen Hand." Der Bund riskiere zudem
"langfristig negative Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit und den
Finanzplatz Österreich. Mögliche Spillover-Effekte auf die
Refinanzierung von anderen Banken und Bundesländern erscheinen
entweder von untergeordneter Bedeutung", so der Weyman-Bericht
wörtlich, "oder können abgeschwächt werden."Â
Insgesamt 1,75 Mrd. Euro an Staatskapitalspritzen hat die Hypo für
2013 bereits bekommen. Die jüngste Tranche wurde erst im Dezember
letzten Jahres überwiesen.Â
"Stellvertretend für alle Österreicherinnen und Österreicher muss
ich mich fragen, um wie viel mehr als die momentan veranschlagten
17,8 Milliarden Euro wir letztendlich bezahlen werden", betont Kolm
und fordert zudem, "dass die politische Verantwortung für alleÂ
getroffenen Hypo-Entscheidungen gründlich durchleuchtet wird. Ob eine
Untersuchungskommission einen parlamentarischen
Untersuchungsausschuss dabei tatsächlich ersetzen kann, muss ich
ernsthaft bezweifeln."
Erst vor wenigen Tagen hat sich die österreichische
Bundesregierung für eine Abbaugesellschaft für die Hypo-Bank
entschieden, weil eine Insolvenz der Hypo ein angeblich
"unkalkulierbares Risiko" nach sich ziehen würde.Â
"Nun stellt sich allerdings heraus, dass gar nicht alle Zahlen
bekannt waren, als sich die österreichische Bundesregierung für die
Abbaugesellschaft entschieden hatte. Das Bad-Bank-Modell birgt
unkalkulierbare Risken, weil wir jede Woche von neuen Summen
überrascht werden, die uns die Hypo noch zusätzlich kosten wird",
betont Kolm.
Laut Finanzministerium wird die ÖIAG-Tochter Fimbag, die
sogenannte Banken-ÖIAG, die Abbauaufgabe der staatlichen Problembank
Hypo Alpe Adria bekommen. Die Fimbag soll zudem die notverstaatlichte
Kommunalkredit verwalten. Um die Hypo in die ÖIAG eingliedern zu
können wird der Nationalrat allerdings noch ein Sondergesetz
verabschieden müssen. Aus der Hypo Alpe Adria Group wird in weiterer
Folge eine Aktiengesellschaft mit Sonderrechten ohne Banklizenz.Â
Alleine im Jahr 2014 wird die Hypo Alpe Adria Group noch rund 4
Milliarden Euro Steuergelder verschlingen. Bis zum heutigen Zeitpunkt
wurden bereits 4,8 Milliarden Euro Staatsgelder in die Bank gesteckt,
davon 1,2 Mrd. Euro in Form von Kapitalgarantien. Um die künftigen
Kosten für die Hypopleite zu verringern, soll die BayernLB mitzahlen.
Es gibt zahlreiche Rechtsstreitigkeiten mit der Bank des Freistaats.
Größter Streitpunkt ist jener um 2,3 Mrd. Euro, die die Bayern aus
ihrer Sicht als Kredit in der ehemaligen Kärntner Landesbank stecken
haben. Aus österreichischer Sicht handelt es sich dabei um
Eigenkapital.
"Die Rechtsstreitigkeiten mit der BayernLB werden einzig und
allein auf juristischer Ebene entschieden. Darauf haben wir wenig
Einfluss. Was die österreichischen Steuerzahler wirklich
interessiert, ist wie viel uns die Hypo unter dem Strich kosten wird.
Wir haben guten Grund an allen genannten Zahlen zu zweifeln: Die
Kosten für die Hypo-Bilanz 2013 haben sich in nur wenigen Tagen
verdoppelt", erklärt Kolm abschließend.
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