Zweifel an AK-Studie "ATX-Vorstände kassieren bereits das 48fache eines Mitarbeiters
Der Wirtschaftspublizist Michael Hörl bezweifelt die
Seriosität der Berechnungsmethoden
bei den Arbeiterkammer-Studien zu Österreichs Managergehältern massiv.
Die AK
Wien war 2008 zum Ergebnis gekommen, dass Österreichs Spitzenmanager 2007
das
48fache ihrer Beschäftigten verdient hätten. Viele Aussagen des Berichtes
seien
„unseriös und manipulativ konstruiert", so Hörl, „in Wahrheit läge
das
Verhältnis eher beim 11fachen".
Auf ihrer Homepage behaupte die Arbeiterkammer zur
betreffenden Studie „Trotz Börsekrise Rekordgagen für ATX-Manager" vom
23.5.2008:
„ATX-Manager verdienten im vergangenen Jahr 1.300.426 Euro pro Kopf (+14
Prozent), während die Personalkosten im Durchschnitt auf 27.349 Euro
brutto pro
Beschäftigten gesenkt wurden."
Laut Hörl wolle die AK
die Bevölkerung glauben lassen, dass sich Österreichs Führungskräfte
auf Kosten
ihrer Mitarbeiter bereichert hätten, indem sie die Mitarbeiterlöhne um 5%
gekürzt hätten, um die eigenen Gagen „auf hohem Niveau erneut um 14%"
anheben
zu können. Dies sei manipulativ konstruiert.
Aussage „Mitarbeiterlöhne
seien gekürzt worden" entspricht nicht der Wahrheit
Noch nie seit 1955 wurden in Österreichs Wirtschaft
„branchenübergreifend" Löhne
gekürzt. Im Gegenteil: Im betroffenen Jahr 2007 waren Österreichs Löhne
um 2,5%
gestiegen. Viel eher dürfte die von der AK festgestellte „Senkung der
Beschäftigtengehälter um 5%" einzig auf die Expansion heimischer Betriebe
nach
Osteuropa zurückzuführen sein. Ungefähr 40% aller Konzernbeschäftigten
arbeiteten bereits in Osteuropa, bei Raiffeisen International waren es
sogar 99%
von 58.000.
Weil im Zuge der Finanzkrise 2007/08 die Ostwährungen gegenüber dem Euro
um etwa 50%
gefallen waren (Beispiel: ukrainische Hryvna um -46%), waren die Löhne
osteuropäischer Arbeiter bei der Umrechnung in Euro auf dem Papier nun
entsprechend
weniger wert. Damit drückten diese die gesamten Lohnsummen bei den
heimischen
Konzernen. Tatsächlich hatten Österreichs Konzerne die Löhne ihrer
osteuropäischen
Mitarbeiter (in lokaler Währung) real sogar sehr kräftig erhöht.
Beispielsweise
stiegen die Bezüge osteuropäischer Mitarbeiter bei Raiffeisen
International in
lokaler Währung um saftige 27%.
Arbeiterkammer
vergleicht österreichische Top-Manager mit ukrainischen Hilfsarbeitern
Die Arbeiterkammer Wien beziffert das durchschnittliche
ATX-Vorstandsgehalt
mit 1,3 Millionen Euro, das eines
durchschnittlichen Beschäftigten mit 27.349 im Jahr. Bei 14 Gehältern
ergäbe
das aber ein Monatsgehalt von bloß 1.954 Euro brutto. Laut Hörl gäbe es
keinen
einzigen österreichischen Konzern, bei dem ein durchschnittlicher
österreichischer Mitarbeiter so wenig
verdienen würde.
So käme die ÖGPP laut Hörl bei Konzernen, die
ihre Mitarbeiter hauptsächlich in Österreich beschäftigten, 2007 auf
fast
doppelt so hohe Durchschnittsgehälter wie die Arbeiterkammer.
Laut ÖGPP hätten die Österreich-Beschäftigten der
„Schöller-Bleckmann"-Werke oder die der „Voest Alpine AG"
Jahressaläre von etwa
45.000 Euro erhalten. Bei der Telekom Austria wären es 66.000 Euro gewesen
-
immerhin das Zweieinhalbfache des AK-Bezugswertes. Bei der Generali AG
verdienten
Österreicher jährlich 55.000, bei der AUA 48.000 Euro, bei Intercell
56.000 und
beim Verbund sogar 90.000 Euro - mehr als das Dreifache des
Arbeiterkammer-Wertes. Beim Maschinenbauer Andritz waren es wie bei
Zumtobel
2007 42.000 Euro, und selbst beim Schlusslicht Post seien es noch knapp
33.000
Euro.
Da sich der geringe AK-Vergleichswert von
27.349 Euro in der österreichischen Konzernrealität nicht widerspiegle,
läge laut
Hörl der Verdacht nahe, dass die Arbeiterkammer den großen Anteil
osteuropäischer Mitarbeiter nicht aus den österreichischen Bilanzen
ausgeschieden hätte.
Wollte man das Verhältnis der Top-Manager zu
ihren Angestellten vergleichen, müsste man die Löhne osteuropäischer
Angestellter mit den viel kleineren Bezügen ihrer osteuropäischen
Manager vergleichen. Das
Ergebnis läge laut Hörl dann irgendwo bei 1:11. „Soll die Spreizung
österreichischer Löhne untersucht werden,
haben osteuropäische Gehälter dort nichts verloren", so der
Wirtschaftswissenschafter. Die Gehälter österreichischer
Top-Manager dürften nur ins Verhältnis zu den Gehältern ihrer
österreichischen Angestellten gesetzt werden. Dabei käme man auf Werte
von etwa 1:11.
Vorstandsbezüge
durch AK künstlich hochgerechnet
Nicht nur, dass die Arbeiterkammer die
Beschäftigtengehälter künstlich „nieder-rechnete", so würde sie die
Vorstandsbezüge künstlich „hoch-rechnen". In ihrer AK-Studie
„Vorstandsvergütung
und Ausschüttungspolitik der ATX Unternehmen 2008" rechnen die Autoren
Christina
Wieser und Markus Oberrauter 2007 in die Vorstandsbezüge von Andritz,
Erste
Bank und RHI (2008 auch in die der AUA) auch die
„Abfertigungsaufwendungen für
ausgeschiedene Vorstandsmitglieder" mit ein.
Das sei so seriös, als wenn man dem neuen
Mitarbeiter, der 30.000 Euro im Jahr verdiene und dessen Vorgänger mit
40.000
Euro abgefertigt worden wäre, glauben machen wolle, er würde 70.000 Euro
verdienen. So der Autor der „Gemeinwohl-Falle".
Auf Anfrage ließ die Arbeiterkammer wissen,
dass man die Berechnungsbasis mittlerweile geändert habe und die
Managergehälter nun mit dem Durchschnittsgehalt von 27.437 Euro
vergleiche.
Damit käme man auch im Jahr 2012 für 2011 - und rückwirkend für 2008 -
wieder
auf das Verhältnis von 1:48. „Doch auch dieser Versuch, Österreichs
Bevölkerung
zu Wutbürgern aufzustacheln, ist unredlich", so Michael Hörl. Denn nun
vergleicht
man österreichische Konzern-Spitzenmanager mit einem „nebulosen
österreichischen Durchschnittsgehalt", das so niedrig angesetzt ist, dass
es
auch Hunderttausende Handwerker- und Dienstleistungslöhne (wie die von
Kellnern
und Frisörinnen) beinhalten dürfte. Außerdem würde es etwa auch deren
(steuerfreie)
Trinkgelder nicht beinhalten.
Die niedrigen Bezüge des relativ unproduktiven
Dienstleistungssektors hätten nichts in einem Referenzgehalt zu verloren,
dass
in Relation zu hochproduktiven Industrie- und Finanzsektoren gesetzt
werde.
Eine
entsprechende Anfrage an die Arbeiterkammer blieb unbeantwortet.
Michael Hörl: „Wer den Menschen suggeriert, eine abgehobene
Manager-Kaste würde sich 48 Mal so viel
ausbezahlen wie den eigenen Mitarbeitern - oder hätte im selben Zug sogar
deren
Gehälter gekürzt - spricht nicht die Wahrheit. Aber er schürt die Wut
und den
Hass auf „das System". Und er gibt den Menschen das dumpfe Gefühl, sie
würden
in diesem System nur ausgebeutet und übergangen werden".
Hörl: „Österreich hat ein veritables Demokratieproblem, wenn solch
offensichtlich manipulativ gestaltete
Meldungen von vielen heimischen Medien kritiklos durchgewunken werden. Die
Manager-Vergleiche der Arbeiterkammer machen deutlich, wie dringend
Österreichs
Bevölkerung Wirtschaftsbildung braucht. In den Gymnasien soll BWL
eingeführt
werden, die Wirtschaft enger mit dem Gymnasium verzahnt werden. Aktive und
kommende Journalisten sollen kostenfrei kaufmännische Kenntnisse erwerben
können, auf der WU muss der „Wirtschaftsjournalist" angeboten werden.
Hörl: „Die demokratische Kontrolle der Arbeiterkammer funktioniert in
Österreich heute nicht.
Deshalb ist die Arbeiterkammer-Umlage solange zu halbieren, bis neue
Machtstrukturen eine pluralistischere Meinungsbildung möglich machen".