Zwischen 1.800 – 1.900 Punkten dürfte die Schmerzgrenze liegen
Im Vorfeld des aktuellen EU-Gipfels ging es an den Märkten tendenziell wieder bergab – der ATX fiel 3,4% auf 1.885 Punkte, fing sich im Lauf der Woche bei knapp über 1.850 Punkten. Auf dem aktuellen Kursniveau liegt der Index-Abschlag zum erwarteten Buchwert 2012 bei fast 25% und die erwartete Dividendenrendite für 2012 beträgt aktuell 4,5% - somit fast das Doppelte der Rendite 10-jähriger österreichischer Staatsbonds, die derzeit 2,50% Rendite abwerfen. Diese krassen Bewertungsrelationen bzw. hohen Risikoprämien bei Aktien lassen uns vermuten, dass im Bereich von 1.800 – 1.900 Punkten im ATX die Schmerzgrenze erreicht ist, wo immer wieder zu kaufen begonnen wird.
Die Gewinner der Woche waren – wenig überraschend – eher defensive Werte: Österr. Post (+1,4%), EVN (+0,5%) und auch die OMV mit +0,3%. Die OMV ist mit ca. 5% Dividendenrendite, Sachwertecharakter und einem Abschlag zum erwarteten Buchwert 2012 von >30% ein klassischer Wert, warum der ATX so günstig notiert. Wir empfehlen die Aktie daher auch klar zum Kauf. Trotz tiefem Niveau keine Kaufempfehlungen sind Wienerberger und Zumtobel. Letztere hat diese Woche die erwartet schwachen Jahresergebnisse präsentiert und auch den Ausblick vorsichtiger formuliert. Hier würden wir trotz Kursrückgängen nicht zum Einstieg raten. Dasselbe gilt für Wienerberger, hier haben wir in einer neuen Analyse diese Woche das Kursziel auf EUR 7,5 gekürzt. Die schwierige Lage am Hausbausektor lässt uns weiter eher schwache Ergebnisse erwarten, die eine positive Einstufung nicht zulassen.
Ausblick: Nach den Beschlüssen des EU-Gipfels reagieren die Märkte (wie so oft) kurzfristig zumindest einmal positiv. Wir sehen nach den zahlreichen erfolgreichen Tests des Bereichs von 1.850 – 1.900 Punkten durchaus eine realistische Chance, dass der ATX nun auch die 2.000er Marke und damit die 200-Tageslinie wieder ins Visier nimmt. Interessant sind aus unserer Sicht Werte wie Immofinanz, Lenzing, RHI, OMV, voestalpine, Raiffeisen, Polytec, Vienna Insurance Group oder auch Kapsch TrafficCom – allesamt solide Aktien mit der Chance auf längerfristigen Kaufkrafterhalt und einer angemessenen Ausschüttungsrendite! Die längerfristigen Aussichten für Aktien sind aufgrund der aktuellen Bewertungsrelationen in Summe klar positiv zu beurteilen, allen Unsicherheiten zum Trotz. Dass dieser EU-Gipfel allerdings nicht der letzte sein wird zum Thema Schuldenkrise und dass die Märkte weiterhin volatil bleiben werden in den nächsten Monaten, ist allerdings auch klar.