ATX: Schneller Rebound erscheint derzeit kurzfristig unwahrscheinlich
Raiffeisen Int.: EUR 982 Mio. Nettoergebnis, Erste: EUR 860 Mio. - das alles trotz schon
erhöhter Risikovorsorgen. Man könnte glauben, dass Aktionäre zufrieden sind und diese
beiden Aktien andere Bankwerte, die mit Milliardenverlusten zu kämpfen haben (siehe Europa-
Kommentar), massiv outperformen. Dem ist aktuell aber nicht so. International wird aktuell sehr
einseitig über Risiken der Region Osteuropa berichtet, was Investoren zu weiteren Verkäufen
von Aktien an der Wiener Börse, allen voran wieder die Bankenwerte, motivierte. In dieser
Woche verunsicherte Moody's mit einer solchen Studie massiv die Investoren. Es wird wohl
noch das eine oder andere Quartal vergehen müssen, bis die Investoren realisieren, dass die
CEE-Region trotz des Wachstumseinbruchs im heurigen Jahr mittelfristig wieder auf die
Überholspur zurückwechseln wird. Vor allem die zwar stark gewachsene, aber absolut gesehen
noch immer geringe Verschuldung sollte dazu beitragen, dass die CEE-Region keine
nachhaltige Wachsstumsschwäche aufweisen wird. Wir bleiben daher bei unser
Kaufempfehlung für die Vienna Insurance Group und bei unserer positiven Einstufung der
Raiffeisen Int. Aktie, obwohl wir natürlich weitere Kursturbulenzen oder Rückschläge in den
nächsten Wochen nicht ausschließen können.
Trotz aller Unsicherheiten sind zuletzt von Stimmungsindikatoren wie dem ZEW-Index auch
erste Anzeichen für einen besseren Ausblick gekommen. Denn objektiv gesehen herrscht zwar
große Unsicherheit, allerdings verfügen die Konsumenten durch die sinkende Inflation und die
(in Österreich) nun kommenden Steuerreformeffekte über ein deutlich steigendes real
verfügbares Einkommen. Wenngleich kurzfristig noch mit keiner Aktienoutperformance
gerechnet werden kann, bieten einzelne Werte (wie aktuell eben zum Beispiel Vienna
Insurance Group, Andritz, Intercell oder OMV) doch mittelfristig interessante Perspektiven. Wir
wollen daher auf die weiterhin hohen Unsicherheiten und Volatilitäten hinweisen, wollen das
Glas aber eben auch halb voll und nicht nur halb leer sehen. Eine nachhaltige Bodenbildung
des Gesamtmarkts wird noch dauern und auch ein schneller Rebound erscheint derzeit
kurzfristig unwahrscheinlich.