Agrana will in Frucht- und Getränkesparte weiter wachsen
Chancen präsentieren sich laut Firmenchef Büttner vor allem im
Food-Service-Geschäft, weitere Einsparungen im Zuckersegment
Die Agrana strebt in ihrem Geschäftsbereich
Food & Beverage Solutions (FBS) weiteres Wachstum an. Potenziale
ortet der Konzern vor allem in der Food-Service-Industrie, die an
die Gastronomie bzw. an Fast-Food-Restaurants und Kaffeeketten
andockt. "Das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Ausrichtung,
weil der Konsum in diese Richtung geht", sagte Firmenchef Stephan
Büttner anlässlich eines Werksbesuchs nahe Paris. Im Zuckersegment
sollen indes weitere Einsparungen folgen.In das Segment Food & Beverage Solutions, das zuletzt gute
Ergebnisse abwarf, fallen unter anderem Erzeugnisse für Molkereien
sowie für die Hersteller von Eiscreme, Backwaren- und Getränken. Das
Portfolio beinhaltet weiters würzige Zubereitungen und Aromen sowie
Rezepturen für Sirupe und Saucen.
Besseren Zugang zum Food-Service-Markt - der umfasst alles, was
außer Haus konsumiert wird - erhofft sich der CEO des
Lebensmittelveredlers vor allem durch die im August angekündigte
Übernahme des slowenischen Lebensmittelherstellers Mercator-Emba, wo
das Closing bald erwartet wird. Das Unternehmen mit Sitz in der Nähe
von Ljubljana ist unter anderem auf die Herstellung von Sirupen
sowie Dessert-Toppings spezialisiert und beliefert unter anderem die
Systemgastronomie und Einzelhandelsfirmen.
"Es ist sehr schwer, in dieses Kundensegment (Fast-Food- und
Kaffeeketten, Anm.) vorzudringen, weil die traditionell starke
Lieferantenbeziehungen haben. Die haben einen Namen zu verlieren und
brauchen stetige Qualität. Mit Mercator und unseren sonstigen
globalen Aktivitäten haben wir demnächst aber einen ganz anderen
Hebel bei solchen Kunden und versprechen uns viel von dem Zukauf",
so der Manager vor Journalistinnen und Journalisten.
Umstrukturierungen auf Kurs
In den vergangenen zwei Jahren habe man "intensiv an der
Aufstellung des Unternehmens" gearbeitet, so Büttner mit Blick auf
die neue Konzernstrategie. Denn die Strukturen seien "viel zu starr"
und "angebotsgetrieben" gewesen. Außerdem litt das Zuckergeschäft,
einst Steckenpferd der Agrana, unter geringeren Marktpreisen und
zehrte dem Konzern Gewinne weg. Mittlerweile ist die Agrana in zwei
größere Segmente gegliedert: Neben Food und Beverage Solutions
wurden die einstigen Bereiche Stärke und Zucker in eine
Rohstoff-Sparte eingegliedert. Vorteile seien, dass ersteres Segment
nicht so stark von Ernten oder Wettereinflüssen abhängig sei und es
mehr Synergien zwischen den Bereichen gebe, die stärker von den
Rohstoffmärkten getrieben seien. Die Struktur des Unternehmens lasse
sich so besser verschlanken.
Der Umgestaltungsprozess im Konzern ist aber noch im Gange. Vor
allem stelle sich die Frage, in welchen Bereich langfristig der
Fruchtsaft- und Konzentrathersteller Austria Juice eingegliedert
wird, den die Agrana zuletzt vollständig übernommen hat, nachdem sie
schon 50,1 Prozent an dem Unternehmen gehalten hatte. Gerade der
Konzentratteil sei sehr rohstofflastig und würde sich daher gut in
den Stärke- und Zuckerbereich einfügen, so Büttner. Bei Aromen und
Getränkegrundstoffen, die ebenso von Austria Juice produziert
werden, sei wiederum eine Integration in FBS vorstellbar. Eine
Spaltung sei also möglich, damit sollen sich nun die Gremien
befassen. Die Grundsatzentscheidung soll in den kommenden Monaten
gefällt werden.
Im Bereich Food & Beverage Solutions (FBS) hat die Agrana
weltweit 36 Standorte. Einer davon liegt in der Gemeinde Mitry-Mory
in der Nähe von Paris, laut Büttner ein "wesentlicher Standort" für
die Agrana. Beschäftigt sind dort 125 Mitarbeitende bei einer
Produktionskapazität von 48.000 Tonnen, das sind etwa 7 bis 8
Prozent der gesamten Konzernkapazität in diesem Bereich. Auszeichnen
würde sich dieses wie die anderen Werke über die Nähe der Kunden,
für die produziert wird, was mit geringen Transportwegen auch im
Sinne der Kostenreduktion sei, ergänzte der Leiter der Division
Frucht, Markus Wagner.
Einsparungen im Zuckerbereich
Im defizitären Zuckersegment arbeite das Management allerdings
bereits an weiteren Einsparungen, kündigte Büttner an. Bekannt war
bereits, dass Agrana bis 2027/28 etwa 400 bis 500 Stellen im Zucker-
und Stärkegeschäft streichen will, die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf
wurde geschlossen. Die Einsparungen sollten sich konzernweit auf 100
Mio. Euro pro Jahr belaufen, nun lautet das Ziel 130 Mio. Euro
jährlich bis ins Geschäftsjahr 2027/28. "Wir müssen weiter an der
Wettbewerbsfähigkeit im Zuckerbereich feilen, da sind wir noch nicht
da, wo wir hinmüssen", sagte Büttner, ohne konkrete Maßnahmen zu
nennen.
(Redaktionelle Hinweise: Compliance-Hinweis: Diese
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