Russland: RBI-Tochter verliert Berufung und muss 339 Mio. Euro zahlen
Weitere Niederlage gegen Strabag-Aktionär Rasperia Trading
Limited - Überweisung der Summe an Kläger durch russische
Zentralbank erwartet
Ein russisches
Berufungsgericht in St. Petersburg hat am Donnerstagnachmittag laut
Gerichtsregister den Spruch des erstinstanzlichen Handelsgerichts
von Kaliningrad bestätigt, wonach die Raiffeisenbank Russland im
Rahmen einer Klage des russischen Strabag-Aktionärs Rasperia Trading
Limited gegen die Strabag und deren Kernaktionäre 339 Mio. Euro
Schadenersatz bezahlen muss. Wie zuvor war die RBI-Tochter nur
aufgrund ihrer Verwandtschaft zu Strabag-Aktionären belangt worden.Nach wiederholten Niederlagen der Raiffeisenbank Russland gegen
Rasperia vor Gericht war auch die aktuelle Entscheidung im Sinne des
Klägers erwartet worden. Mit dem Beschluss vom Donnerstag wird ein
Urteil vom 18. Dezember 2025 rechtskräftig. Die russische
Holdinggesellschaft mit Sitz in Kaliningrad dürfte sich wie bereits
in der Vergangenheit nunmehr an die russische Zentralbank wenden,
die ihrerseits dem Kläger den geforderten Betrag von einem
Korrespondenzkonto der Raiffeisenbank Russland überweisen dürfte.
Laut Darstellung der Raiffeisen Bank International (RBI) in Wien
hatte Rasperia seine aktuelle Forderung mit einer Entschädigung im
Zusammenhang mit der Kapitalherabsetzung bei der Strabag sowie nicht
bezahlten Strabag-Dividenden 2024 begründet.
Zweite Verurteilung zu Schadenersatz
Argumente der RBI-Tochter Raiffeisenbank Russland, wonach
Rasperia durch einen Kaliningrader Gerichtsbeschluss vom Jänner 2025
seine Anteile am Baukonzern nach russischem Recht eigentlich an die
Raiffeisenbank Russland überschrieben habe und deshalb kein Anrecht
auf später beschlossene Dividenden haben sollte sowie die Folgen der
Strabag-Kapitalherabsetzung im vorangegangenen Verfahren ebenso
berücksichtigt worden seien, hatten kein Gehör gefunden. Mit
Rechtskraft im April 2025 waren die Strabag und ihre Kernaktionäre
bereits zu 2,044 Mrd. Euro Schadenersatz verurteilt worden. In
Ermangelung von russischem Vermögen der Geklagten musste die an der
Strabag nicht beteiligte Raiffeisenbank Russland für diese Summe
aufkommen. Begründet wurde dies damit, dass die Bank über ihre
österreichische Mutter in einer Verwandtschaftsbeziehung mit
Strabag-Kernaktionären steht. Insbesondere war damals die Rede von
der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien gewesen, die
Eigentümerin der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien ist.
Letztere hält ihrerseits 25 Prozent an der Raiffeisen Bank
International.
Hintergrund des Rechtsstreits ist die Strabag-Beteiligung der
Rasperia, die zumindest früher dem sanktionierten russischen
Industriellen Oleg Deripaska zugerechnet wurde. Im Zusammenhang mit
den EU-Sanktionen gegen Deripaska im Frühjahr 2022 war seine
Gesellschaft jedoch im Baukonzern de facto entmachtet worden.
Rechtsmittel des russischen Aktionärs dagegen scheiterten vor
österreichischen Gerichten.
Rasperia aus österreichischer Sicht weiterhin Strabag-Aktionär
Ein geplantes Tauschgeschäft, bei dem die Raiffeisen Russland den
Strabag-Anteil der Rasperia kaufen und als Sachdividende an die RBI
ausschütten wollte, war in Folge 2024 im Zusammenhang mit
Sanktionsrisiken geplatzt. Am nötigen Konsens aller
EU-Mitgliedstaaten scheiterten 2025 zudem Bemühungen der
österreichischen Bundesregierung, die vergeblich eine
Sanktionsausnahme für Rasperia gefordert hatte. Mit einem
diesbezüglichen EU-Sanktionsbeschluss hätten die Strabag-Anteile des
EU-sanktionierten Aktionärs aus Russland an die RBI übertragen
werden können. Die österreichische Bank hätte damit für ihre erste
Schadenersatzzahlung von mehr als 2 Mrd. Euro durch die russische
Tochterbank entschädigt werden können. Aus österreichischer Sicht
hält Rasperia derzeit 24,1 Prozent des Strabag-Grundkapitals. Daran
könne auch jenes russische Urteil, das diese Anteile auf die
Raiffeisenbank Russland übertragen haben will, ohne Einbindung der
zuständigen Sanktionsbehörden in der EU nichts ändern, informierte
eine Sprecherin des Baukonzerns.
hgh/bel
ISIN AT000000STR1 AT0000606306
WEB http://www.strabag.com
http://www.rbinternational.com/
ISIN AT0000741053
WEB http://www.evn.at