RLB-NÖ-Wien-Chef - Wohnkredit-Lockerungen "absolut unbefriedigend"
KIM-VO "besachwaltet" Tätigkeit der Bankmanager -
Vergabekriterien der Banken seien nachweislich "absolut in
Ordnung" - Bank will verstärkt auf neue Kredit-Produkte bauen
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Weiter Details, Höllerer-Aussagen zu Russland-Geschäft der RBI (letzte 3 Absätze)
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Für den Generaldirektor der Raiffeisen Holding und
der Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien),
Michael Höllerer, sind die vom Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG)
vorgeschlagenen Lockerungen für die Wohnkreditvergaberegeln "absolut
unbefriedigend". Die Grundintention der Verordnung sei zwar
nachvollziehbar, eine solche Regulierung lebe allerdings vom
"Zeitpunkt und von der Ausgestaltung", sagte Höllerer am Mittwoch im
Klub der Wirtschaftspublizisten.
Vergangene Woche hat das FMSG zwei Lockerungen zu der seit August
bestehenden KIM-VO
(Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung)
empfohlen. Diese betreffen die Zwischenfinanzierungen sowie
Vorfinanzierungen von nicht-rückzahlbaren Zuschüssen durch
Gebietskörperschaften. Die damals auch beschlossenen strengeren
Quoten für den Eigenmittelanteil und die Rückzahlungsraten wurden
nicht angetastet.
"Ich glaube, dass die Verordnung in Wahrheit die Tätigkeit eines
Bankmanagers bzw. eines Geschäftsleiters eigentlich besachwaltet",
so Höllerer. Die Banken wüssten sehr wohl und könnten anhand der
Risikokosten auch beweisen, dass ihre Vergabekriterien und die
Qualität der Wohnkredit-Vergabe "absolut in Ordnung sind". Gepaart
mit der Zinswende im vergangenen Jahr schiebe die KIM-VO aber nun
einen Riegel für mögliche Kredite vor, die man sonst trotz der
Zinsanpassungen hätte abschließen können. "Kurz gesagt, es braucht
keine KIM-Verordnung", so Höllerer. "Hätte man sie vor drei Jahren
gemacht, dann wäre es wahrscheinlich nachvollziehbarer gewesen".
Die vom FMSG vorgeschlagenen Lockerungen sind laut Höllerer nur
wenig nützlich. Bei Zwischenfinanzierungen müsse der Wert der alten
Immobilie voll als Sicherheit anerkannt werden. Das FMSG schlug
hingegen vor, dass 80 Prozent des Marktwerts der alten Immobilie
beim Kauf einer neuen als Eigenkapital angerechnet werden können.
Um den Restriktionen der Verordnung zu begegnen und die Kunden
weiterhin bei der Schaffung von Eigentum zu unterstützen, will die
Bank künftig alternative Produkte zum klassischen Wohnkredit
anbieten. Eine Option wäre laut Höllerer die stärkere Einbeziehung
mehrerer Generationen in einen Kreditvertrag, beispielsweise wenn
Eltern ihren Kindern beim Wohnungskauf mit Eigenmitteln aushelfen.
Eine weitere Möglichkeit wäre ein "umgekehrter Hypothekarkredit"
("reverse mortgage"). Bei einem solchen erhält der Kreditnehmer ein
Darlehen, wobei die bereits abbezahlte Immobilie als Sicherheit
gilt. Nach Ableben des Eigentümers wird der Kreditbetrag dann durch
Verkauf der Immobilie zurückgezahlt.
Potenzial für neue Produkte sieht Höllerer auch im
Unternehmensbereich. Die RLB NÖ-Wien will sich vor allem auf Firmen
im kleinen und mittelständischen Bereich mit Wachstumspotenzial
konzentrieren. Für solche könne es beispielsweise einen Fonds geben,
über den sogenanntes "Mezzaninkapital" - eine Mischform zwischen
Eigen- und Fremdkapital - für eine Expansion zur Verfügung gestellt
wird. Finanzierungen für ein Unternehmen könnten zwischen 250.000
und 500.000 Euro liegen.
Künftig sollen verstärkt aber auch zusätzliche Leistungen, die
über das klassische Bankgeschäft hinausgehen, angeboten werden. Als
wesentlichen Zukunftsmarkt sieht Höllerer dabei den Pflege- und
Gesundheitsbereich. Das Thema betreffe jeden Einzelnen und man könne
sich nicht nur auf den Staat verlassen. Kein großes Geschäft für die
Bank, hingegen ein großes soziales Anliegen, seien die
Energiegenossenschaften. Hier engagiere sich die RLB NÖ-Wien vor
allem Niederösterreich intensiv. Zehn Energiegenossenschaften habe
man bereits gegründet, bis Jahresende sollen es doppelt so viele
sein.
Zur heiklen Thematik des Russland-Geschäfts der Raiffeisen Bank
International (RBI) hielt sich Höllerer - wie bereits RLB-OÖ-Chef
Heinrich Schaller im Jänner - sehr bedeckt. Einen Zeitrahmen, wann
eine Entscheidung bezüglich der Russland-Tochter fallen könnte,
wollte er nicht nennen. Der RBI-Vorstand habe hier sehr klar
kommuniziert. Er selbst werde dem Management seine Meinung nicht
über die Medien ausrichten, so Höllerer, der auch im Aufsichtsrat
der RBI sitzt. In der RBI werde jedenfalls mit Hochdruck an der
Sache gearbeitet. "Da wird nicht auf Zeit gespielt", verteidigt der
RLB-NÖ-Wien-Chef den Bank-Konzern.
bel/cgh
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