Kredite an Soldaten schüren Rufe an Banken nach Russland-Ausstieg
Investoren sorgen sich zunehmend um Präsenz in Russland bei
RBI und UniCredit - Swedbank Robur: "Jede Art von
Profitmacherei aus dem laufenden Krieg ist nicht akzeptabel"
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Aussagen von EZB-Chefaufseher Andrea Enria (letzter Absatz)
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Die von Russland diktierten Kreditstundungen
für im Ukraine-Krieg kämpfende Soldaten sorgen für zunehmenden Druck
auf europäische Banken, ihr Geschäft in dem Land zu beenden. Neben
der Ukraine, die in den vergangenen Wochen immer wieder an die
Institute - unter anderem an die in Russland tätige Raiffeisen Bank
International (RBI) - appelliert hat, aus Russland auszusteigen,
mehren sich nun laut Reuters auch Zurufe von Investoren, die sich
Sorgen um ihre Reputation machen.
Besonders beäugt werden dabei die RBI und die italienische
Bank-Austria-Mutter UniCredit, die beide nach wie vor Geld in
Russland verdienen, schreibt die Agentur am Montag. Die beiden
Institute sind außerdem die einzigen ausländischen Banken auf der
Liste der 13 "systemrelevanten Kreditinstitute" der russischen
Zentralbank. Das unterstreicht ihre Bedeutung für die russische
Wirtschaft.
"Unternehmen sollten sehr vorsichtig sein", sagte beispielsweise
Kiran Aziz vom norwegischen Pensionsfonds KLP und warnte vor dem
großen Risiko, dass die Banken dazu benutzt werden könnten, "den
Krieg auf andere Weise zu finanzieren". Die KLP-Fonds halten sowohl
Anteile an Raiffeisen als auch an UniCredit.
Auch Eric Christian Pederson von Nordea Asset Management sagte,
er sei besorgt über die russische Präsenz von Raiffeisen und
UniCredit. Die Anforderung, dass die Banken den Soldaten
Zahlungserleichterungen gewähren müssen, "zeigt die Gefahren, wenn
man in Ländern tätig ist, in denen Unternehmen zu Handlungen
gezwungen werden können, die direkt gegen ihre Unternehmenswerte
verstoßen", so Pederson. "Wir halten es für richtig, dass sich
Unternehmen angesichts des unprovozierten Angriffs auf die Ukraine
aus Russland zurückziehen." Refinitiv-Daten zeigen, dass Nordea
Anteile an UniCredit besitzt.
"Jede Art von Profitmacherei aus dem laufenden Krieg ist nicht
akzeptabel und steht nicht im Einklang mit unserer Auffassung von
verantwortungsvollen Investitionen", sagte auch ein Sprecher der
Swedbank Robur, einem der größten Investoren in Skandinavien mit
Beteiligungen an beiden Banken. Einige größere institutionelle
Anleger, darunter die französische Amundi und der norwegische
Staatsfonds, der sich für verantwortungsbewusstes Investieren
einsetzt, lehnten eine Stellungnahme zu dem Thema ab.
Laut Daten der russischen Zentralbank haben die Banken zwischen
dem 21. September und dem Ende des letzten Jahres insgesamt 167.600
Kredite für Militärangehörige oder deren Familienangehörige im Wert
von mehr als 800 Mio. Euro umgeschuldet.
Nach Angaben der Raiffeisen seien nur 0,2 Prozent ihrer
russischen Kredite von dem "staatlich verordneten Kreditmoratorium"
betroffen, die Summe sei "vernachlässigbar". Im abgelaufenen
Geschäftsjahr hat die Bank dennoch ihren Gewinn in Russland mehr als
vervierfacht, von 474 Mio. Euro im Jahr 2021 auf 2,058 Mrd. Euro.
Grund waren vor allem Währungseffekte und das Geschäft mit dem
Devisentausch.
Die Bank lässt sich nach wie vor alle Optionen offen. CEO Johann
Strobl betonte Anfang Februar bei der Bilanzpressekonferenz erneut,
dass man alle Möglichkeiten inklusive eines völligen Ausstiegs
untersuche. Ein solcher Prozess sei aber sehr komplex.
Die UniCredit machte keine Angaben dazu, wie viele ihrer Kredite
von dem Moratorium betroffen waren. Die italienische Bank sagte
aber, dass sich ihr Geschäft in Russland auf Unternehmen und nicht
auf Privatpersonen konzentriere. Von den Gesamteinnahmen der
UniCredit in Höhe von mehr als 20 Milliarden Euro im vergangenen
Jahr entfielen mehr als 1 Milliarde Euro auf Russland. Beide Banken
wiesen darauf hin, dass man zu den Moratorien gesetzlich
verpflichtet sei.
Auch wenn eine Bank den Ausstieg aus Russland plant, kommt
erschwerend ein Dekret des russischen Präsidenten Wladimir Putin
hinzu. Dieses verbietet Investoren aus sogenannten unfreundlichen
Ländern den Verkauf von Bankanteilen, es sei denn, der russische
Präsident selbst erteilt eine Ausnahmegenehmigung.
EZB-Chefaufseher Andrea Enria sagte, er unterstütze jede Bank,
die ihr Geschäft in Russland reduzieren oder das Land komplett
verlassen wolle. Das Zeitfenster für einen Ausstieg schließe sich
jedoch langsam, da die russischen Behörden eine "feindlichere"
Haltung einnähmen. Mit der Raiffeisen und der UniCredit sei man in
Gesprächen über Russland, wie die beiden Banken bestätigten.
bel/itz/cs
ISIN AT0000606306 IT0004781412
WEB http://www.rbinternational.com/
https://www.unicreditgroup.eu
ISIN DE0007100000
WEB http://www.daimler.com