Raiffeisen Research: Chancen & Risiken am Wertpapiermarkt
Anleihen werden für Anleger wieder attraktiver - Potenzial bei
Aktien ist aktuell begrenzt
Der Wirtschaftsausblick könnte schlechter ausfallen:
"Wir erwarten uns ein moderates BIP-Wachstum nächstes Jahr", sagt
Gunter Deuber, Leiter des Raiffeisen Research. Österreich werde
heuer im 4. Quartal und 2023 im 1. Quartal eine Rezession erleben.
Danach sollte die Wirtschaft wieder zulegen.Da Österreich heuer im ersten Halbjahr der "Wachstumskaiser" war,
wird der Wirtschaftsabschwung stärker empfunden, merkt Deuber an. Im
laufenden Jahr gehe sich für Österreich ein Wachstum von 5 Prozent
aus, in der Eurozone seien es nur 3 Prozent. Nächstes Jahr dürfte
Österreich mit einem Plus von 0,5 Prozent ebenfalls besser als der
Durchschnitt abschneiden.
Vorerst würden der EZB vor allem die Inflationserwartungen der
Konsumenten Sorgen bereiten. Mit einer Normalisierung in Hinblick
auf die Inflation rechnet die RBI frühestens ab 2024. Die
Inflationsrate werde demnach von 8,2 Prozent im laufenden Jahr auf 6
Prozent 2023 und dann auf 3,1 Prozent im Jahr 2024 zurückgehen.
Ein "Doppelschlag aus Geo- und Geldpolitik" sorge für
substanzielle Rückschläge und Neubewertungen von Aktien, wie
Christian Hinterwallner, Leiter des Raiffeisen Equity Research,
anmerkt. Seit Jahresbeginn seien die wesentlichen Aktienindizes
kräftig im Minus. Nasdaq-100- und DAX-Werte hätten im Schnitt rund
ein Drittel eingebüßt. Aber auch der Dow-Jones-Index und EuroStoxx
50 zählten zu den Verlierern.
"Das Narrativ von der Alternativlosigkeit von Aktien geht zu
Ende", kommentiert die RBI diese Entwicklung. Allerdings dürfte sich
nächstes Jahr auch der Horizont für Aktien wieder aufhellen. Derzeit
seien jedoch die Gewinnwachstumserwartungen für das nächste Jahr zu
hoch.
Zwar seien auch Anleihen - vor allem Staatsanleihen und Papiere
im Investment-Grade-Bereich - zuletzt unter Druck geraten, dafür
würden die Renditen wieder anziehen. Wobei der "risikolose Anteil"
an der Rendite wieder zunehme. Die heftigen Marktkorrekturen im
festverzinslichen Wertpapierbereich begründet Bayer mit den
umfassenden Wirkungen der besonders expansiven unkonventionellen
Geldpolitik der EZB. "Im Gegensatz zu den USA wurden Nullzinsen und
Negativzinsen in der letzten Dekade zur neuen Normalität im
Euroraum. Durch die lange Dauer dieses Zustandes haben immer weniger
Marktteilnehmer mit einer Trendumkehr geplant", meint Jörg Bayer,
Leiter des RBI-Bereiches Fixed Income & ESG-Research.
Bei den Neuemissionen würden Anleihen aus dem Finanz-Bereich
dominieren. Allerdings seien die österreichischen Banken deutlich
stärker als in den letzten Krisen, sagt Bayer. So habe der Anteil
der toxischen Kredite mehr als halbiert werden können und liege
derzeit unter 2 Prozent. Wobei auch die Kreditnehmer vorsichtiger
geworden seien: Der Anteil variabler Kredite sei zuletzt
zurückgegangen, die Kreditnehmer wählen konservativere Zinsmodelle
(Fixzins oder zum Teil Fixzins, zum Teil variabler Zinssatz).
fel/cgh
ISIN AT0000606306
WEB http://www.rbinternational.com/
ISIN IE00BYTBXV33
WEB https://www.laudamotion.com
http://www.ryanair.com
http://www.vida.at