Extrem starkes Q2-Ergebnis überrascht positiv, Ausblick 2022 deutlich angehoben
Mit einem Rekordquartalsgewinn von EUR 1,27 Mrd. übertraf die RBI sowohl unsere Prognosen als auch die Konsensus-Erwartungen sehr deutlich. Ausschlaggebend für den Ergebnissprung (im Vorjahr lag der Q2- Nettogewinn bei EUR 396 Mio.) waren neben dem Gewinn aus dem Verkauf der bulgarischen Tochter (idHv EUR 435 Mio.) die sehr stark gestiegenen Zins- und Provisionsüberschüsse, die gegenüber dem Vorquartal (Q1/22) um satte 23% bzw. 29% zulegen konnten. Beim Zinsüberschuss unterstützten Leitzinserhöhungen in einigen CEE und SEE-Ländern sowie die massive Aufwertung des russischen Rubel. Der Provisionsüberschuss profitierte von anhaltend starker Kundenaktivität und dem Devisengeschäft in Russland. Die Risikokosten erhöhten sich verglichen mit dem Q2 im Vorjahr deutlich, was hauptsächlich auf die Bildung von Reserven für die Zukunft zurückzuführen ist. Im ersten Halbjahr 2022 stieg die Neubildungsquote auf 0,86% von 0,22% im H1 des Vorjahres. Trotz eines deutlichen Kreditwachstums stieg die harte Kernkapitalquote u.a. aufgrund des Verkaufs der bulgarischen Tochter (+75 Basispunkte) auf 13,4% (transitional, inkl. Ergebnis des 1. Halbjahres) von 12,3% im Q1/22.
Ausblick
Für 2022 hob der Vorstand den Ausblick deutlich an. Der Konzern-Return-on-Equity (ROE) wird nun bei mindestens 15% erwartet (zuvor: 8-10%; H1/22: 25,5%). Die harte Kernkapitalquote soll zu Jahresende über 13% liegen. Die Mittelfristziele für ROE und Dividenden bleiben ausgesetzt. In Summe überraschten die Q2-Zahlen sehr positiv und auch der Ausblick liegt nun sehr deutlich über unseren aktuellen Schätzungen. Bezüglich des weiteren Vorgehens in Russland arbeitet die RBI weiterhin mit Nachdruck an der Evaluierung aller strategischen Optionen, ein Rückzug aus Russland ist weiterhin möglich. Im zweiten Quartal konnte die RBI den Kreditbestand in Russland in lokaler Währung um 22% verkleinern, während der starke Quartalsgewinn die Eigenkapitalbasis der lokalen Bank weiter gestärkt hat. Das mögliche Risiko aus Russland konnte somit erheblich reduziert werden, die Auswirkung des Worst-Case-Szenarios (De-konsolidierung der russischen Tochter ohne Verkaufserlös) auf die CET1-Quote der RBI (13,4% im Halbjahr) wäre nun mit -0,05%-Punkten fast vernachlässigbar. Die extrem günstige Bewertung der Aktie wird offensichtlich, wenn man das Verhältnis des aktuellen Kurses von rund EUR 13 zum Halbjahresgewinn von EUR 5,07 je Aktie betrachtet. Wir bleiben bei unserer Kaufempfehlung und der Einschätzung, dass sich ein Rückzug aus Russland positiv auf den Aktienkurs auswirken würde.