Delisting-Angebot für OSRAM; Jahresauftakt stark
Das kombinierte Unternehmen für optische Lösungen, welches ab nun unter dem Namen ams OSRAM auftritt, publizierte starke Q1-Zahlen und will den verbleibenden OSRAM-Minderheitsaktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten. Der konsolidierte Umsatz erreichte im Q1 21 USD 1,55 Mrd. (-9% q/q), wovon das historische ams-Geschäft USD 525 Mio. ausmachte mit einer bereinigten operativen Marge von 22%. Beides lag am oberen Ende der Guidance. ams OSRAM stellte auch seine Segmentberichterstattung auf zwei Bereiche um: Halbleiter (65% Umsatzanteil im Q1) mit dem historischen ams-Geschäft und dem Opto-Semiconductors-Geschäft von OSRAM sowie Lamps & Systems (35% Umsatzanteil), welches die historischen OS-RAM-Geschäfte Automotive und Digital umfasst. Das bereinigte EBIT toppte mit USD 172 Mio. unsere und die Konsensuserwartungen. Die bereinigte EBIT-Marge im Q1 belief sich auf 11%. Für das 2. Quartal erwartet ams OSRAM einen sequentiell leicht niedrigeren Umsatz von USD 1,43 – 1,53 Mrd. sowie eine bereinigte EBIT-Marge von 7-10% aufgrund der angespannten Situation in der Lieferkette im Automobilsektor und einem saisonal schwächeren Consumer-Geschäft. Im 2. Halbjahr erwartet der Vorstand einen leicht höheren Umsatz gegenüber der 1. Jahreshälfte. Zudem bestätigte ams OSRAM sein finanzielles Zielmodell mit einem Umsatzplus im zweistelligen Bereich und einer bereinigten EBIT-Marge von 20-25%.
ams kündigte auch ein Delisting-Angebot für die noch ausstehenden ca. 28% Aktien von OSRAM an zu einem Preis von EUR 52,30/Aktie. Der Preis entspricht dem gesetzlichen Minimum des durchschnittlichen gewichteten Aktienkurses der letzten 6 Monate, liegt aber knapp 30% über dem Übernahmeangebot aus 2019. Nach dem Delisting soll der Handel der OSRAM-Aktie am regulierten Markt eingestellt werden.
Ausblick
Die Q1-Zahlen des kombinierten Konzerns waren stark, der schwächere Umsatzausblick reflektiert verlorenes Volumen im Consumer- Bereich über rund 5%, was Großteils auf Apple zurückzuführen sein dürfte (wir haben in unserem letzten Beitrag darüber berichtet). Unklar ist, wie die Auswirkungen auf 2022 sein werden. Jedoch legte ams OSRAM auch neue Wachstumschancen dar insbesondere bei der LED-fizierung im Automobil-bereich, Micro-LEDs sowie Mini-LED in der Hintergrundbeleuchtung. Wir erwarten, dass die aktuell eingeschränkte Visibilität den Aktienkurs noch länger belasten wird. Mittelfristig wird aber die OSRAM-Übernahme die derzeitige Abhängigkeit von einzelnen Großaufträgen für Produkte mit kurzen Lebenszyklen erheblich reduzieren. Selektive Zukäufe der Aktie zu Zeitpunkten eingeschränkter Visibilität erwiesen sich dabei in der Vergangenheit als durchaus attraktive Einstiegszeitpunkte.