OMV-Chef Seele: Borealis-Kauf war "faire Transaktion"
"Werden Entschuldung schnell hinbekommen" - Verkauf der
deutschen Tankstellen und der kasachischen Ölproduktion noch
heuer, weitere Verkäufe im kommenden Jahr möglich
OMV-Chef Rainer Seele hat am Donnerstag den
Kaufpreis für die Mehrheit am Chemiekonzern Borealis als angemessen
verteidigt, es handle sich um eine "faire Transaktion", sagte Seele
bei der Online-Präsentation der Ergebniszahlen für das dritte
Quartal. Die OMV hat heute ihre Borealis-Beteiligung von 36 auf 75
Prozent erhöht und dafür netto 3,8 Mrd. Euro bezahlt - und zwar
sofort den vollen Kaufpreis und nicht wie zuletzt vorgesehen in
mehreren Raten."Wir haben ja so viel Cash. Wir haben ja 7,3 Milliarden Euro auf
dem Konto liegen", erklärte Seele im Gespräch mit der APA. "Dann
haben wir noch dreieinhalb Milliarden an Kreditlinien, die wir
ziehen könnten, wenn wir denn wollten." Der Free Cashflow habe sich
heuer deutlich besser entwickelt als man beim Ausbruch der
Coronakrise gedacht habe.
Mit den Ergebniszahlen für das dritte Quartal 2020 hat die OMV
heute einen Verschuldungsgrad (Gearing) von 11 Prozent ausgewiesen -
darin ist aber noch nicht die Zahlung beim Closing des
Borealis-Deals enthalten. "Wir haben aber sehr starkes Vertrauen
darin, dass wir die Entschuldung sehr schnell hinbekommen." Allein
durch den Verkauf der Gas Connect Austria (GCA) an den Verbund werde
man in ein paar Monaten die Schulden um 570 Mio. Euro reduzieren,
"das sind 15 Prozent des Kaufpreises". Langfristig werde wie schon
in der Vergangenheit ein Verschuldungsgrad von rund 30 Prozent
angestrebt.
Auch für das Tankstellennetz in Deutschland habe man zwei
verbindliche Angebote und rechne mit dem Abschluss der Verhandlungen
und der Unterzeichnung des Kaufvertrages noch in diesem Jahr.
Trotz der guten Cashposition werde man eine Akquisition in der
nächsten Zeit nicht einmal andenken, sagte Seele, "sondern ganz
fleißig weitere Devestitionen machen von nicht strategischen
Aktivitäten". Neben den deutschen Tankstellen habe man noch die
Ölproduktion in Kasachstan, dieses Verkaufsprogramm werde man noch
heuer abarbeiten. Abhängig vom Geschäftsverlauf im vierten Quartal
werde man dann über weitere Verkäufe nachdenken
Durch die Aufstockung von 36 auf 75 Prozent bei der Borealis
erwerbe die OMV eine kontrollierende Mehrheit und könne das
Synergiepotenzial der beiden Unternehmen heben, erklärte Seele.
Außerdem partizipiere man mehr am Cashflow und an den Dividenden.
Durch den Kauf werde die OMV um ein Drittel wachsen: Die OMV mache
20 bis 25 Mrd. Euro Jahresumsatz, Borealis komme etwa auf 10 Mrd.
Euro und werde heuer einen operativen Cashflow von 1,1 Mrd. Euro
erwirtschaften.
Bei der Bewertung und Ermittlung des Kaufpreises dürfe man nicht
nur eine Momentaufnahme machen, sondern der Businessplan bilde auch
künftige Erträge ab, gab Seele zu bedenken.
Das angesprochene Synergiepotenzial von OMV und Borealis betreffe
z.B. Optimierungen von Produktionsverfahren oder günstigere Preise
beim Einkauf durch größere Einkaufsmengen. "Die OMV verfolgt
gemeinsam mit der Borealis ein Kostensenkungsprogramm und nicht ein
Personalabbau-Programm", beruhigte Seele die Mitarbeiter.
(Schluss) ivn/sp
ISIN AT0000743059
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