voestalpine-Werk in den USA hat bisher 1,5 Mrd. Euro gekostet
Im Vorjahr negatives Betriebsergebnis von 58 Mio. Euro -
Kosten seit 2017 hoch - Hohe Abfertigung und Pension für
Ex-Chef Eder
Die Eisenschwammanlage in Corpus
Christi (Texas) hat die voestalpine bisher 1,5 Mrd. Euro gekostet,
drei Mal so viel wie geplant (550 Mio. Euro), rechnete Finanzchef
Robert Ottel laut "OÖN" in der gestrigen Hauptversammlung vor. Im
Vorjahr habe das Werk ein negatives Betriebsergebnis von 58 Mio.
Euro geliefert, heuer soll der Verlust 13 Mio. Euro betragen,
nächstes Jahr soll ein Gewinn folgen.Die voestalpine weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass die
Kosten bis 2017, als das Projekt abgerechnet wurde, 869 Mio. Euro
(1,012 Mrd. Dollar) betragen haben. Seither lief das Werk allerdings
nicht wie geplant, unter anderem stand es im Geschäftsjahr 2018/19
sieben Wochen still, Ende 2019 schrieb die voestalpine 175 Mio. Euro
auf das Werk ab. Die Gesamtkosten von bisher 1,5 Mrd. Euro ergäben
sich durch "weitergehende Aufsummierung von Investitionen,
Anlaufkosten, Projektkosten, rechnerische Finanzeffekte, etc. bis
zum abgeschlossenen Geschäftsjahr 19/20", so die voestalpine. Üblich
sei es, Projektkosten auch auf Dauer mit dem Moment der
Projektabrechnung, also mit dem Stand 2017, abzuschließen. Die
detaillierten Angaben seien nur auf Nachfragen eines Aktionärs bei
der Hauptversammlung erfolgt.
Die Fluktuation in dem Roheisenwerk sei hoch, einer von vier
Arbeitern verlasse das Werk innerhalb eines Jahres wieder, weil es
im Umfeld viele Betriebe und entsprechend viele Jobs gebe, sagte
Hubert Zajicek, Vorstandschef der Stahl-Sparte. Über einen Verkauf
des Werks werde derzeit in der voestalpine nicht gesprochen. Aber
Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Lemppenau sagte laut
"Oberösterreichische Nachrichten": "Es einfach zu verkaufen, ist
nicht sinnvoll. Aber man könnte über Kooperationen nachdenken."
In der dreieinhalbstündigen virtuell abgehaltenen
Hauptversammlung wurde die angekündigte Dividende von nur noch 20
Cent pro Aktie mit überwiegender Mehrheit akzeptiert. Bekanntgegeben
wurde auch, dass der frühere langjährige Vorstandschef Wolfgang Eder
jährlich 476.772 Euro brutto Betriebspension erhält. Zum Ende seiner
Vertragstätigkeit habe Eder wie für alle Vorstände üblich eine
vertraglich - nicht gesetzlich - zugesicherte Abfertigung erhalten.
Diese habe 3,41 Mio. Euro brutto betragen, als Basis dienten 1,2
Mio. Euro Grundgehalt und 2,21 Mio. Euro Bonus. Davon blieben ihm
netto 1,65 Mio. Euro. Außerdem seien Eder Urlaubsansprüche im Wert
von 92.000 Euro ausbezahlt worden.
Für den Zeitraum vom ursprünglichen Vertragsende Ende März bis
zum 3. Juli 2019, als Eder mit der Hauptversammlung aus dem Vorstand
ausschied, habe er 450.000 Euro und als variable Gewinnanteile
620.000 Euro erhalten und damit mehr als der neue Vorstandschef
Herbert Eibensteiner, wie der Aktionär Rupert-Heinrich Staller in
einer Anfrage vermerkt habe. Dieser Unterschied sei dadurch
zustandegekommen, dass Eders Bonus schon im Juli ausgezahlt wurde,
als die großen Abschreibungen und der letztliche Verlust für das
Geschäftsjahr 2019/20 noch nicht absehbar gewesen seien. Für Eders
Bonus seien die Ergebnisse der vergangenen drei Jahre herangezogen
worden.
Auch die "Kronenzeitung" vermerkt, ein Jahr nach seinem Abschied
"wehte Eder bei der Hauptversammlung eisiger Wind entgegen", auch
wenn er gar nicht anwesend war.
(Schluss) tsk/bel
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