Voest-Chef will Stromkosten-Refundierung wie in anderen EU-Ländern
Eibensteiner: Das Geld könnten wir in CO2-Senkung investieren
- "Wollen Teil der Lösung sein" - Noch weiter Weg bis zu
Dekarbonisierung der Stahlerzeugung - Keine Pläne, nach Polen
zu gehen - BILD
Der neue voestalpine-Generaldirektor Herbert
Eibensteiner möchte - nach dem Vorbild anderer Länder - eine
teilweise Kompensation der CO2-Zertifikate-Kosten von 100 Mio. Euro,
die der Stahl- und Technologiekonzern im Rahmen des
Emissionshandelssystems (ETS) im Jahr zahlen muss. In elf EU-Staaten
gebe es einen solchen Stromkostenausgleich, in Polen und Tschechien
ab 2021, so Eibensteiner am Dienstag.Ohne Kompensation gebe es eine Doppelbelastung, weil der Strom,
den die voestalpine zukaufe, ebenfalls bereits im Rahmen der
ETS-Verpflichtungen der E-Wirtschaft mit einer CO2-Kostenkomponente
belastet sei, argumentierte er vor Journalisten. Die ETS-Erlöse
seien derzeit nicht zweckgewidmet, eine Rückführung wäre eigentlich
nötig - eine solche Möglichkeit sehe auch die EU vor. Als Volumen
stellt sich Eibensteiner pro Jahr 20 bis 40 Mio. Euro als
Refundierung vor, vergleiche man mit dem, was andere bekommen
würden. In Deutschland zum Beispiel gebe es eine Kompensation im
Ausmaß von 18 Prozent der zugekauften Zertifikate.
Dieses Geld könnte man dann für die geplante weitere
Dekarbonisierung des voestalpine-Konzerns nutzen, sagte
Eibensteiner. Man bekenne sich zu den CO2-Senkungszielen um 80
Prozent bis 2050 und davor um 43 Prozent bis 2030. Die extern
festgelegten ETS-Ziele werde man erfüllen, auch wenn sie
ambitioniert seien. Mit der neuen Regierung werde man auch die
Umweltthemen zu diskutieren suchen.
"Wir haben keine Pläne, nach Polen zu gehen. Es hat nie Pläne
gegeben, nach Polen zu gehen", betonte der Voest-Chef - angesprochen
auf diesbezügliche Äußerungen von ÖVP-Chef Sebastian Kurz in den
"ORF-Sommergesprächen" am Montagabend. Würden in Österreich die
(Umwelt-) Standards nach oben geschraubt, könnte die Voest abwandern
müssen, "nach Polen oder sonst wo hin", hatte Kurz gemeint. "Und in
Polen würden sie wahrscheinlich zu schlechteren Bedingungen
produzieren", hatte er hinzugefügt.
Eibensteiner betonte, die Stahlproduktion sei ein sehr
CO2-intensiver Prozess, doch wolle man "nicht Teil des Problems,
sondern Teil der Lösung sein". Im Moment seien die technologischen
Potenziale zur CO2-Einsparung in der Stahlherstellung aber fast
ausgeschöpft, mit den aktuellen Prozessen sei nicht mehr möglich,
sagte Eibensteiner, der den Konzern seit Anfang Juli als Nachfolger
von Wolfgang Eder lenkt.
Die Break-through-Technologie für eine CO2-arme Stahlerzeugung
fehle noch, sagte Eibensteiner. Doch arbeitet die Voest schon länger
am Wasserstoff-Thema - Anfang Oktober sei wieder der Start eines
Demo-Betriebs geplant. Wasserstoff sei jedoch nur eine sehr
langfristige Lösungsmöglichkeit, da werde es auch Zwischenlösungen
geben. So werde eine Umstellung wohl nur schrittweise erfolgen
können, gab der CEO zu verstehen: Ein Teil der Hochofenroute werde
bleiben, ein Teil werde auf Elektrostahl umgestellt werden.
Dann werde man sich ansehen, "ob die Wasserstoff-Technologien das
bringen, was sie versprechen". Wie heute aus Erdgas Wasserstoff zu
gewinnen, sei "völlig unwirtschaftlich", meinte Eibensteiner.
Wirklich relevant werde Wasserstoff für die voestalpine wohl erst
nach 2030/35 sein können, bis dahin werde man mit Zwischenlösungen
das Auslangen finden müssen. "Ich rechne nicht damit, dass wir
Wasserstoff in größerem Umfang vor 2035 einsetzen", so der Chef des
Konzerns, der als der größte CO2-Einzelemittent in Österreich gilt.
"Die Lösung" für die Dekarbonisierung sei "grüner Strom". Egal
über welche Technologie man diskutiere, "grüner Strom ist der
Schlüssel". Der grüne Strom müsse aber in ausreichender Menge und
über ein dafür gerüstetes Stromnetz zur Verfügung stehen. "Die
Mengen, über die wir reden, die gibt es bei uns nicht", bedauerte
der voestalpine-Chef. Die Erneuerbaren Energien müssten billiger
werden: "Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass das
immer teurer werden muss."
In den vergangenen zehn Jahren habe die Voest in Summe 2,3 Mrd.
Euro in Umwelt-Aufwendungen investiert, erinnerte Eibensteiner. Wenn
es da in Zukunft in Richtung neue Technologien ins Investieren gehe,
"wird eine Verdopplung nicht ausreichen", meinte er.
(Forts. mögl.) sp/ivn
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