Prozess nach Betrug bei FACC - Offenbar interne Reibereien
Gegenseitig negative Beurteilungen zwischen einem Vorstand und
der Finanzchefin - Gericht durchleuchtete Überweisungssysteme
Im Schadenersatz-Prozess nach einem
Millionenbetrug beim Innviertler Flugzeugkomponentenhersteller FACC
am Freitag im Landesgericht Ried sind interne Reibereien im
Management bekannt geworden, darunter auch gegenseitige negative
Beurteilungen. Das Gericht durchleuchtete zudem die
Überweisungssysteme bei der Bezahlung von Rechnungen.Beklagter ist ein ehemaliger Vorstand, die FACC GmbH will von ihm
10 Mio. Euro Schadenersatz. Die Firma wirft ihm vor, kein
ausreichendes Kontrollsystem geschaffen zu haben, was dieser
bestreitet.
Zwischen ihm und der Finanzchefin des Unternehmens war das
Verhältnis offenbar nicht das beste. Der Vorstand bezeichnete sich
selbst als respektvoll im Umgang mit Mitarbeitern und das Fremdbild
damit sei ident gewesen. Das habe er aus dem Feedback abgelesen.
Für ihn war das Verhältnis zur Finanzchefin "kollegial". Er habe
eine hohe fachliche Meinung von ihr gehabt. Im Zuge der Befragung
zählte er jedoch mangelnde Kenntnisse bei ihr auf. Außerdem habe sie
sich zu sehr von Externen beeinflussen lassen. Das
Vertrauensverhältnis zu ihr sei durch ihr Verhalten gestört gewesen.
Der Aufsichtsrat des Unternehmens habe ihm vorgegeben, dass er
sich nicht in den Geschäftsbereich der von ihm ausgewählten
Finanzchef einmischen sollte. Im Gegenzug hat sie sich in ihrer
Bewertung des Vorstandes von ihm gemobbt und ausgeschlossen gefühlt.
Die Frau sollte in der Verhandlung am kommenden Montag befragt
werden. Sie hat sich jedoch entschuldigt.
Davor durchleuchtete das Gericht bei der Befragung des beklagten
Vorstandes die Überweisungssysteme der Firma. Vor allem ging es
darum, welche ab wann verwendet wurden. Weiters wurde die
Funktionsweise erörtert und wer in der Firma Berechtigungen für den
Geldtransfer hatte, wie er kontrolliert wurde sowie sein Wissen
darüber.
Zuvor stand ein Ausschluss der Öffentlichkeit im Raum, weil
Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse besprochen werden könnten. Dazu
kam es aber nicht. Außerdem wurde die Entwicklung der FACC und
insbesondere ihrer Buchhaltung seit ihrer Gründung im Jahr 1989
besprochen.
Der Grund für den Streit vor Gericht ist ein Betrugsfall aus dem
Jahr 2016. Die Täter hatten sich damals gegenüber der Buchhaltung
als die Firmenchefs ausgegeben und die Überweisung von 54 Mio. Euro
auf ausländische Konten veranlasst. FACC wirft der damaligen
Finanzchefin und dem Firmenchef - beide wurden danach abberufen -
vor, sie hätten kein ausreichendes Kontrollsystem geschaffen.
Letzterer hat gegen seine vorzeitige Abberufung geklagt.
Das Verfahren ist vorerst für jeweils mehrere Tage im April sowie
im Mai anberaumt. Die Anwälte von Klägerin und Beklagtem haben
zusammen rund 40 Zeugen beantragt. Darunter befinden sich derzeitige
und frühere Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates sowie
Mitarbeiter der FACC. Nicht alle sind in Oberösterreich wohnhaft.
Deshalb lädt das Gericht Personen auch aus London, Frankfurt, Wien,
den USA und China - Mehrheitseigentümer der FACC ist ein staatliches
chinesisches Unternehmen. Das oberösterreichische Unternehmen FACC
ist börsennotiert, seit 2009 ist die staatliche Aviation Industry
Corporation of China (AVIC) Mehrheitsaktionär.
(Schluss) zie/pro
ISIN AT00000FACC2
WEB http://www.facc.at