Schadenersatz-Prozess nach Betrug bei FACC fortgesetzt
Gericht durchleuchtet Überweisungssysteme - Ehemaliger
Vorstandsvorsitzender bestreitet jede Schuld
Ein Schadenersatz-Prozess nach einem
Millionenbetrug beim Flugzeugkomponentenhersteller FACC ist am
Freitag im Landesgericht Ried im Innkreis fortgesetzt worden.
Beklagter ist ein ehemaliger Vorstand. Die FACC GmbH wirft ihm vor,
kein ausreichendes Kontrollsystem geschaffen zu haben, was dieser
bestreitet.Das Gericht durchleuchtete bei seiner Befragung die
Überweisungssysteme der Firma. Vor allem ging es darum, welche ab
wann verwendet wurden. Weiters wurde die Funktionsweise erörtert und
wer in der Firma Berechtigungen für den Geldtransfer hatte sowie
sein Wissen darüber.
Zuvor hatten die Anwälte über von der Klägerseite vorgelegte
Dokumente diskutiert, die beweisen sollen, dass der Beklagte im
Vorfeld unrichtige Angaben gemacht habe. Seine Anwälte wollten sie
zurückweisen, weil durch sie eine Verzögerung des Prozesses nicht
ausgeschlossen werden könne. Im Raum stand weiters ein Ausschluss
der Öffentlichkeit, weil Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse
besprochen werden könnten. Dazu kam es aber nicht. Außerdem wurde
die Entwicklung der FACC und insbesondere ihrer Buchhaltung seit
ihrer Gründung im Jahr 1989 besprochen.
Der Grund für den Streit vor Gericht ist ein Betrugsfall aus dem
Jahr 2016. Die Täter hatten sich damals als die Firmenchefs
ausgegeben und die Überweisung von 54 Mio. Euro auf ausländische
Konten veranlasst. FACC wirft der damaligen Finanzchefin und dem
Firmenchef - beide wurden danach abberufen - vor, sie hätten kein
ausreichendes Kontrollsystem geschaffen. Von letzterem will das
Unternehmen nun 10 Mio. Euro Schadenersatz. Er wiederum hat gegen
seine vorzeitige Abberufung geklagt.
Das Verfahren ist vorerst für jeweils mehrere Tage im April sowie
im Mai anberaumt. Die Anwälte von Klägerin und Beklagtem haben
zusammen rund 40 Zeugen beantragt. Darunter befinden sich derzeitige
und frühere Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates sowie
Mitarbeiter der FACC. Nicht alle sind in Oberösterreich wohnhaft.
Deshalb lädt das Gericht Personen auch aus London, Frankfurt, Wien,
den USA und China - Mehrheitseigentümer der FACC ist ein staatliches
chinesisches Unternehmen. Das oberösterreichische Unternehmen FACC
ist börsennotiert, seit 2009 ist die staatliche Aviation Industry
Corporation of China (AVIC) Mehrheitsaktionär.
(Schluss) zie/ker/phs
ISIN AT00000FACC2
WEB http://www.facc.at