RBI hat auch Ukraine-Verluste wettgemacht - Kaufobjekte am Radar
Kapital kein Thema mehr - Warten auf Bankensteuerdetails in
Rumänien, könnte die Hälfte des lokalen Jahresgewinns kosten -
Strobl zur Bilanz 2018: "Wirklich tolles Ergebnis" - BILD
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Bei der Raiffeisen Bank International (RBI) läuft
es, was Geschäftsgang, Kreditqualitäten und Kapital betrifft, wieder
rund. Für Bankchef Johann Strobl hat das Jahr 2018 ein "wirklich
tolles Ergebnis" gebracht. Er weist 1,27 Mrd. Euro Konzerngewinn aus
und zahlt im Juni 93 Cent Dividende pro Aktie, um die Hälfte mehr
als für 2017. Auch die 2014 und 2015 angehäuften Ukraine-Verluste
sind abgebaut.Nach dem Verkauf der Polen-Banktochter vorigen Herbst ist der
Konzernumbau erledigt. In relevanten Märkten will sich die Bank nach
langer Zeit wieder mit Zukäufen stärken. Neben organischem Wachstum
spricht der Vorstand dezidiert von Akquisitionen von Portfolios oder
kleinen Banken, wenn der Preis und das Umfeld stimmen. Auf dem Radar
hätte Raiffeisen u.a. eine kleine Bank in Serbien (Komercijalna):
Hier wird, wie es am Mittwoch bei der Jahrespressekonferenz in Wien
hieß, zumindest die öffentliche und halböffentliche Diskussion um
die Privatisierung verfolgt. Ein Verkaufsprozess für die serbische
Bank ist bisher aber nicht eingeleitet.
In einigen Ländern der Region Zentral/Ost/Südosteuropa finde
derzeit eine Konsolidierung des Bankensektors statt, an der sich die
RBI aktiv beteiligen wolle. Besonders interessant seien Tschechien,
die Slowakei, Bulgarien und eben auch Serbien. "Das bedeutet aber
nicht, dass wir nicht auch in anderen Ländern wachsen möchten", fügt
die RBI im Jahresbericht hinzu.
Für das Jahr 2017 hatte die RBI ihre Dividendenzahlungen wieder
aufgenommen, für 2018 wird nun die Hälfte mehr ausgeschüttet. Die
faulen Kredite wurden signifikant zurückgefahren. Ende 2018 lag
deren Quote an den Gesamtkrediten bei 3,8 Prozent, und 2019 sei
weiter Raum nach unten. Im Jahr 2015 waren es noch 12 Prozent
gewesen. Die Kapitalpolster wurden gestärkt. "Das Kapital war viele
Jahre Thema. Dieses Thema ist gelöst", sagt Strobl.
Ende 2018 wies die Bank ein hartes Kernkapital von 13,4 Prozent
aus, wobei der Verkauf des Polen-Kernbankgeschäfts im vierten
Quartal 85 Basispunkte beisteuerte.
Wären da nicht in einem Recherchenetzwerk verbreitete angebliche
Verwicklungen in Zahlungsströme zwischen 2003 und 2015, die in einer
eigenen Task Force nun noch einmal überprüft werden und die in den
vergangenen Tagen einiges an Börsenkurs gekostet haben, hätte der
Bankvorstand seine Bilanzpräsentation am Mittwoch richtig feiern
können. Im Zentrum der Vorwürfe steht die pleitegegangene litauische
Ukio Bank, über die russisches Schwarzgeld in den Westen geflossen
und neben etlichen anderen West-Banken auch auf Konten von
Raiffeisen gelandet sein soll. Strobl: "Wir sind überzeugt, dass wir
kein strafbares Verhalten gesetzt haben. Deswegen erwarten wir auch
keine Strafe." Rückstellungen gibt es dafür nicht. Auf Basis des
aktuellen Informationsstandes erwartet Finanzvorstand Martin Grüll
auch keine Belastungen.
Ob und wie viel Rückstellungen wegen der neuen rumänischen
Bankensteuer nötig sind, die bisher nur per Notverordnung
installiert ist, sollte in zwei Wochen klarer sein. Sollte es bei
der ursprünglichen Steuerbasis bleiben (Bilanzsumme, mit Bindung an
den aktuellen Interbankenkurs), könnte dies Raiffeisen in Rumänien
im Gesamtjahr zwischen 80 und 90 Mio. Euro kosten. Zum Vergleich:
2018 lag der Jahresgewinn der Rumänien-Tochter bei 193 Mio. Euro.
Nun sind in Rumänien für diese Steuer aber zumindest diverse
Abzugsposten (Staatsanleihen, EBRD-Finanzierungen) im Gespräch. Auch
eine Verschiebung steht immer wieder im Raum. Raiffeisen hätte es am
liebsten, würde die Steuer ganz vom Tisch kommen. Mit Blick auf
diese neue Sondersteuer sprach der RBI-Vorstand heute davon,
"Rumänien neu bewerten zu wollen". Einen Rückzug aus diesem Land
bedeute dies nicht, betonte Strobl. Je nach Steueraufwand sei aber
das Ausmaß der Präsenz zu überprüfen. "Es mag sein, dass Filialen,
die gerade noch positiv sind, durch diese Entwicklung negativ
werden."
Russland bleibt für die Raiffeisen Bank International wesentlich
und ein starker Ergebnisträger. 2018 machte die RBI trotz der
Sanktionen und des eher schwachen russischen Wirtschaftswachstums im
Russland-Geschäft einen Gewinn nach Steuern von 455 Mio. Euro, rund
2,8 Prozent mehr als im Jahr davor.
Dreistellige Millionengewinne gibt es auch aus der Aval-Bank in
der Ukraine. Hier wurden die in den Krisenjahren 2014 und 2015
angelaufenen Verluste von 290 Millionen bzw. 85 Millionen Euro
mittlerweile mehr als kompensiert, sagte Finanzvorstand Manfred
Grüll. 2016 gab es aus dem Ukraine-Geschäft 135 Mio. Euro Gewinn,
2017 rund 181 Millionen und im abgelaufenen Geschäftsjahr 164 Mio.
Euro.
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(Schluss) rf/cs/pro
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