Raiffeisen Bank International - Österreich muss wohl mit weiteren BIP-Prognoserevisionen rechnen

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Österreich muss wohl mit weiteren BIP-Prognoserevisionen rechnen


"Risiken für Österreichs Konjunktur in London, Rom und Washington und nicht zwischen Bregenz und Eisenstadt" - Ökonomen zu Deutschland entspannt: Angesagte Rezessionen finden nicht statt



Seit dem Höhepunkt vom Winter 2017/18 hat sich in Österreich die Konjunkturstimmung eingetrübt, wenn auch nicht so stark wie im Schnitt der Eurozone. Die Raiffeisen-Ökonomen greifen zu Bildern aus der Luftfahrt: Österreich habe die Reiseflughöhe verlassen und sei derzeit im kontrollierten Sinkflug. Erwartet wird, dass die heimische Konjunktur auch 2020 noch an Schwung verliert.
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Hoch 43,54 Tief 42,92 Vortag 43,96

Für Europa und auch für Österreich wurden zuletzt von verschiedenen Institutionen die Wachstumserwartungen zurückgenommen. Die Ökonomen der Raiffeisen Bank International (RBI) sehen das Ende der Wachstumsrevisionen noch nicht gekommen. Österreich werde, was die Konjunktur anlangt, 2019 und 2020 wohl aber weiter "das bessere Deutschland" bleiben - ein Attribut, das uns vor rund zehn Jahren deutsche Magazine bescheinigt hatten. Österreich profitiert besonders auch vom "Wachstumshinterland" Osteuropa.

"Die Risiken für die österreichische Konjunktur liegen nicht zwischen Bregenz und Eisenstadt. Sie liegen in London, Rom oder Washington", und sie seien politischer Natur, sagten am Donnerstag RBI-Chefökonom Peter Brezinschek und der für Österreich und die Eurozone zuständige Analyst Matthias Reith vor Journalisten.

Als Stolpersteine für Österreichs Konjunktur gelten hauptsächlich Kosten eines "Hard Brexit" - an den man bei Raiffeisen aber ohnehin nicht glaubt - und die Handelsdifferenzen mit den USA; hier sei es Europa voriges Jahr lediglich gelungen, die Region aus der Schusslinie zu bringen. Risiko bergen weiters die Italiener, deren Wirtschaft in der "Defizitfalle" stecke, die Proteste der "Gelbwesten" in Frankreich oder der Politstreit samt Neuwahlszenarien in Spanien, letztlich auch weitere Entwicklungen um Sanktionen (Russland, Iran).

Einzelne Ereignisse seien für Österreich "spürbar, aber verkraftbar". Würden solche Risiken aber kumuliert schlagend, könnte der konjunkturelle Sinkflug in einen Absturz münden, meint Reith. Ein Blick auf die Aktienmärkte zeige jedoch, dass die Börsen auf die Lösungskompetenz vertrauten. Auch die RBI-Analyse habe eine "Glättung" der Risiken in ihren Prognosen.

Für 2019 rechnet die RBI in Österreich mit einem BIP-Wachstum von höchstens 1,7 Prozent (nach erwarteten 2,7 Prozent für 2018), 2020 sollen es 1,4 Prozent sein. Den von der Notenbank zuletzt hervorgehobenen Wachstumsvorsprung gegenüber Deutschland von 0,3 Prozent habe man 2018 deutlich übertroffen.

Dass in Deutschland vor den letzten Quartalskonjunkturzahlen Rezessionsängste aufgekommen waren, erschüttert die RBI-Experten in Wien nicht. Es gebe so viele angesagte Rezessionen, die fänden dann nicht statt. "Die letzten sieben Rezessionen haben alle als Überraschungseffekt stattgefunden", selbst den Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren und den damit verbundenen stärksten Einbruch seit dem zweiten Weltkrieg hätten die wenigsten auf dem Radar gehabt. Brezinschek: "Rezessionen sind dann besonders ausgeprägt, wenn sie unerwartet kommen. Wenn jeder damit spekuliert, kann man sich darauf einstellen und Gegenmaßnahmen setzen." Statt Risiken zu produzieren, müsse die internationale Politik nun endlich Maßnahmen setzen. Der harte Brexit müsse vom Tisch, die US-Regierung müsse zumindest eine Basis für Handelsabkommen schaffen.

(Schluss) rf/sp

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