RBI-Chefanalyst erwartet im ersten Halbjahr Börsenaufschwung
Zweites Halbjahr könnte wieder Rückgang des ATX bringen -
"Jänner-Regel" lässt statistisch auf kräftigen Zuwachs im
Gesamtjahr hoffen - Politik bringt Unsicherheit
Zumindest im ersten Halbjahr 2019 zeichnet sich ein
Anstieg der Börsen ab. Schon das zweite Halbjahr könnte aber wieder
einen Rückgang mit sich bringen, sagte RBI-Chefanalyst Peter
Brezinschek am Montag vor Journalisten. Derzeit liege der Wiener
Index ATX über 2.900 Punkten und gehe "in Richtung 3.000", für das
Jahresende sage sein Haus aber wieder 2.900 Punkte voraus.Dabei lasse die Statistik durchaus hoffen: Der Jänner war sehr
gut an der Wiener Börse - wie auch an internationalen Börsen. Und
die "Jänner-Regel" zeige, dass meistens (71,4 Prozent der Jahre)
auch das Gesamtjahr positiv ist, wenn der Jänner einen Anstieg der
Kurse gebracht hat. Dass das aber eben nur eine Wahrscheinlichkeit
und keine Sicherheit ist, hat das Jahr 2018 gezeigt: Nach einem
"extrem starken Jänner" kam es zum Einbruch und am Ende des Jahres
lag der ATX um etwa 20 Prozent im Minus.
Dreh- und Angelpunkt ist die Unsicherheit: Einerseits sind es die
schlechter werdenden Wachstumsaussichten für die Wirtschaft. Aber
das ist aus Sicht Brezinscheks nicht das Ausschlaggebende:
"Taktgeber auf den Finanzmärkten ist seit 2018 die Politik", sagt
er. Entscheidungen, aber auch "Nicht-Entscheidungen" der Politik
treiben die Unsicherheit an: Etwa der Handelskonflikt zwischen den
USA und China, der noch immer nicht endgültig fixierte Brexit, das
Warten auf eine Normalisierung der Geldpolitik der EZB. "All das
sind Fragestellungen, die Unsicherheit verbreiten".
Einen kurzfristigen Anstieg der Börsen lässt auch der
ungewöhnlich starke Rückgang Ende 2018 erwarten. Die Kurse haben
sich so stark vom 200-Tage-Schnitt entfernt, wie erst zweimal seit
2010. Das lässt erwarten, dass es jetzt kurzfristig eine Rückkehr
zur "Normalität" und damit einen Kursgewinn gibt. Gestützt wird der
Optimismus von Brezinschek durch das hochrangige Treffen zwischen
USA und China zum Handelsstreit noch diese Woche und durch die
Hoffnung, dass die Briten einen EU-Austritt ohne Abkommen gesetzlich
ausschließen könnten. Beides würde Unsicherheit reduzieren und den
Börsen helfen.
Selbst wenn es nach dem "phänomenal starken" Jahresanfang
zwischenzeitlich eine "Atempause" bei der Kursentwicklung geben
sollte, "wenn sich die politischen Fronten, vor allem bei
Handelskonflikten und Brexit, klären, haben wir die Chance, unsere
erste positive Jahreshälfte fortzusetzen", fasst Brezinschek
zusammen.
Gute Nachrichten für das Wirtschaftswachstum liest Brezinschek
aus der aktuellen Zinslandschaft heraus: Zumindest für die nächsten
12 Monate lassen sich keine Anzeichen für eine Rezession erkennen,
auch wenn sich das Wachstum zweifellos abschwächt. "Wenn wir auf 1,3
bis 1,5 Prozent Wachstum zurückkommen, dann ist es der Durchschnitt
des Potenzialwachstums", erinnert er.
(Schluss) tsk/pro
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