RBI: Märkte dürften alte Sorgen auch ins Jahr 2019 mitziehen
Konjunktursorgen und politische Faktoren bleiben dominant -
Brezinschek: "Längst überfällig, dass EZB Negativzinssatz
beseitigt"
Die Finanzmärkte werden ihre Sorgen aus dem heurigen
Jahr wohl auch 2019 nicht abschütteln können. So dürften die Angst
um eine sich abschwächende Weltwirtschaft sowie politische Faktoren
das Marktgeschehen noch länger beherrschen. "Die Themen die heuer
bestimmend waren, werden nicht verschwinden", sagte Bernd Maurer,
Analyst der Raiffeisen Centrobank (RCB), am Mittwoch vor
Journalisten.Die wichtigsten politischen Einflussfaktoren für die Finanzmärkte
waren 2018 der Brexit, Italiens Haushaltsstreit mit der EU und der
Handelskonflikt zwischen den USA und China. Alle drei Themen sind
nach wie vor ungelöst und dürften die Anleger damit auch 2019 in
Schach halten.
Gepaart mit massiven Sorgen der Marktteilnehmer um eine
Abschwächung der globalen Wirtschaftsdynamik kam es im vierten
Quartal 2018 zu einem deutlich stärkeren Rückgang an den
Aktienmärkten als erwartet, erklärten die Experten. Auf Jahressicht
sehen sie für den ATX ein Minus von rund 15 Prozent, das sei etwas
schwächer als der europäische Gesamtmarkt. In den USA fällt die
Bilanz mit einem Minus von rund drei Prozent bei den größten
Aktienindizes etwas besser aus.
Kurzfristig halten die Analysten den aktuellen Marktpessimismus
aber für übertrieben und sehen daher für das erste Quartal 2019
Korrekturpotenzial nach oben. Auf das Gesamtjahr gesehen trübt sich
der Ausblick für die Märkte jedoch ein. "Das Momentum hat gedreht,
von einer ständigen Verbesserung der Dynamik hin zu einer leichten
Abschwächung", sagte Maurer. Man befinde sich nun am Ende einer
langen Aufschwungphase.
Dennoch ist die Raiffeisen Bank International (RBI) mit Blick auf
die globale Wirtschaftsentwicklung 2019 noch vorsichtig optimistisch
gestimmt. Im Durchschnitt rechnen sie für 2019 mit einem Wachstum
von 1,5 Prozent für die Eurozone. Für 2018 lautet die Schätzung auf
1,9 Prozent. "Das ist kein Rezessionsumfeld", sagte der
RBI-Chefökonom Peter Brezinschek.
Auch in den USA wird eine Abschwächung der Dynamik erwartet, die
sich aber erst 2020 deutlich niederschlagen wird. Für 2018 sieht die
RBI ein Wachstum von 2,9 Prozent. 2019 dürfte die Zahl dann auf 2,3
Prozent sinken und für 2020 prognostiziert die RBI ein Wachstum von
nur 0,5 Prozent.
Noch ist die Stimmung in den USA aber gut, wie auch die jüngsten
Zahlen zu den Einkaufsmanagerindizes zeigen. Im zweiten Halbjahr
2019 dürfte das positive Sentiment aber deutlich nachlassen, so der
Experte. In der Eurozone haben sich die Stimmungsindikatoren bereits
im zweiten Halbjahr 2018 bereits eingetrübt.
Was die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) betrifft,
gehen die RBI-Experten von einer langsamen Rückkehr der EZB aus der
nach wie vor extrem expansiven Geldpolitik aus, beginnend mit einer
Anhebung des Bankeinlagenzinssatzes (aktuell minus 0,4 Prozent) im
zweiten Halbjahr 2019. Bis Anfang 2020 dürfte dieser den Prognosen
zufolge dann in den positiven Bereich vordringen.
Es sei "längst überfällig, die Negativzinsen zu beseitigen",
sagte Brezinschek am Mittwoch vor Journalisten. Ein solcher Schritt
würde auch den angeschlagenen italienischen Banken helfen, da diese
derzeit hohe Zinszahlungen an die EZB tätigen müssen. Zudem würde
dadurch die Profitabilität des gesamten europäischen Banksystems
verbessert ohne den Wettbewerb zu verzerren, sagte Brezinschek.
Für die heute Abend anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank
Federal Reserve (Fed) geht die RBI von einer weiteren Anhebung der
Zinsen aus. "Die Fed wird ihre Unabhängigkeit damit einmal mehr
unter Beweis stellen", so Brezinschek. Wichtiger als die
Zinsentscheidung wird jedoch der Wirtschaftsausblick der
Währungshüter für 2019 sein.
(Schluss) bel/ivn
ISIN AT0000606306
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