VIG sieht sich trotz Halbjahrs-Gewinnrückgangs für 2016 auf Kurs
EGT bis Juni wie erwartet tiefer, Jahresziel aber intakt -
Niedrigzinsen drückten Finanzergebnis - Prämieneinnahmen
stagnierten bis Juni, ohne Einmalerläge jedoch 4,5 Prozent
Zuwachs - GRAFIK
Trotz des erwarteten Gewinnrückgangs im Halbjahr
sieht sich der börsennotierte Versicherungskonzern Vienna Insurance
Group (VIG) für das Gesamtjahr 2016 auf Kurs. Das EGT soll gegenüber
2015 verdoppelt werden und "bis zu 400 Mio. Euro" erreichen, nach
201 Mio. Euro bis Juni. Die Niedrigzinsen drückten das
Finanzergebnis. Die Einnahmen wuchsen ohne Bremsen bei den
Einmalerlägen um 4,5 Prozent.Das Vorsteuerergebnis (EGT) sank bis Juni im Jahresabstand um
17,5 Prozent auf 201 (244) Mio. Euro. Anfang August hatte die VIG
"rund 200 Mio. Euro" avisiert. Für das Gesamtjahresziel sei man mit
dem Halbjahresresultat erfolgreich auf Kurs, das Ziel bleibe
"ungeachtet der geänderten Bewertung der gemeinnützigen
Wohnbaugesellschaften und der daraus resultierenden
Bilanzierungsänderung aufrecht", erklärte der Konzern am Dienstag.
Wegen eines FMA-Bescheids von 2. August musste die VIG nämlich
Abschlüsse für 2014 und 2015 aufrollen, wodurch sich laut erster
vorläufiger Analyse für 2015 eine Reduktion des Vorsteuergewinns um
rund 45 Mio. und des Konzerneigenkapitals um rund 550 bis 580 Mio.
Euro ergab, so die VIG Anfang August. Außerdem wirkte sich hier auch
die rückwirkende Wohnbaugesellschaften-Adaptierung belastend auf das
Ergebnis des ersten Quartals 2016 aus, das nach Konzernangaben um
11,9 Mio. Euro angepasst wurde.
Heuer im ersten Halbjahr stagnierten die verrechneten
Prämieneinnahmen des Konzerns insgesamt bei 4,93 (4,91) Mrd. Euro
(+0,4 Prozent). Bereinigt um das in etlichen Märkten bewusst
restriktiv gehandhabte Einmalerlags-Geschäft in der Sparte
Lebensversicherung hätte das Prämienplus in den ersten sechs Monaten
4,5 Prozent ausgemacht. Der Anteil der Einmalerläge an der
Konzernprämie sank im Jahresabstand von 18,1 auf 14,7 Prozent, jener
von Leben laufend blieb dagegen bei 25,9 Prozent.
Die österreichischen VIG-Konzerngesellschaften nahmen bis Juni
mit 2,26 Mrd. Euro ein, nominell ein Minus von 0,9 Prozent, ohne
Einmalerläge aber ein Plus von 0,6 Prozent. Das "Österreich"-EGT
sank um 12,3 Prozent auf 75,2 Mio. Euro, vor allem wegen niedrigerer
realisierter Gewinne aus dem Abgang von Kapitalanlagen; die Combined
Ratio - Schäden und Kosten gemessen an den Einnahmen - betrug 99,3
(96,6) Prozent. Am zweitgrößten Markt Tschechien sanken die Prämien
wegen der Einmalerlags-Zurückhaltung um 5,2 Prozent auf 792 Mio.
Euro, ohne diese stand ein Plus von 7,8 Prozent; das EGT sank um
11,9 Prozent auf 78 Mio. Euro, die Combined Ratio stieg auf 92,8
(89,8) Prozent.
Polen steuerte 415 Mio. Euro Prämie bei (-7,8 Prozent vor allem
wegen der Einmalerläge), das EGT halbierte sich auf 14 Mio. Euro,
die Combined Ratio stieg auf 99,7 Prozent (Hagel, Kfz). Der
viertgrößte VIG-Markt Slowakei lieferte 374 Mio. Euro Prämie (-3,7
Prozent) bei 26 Mio. Euro EGT (-1,3 Prozent) und 96,5 Prozent
Combined Ratio. In Rumänien kletterten die Einnahmen dank
Kfz-Haftpflicht-Neugeschäft um 37 Prozent auf 267 Mio. Euro; das EGT
betrug 3,6 (3,5) Mio. Euro, die Combined Ratio lag mit 101,0 (103,2)
Prozent weiter hoch. Im Segment Türkei/Georgien nahm man mit 113
Mio. Euro um 19 Prozent mehr ein bei 3,9 Mio. Euro EGT und 97,0
Prozent Combined Ratio.
Die Aufwendungen für Versicherungsfälle (abzüglich
Rückversicherungsanteile) stiegen in den ersten sechs Monaten im
Gesamtkonzern um 3,4 Prozent auf 3,47 Mrd. Euro, wobei allerdings
das erste Halbjahr 2015 durch positive Währungseffekte in
Liechtenstein und die Abkoppelung des Schweizer Franken vom Euro
geprägt war. Die Aufwendungen für Versicherungsabschluss und
-verwaltung stiegen im ersten Halbjahr um 1,8 Prozent auf 973 Mio.
Euro.
Die Combined Ratio des gesamten Konzerns lag "unter anderem
aufgrund von Hagelschäden in den Kfz-Sparten in Polen und der
Tschechischen Republik" bei 97,9 Prozent (nach Rückversicherung,
ohne Veranlagungserträge), heißt es im Halbjahresfinanzbericht;
damit habe man an die Entwicklung im ersten Quartal (97,8 Prozent)
anschließen können, so die VIG.
Das Finanzergebnis sank um 13,2 Prozent auf 450 (518) Mio. Euro.
Dieser Rückgang sei "vor allem auf niedrigere realisierte Gewinne
aus dem Abgang von Kapitalanlagen bei Anleihen und Ausleihungen
sowie bei Investmentfonds zurückzuführen".
Die Kapitalanlagen lagen per 30.6. samt liquiden Mitteln bei 32,3
Mrd. Euro (+3,2 Prozent). Unter anderem 73,2 Prozent der
Kapitalanlagen entfielen auf Anleihen, 8,9 Prozent auf Darlehen, 6,1
Prozent auf Liegenschaften, 4,1 Prozent auf Aktien.
Im ersten Halbjahr waren 23.005 Mitarbeiter bei der VIG
beschäftigt, um 10 mehr als im Gesamtjahr 2015.
( 0945-16)
(Schluss) sp/itz
ISIN AT0000908504
WEB http://www.vig.com