RBI-Aktie nach Stresstest eingebrochen, Bank um Beruhigung bemüht
Kapitalquoten schon höher, Ziele aufrecht - UNIQA-Verkauf
bringt RZB halben Prozentpunkt - Jahresschluss-Quoten RZB
adaptiert
Die RZB (Raiffeisen Landesbanken Holding) hat im
Stresstest der EU-Bankenaufsicht (EBA) schlecht abgeschnitten, ihr
Kernkapital würde in einer Krise nur knapp über dem
Mindesterfordernis von 5,5 Prozent liegen. Die Aktie der Tochter RBI
verlor heute zeitweise fast 10 Prozent. Die Bankenspitze mühte sich
um Beruhigung: Das Kernkapital liege schon höher und werde Ende 2017
über 12 Prozent steigen.Gestresst wurde die Raiffeisen Landesbanken Holding, die
Eigentümerholding über der Raiffeisen Zentralbank (RZB).
Ausgangsbasis war am Start (nach den Bilanzzahlen von Ende 2015) ein
Kernkapital der Landesbanken Holding von 10,47 Prozent (nach
geltenden Kapitalgesetzen) beziehungsweise 10,2 Prozent bei voller
Anwendung der Basel-III-Regeln (fully loaded). Das war im
Europavergleich schon sehr schwach. Nach drei Jahren
Wirtschaftsabschwung würde diese Kapitalkennzahl auf 6,1 Prozent
fallen, so die Berechnung der Stresstests.
Mit einem umfassenden Konzernumbau und Beteiligungsverkäufen
sollen die Kapitalquoten anziehen.
RZB-Vorstand Michael Höllerer räumte am Montag bei einem
Analystengespräch ein, dass vor allem eine geänderte Bilanzierung
der UNIQA-Versicherungsbeteiligung mit Ende 2015 bewirkt habe, dass
die harte Kernkapitalquote in der RZB (fully loaded) per Ende des
Vorjahres kurzfristig leicht unter 10 Prozent gefallen sei. Die
Größenordnung bezifferte er nicht.
Zum Vergleich: Ausgewiesen wurden im RZB-Jahresbeicht 2015 harte
Kernkapitalquoten von 10,6 ("transitional") bzw. 10,3 Prozent
Prozent (Basel III, "fully loaded"). Wie die RZB heute auf Anfrage
mitteilte, wurde beim Stresstest schon mit geänderten Ausgangsdaten
gearbeitet.
Raiffeisen ist gerade dabei, die Raiffeisen-Landesbanken Holding
in die RZB hineinzuverschmelzen. Dieser Schritt ist schon
beschlossen. Das große Augenmerk liegt wie berichtet in der
Vorbereitung der Fusion von RZB und der börsennotierten Raiffeisen
Bank International. Dieser Beschluss wird im September erwartet.
Höllerer betonte am Montag, dass das Kernkapital Mitte 2016 schon
bei 11 Prozent liege und die Bank auf gutem Weg sei, wie geplant
Ende 2017 über 12 Prozent zu kommen.
Die Kernkapitalquote soll durch den Verkauf der RBI-Polen- und
Slowenien-Töchter, die Reduktion von US- und Asien-Geschäft und die
Risikosenkung in Russland verbessert werden. Rund einen halben
Prozentpunkt an Kernkapital soll die Verringerung der
UNIQA-Beteiligung beitragen, so Höllerer. Eine "kleine" Verbesserung
soll auch die angekündigte Fusion von RBI und RZB bringen. In der
Bank wurde der Effekt heute noch nicht beziffert, diese Fusion von
RBI und RZB soll nach Angaben der Finanzaufseher das Kernkapital
aber um 0,4 Prozentpunkte anheben.
Die Börsennotierung der RBI werde dadurch nicht berührt. Die RBI
habe derzeit 63 Mrd. Euro an Risikogewichteten Aktiva, die RZB nach
dem Verkauf der UNIQA-Anteile weitere rund 7 Mrd. Euro; davon
entfalle die Hälfte auf die Raiffeisen Bausparkasse, ein Viertel auf
das Leasing-Geschäft.
Um den Deal zu ermöglichen - die RZB-Aktien sollen in RBI-Aktien
umgetauscht werden - müsse das RBI-Kapital erhöht werden. Die neuen
Anteilsscheine würden aber für die Verschmelzung reserviert bleiben.
Die Raiffeisen Landesbanken Holding hält derzeit 82,4 Prozent der
RZB, davon 78,5 Prozent indirekt und 3,9 Prozent direkt.
Höllerer präzisierte auch die Auswirkungen der verringerten
Bankenabgabe auf die Gruppe. 2015 haben die RBI 84 Mio. und die RZB
zusätzliche 21 Mio. Euro geleistet. Die geplante Einmalzahlung werde
die RBI 115 Mio. Euro und die RZB 30 Mio. Euro kosten, dafür sollten
die laufenden Kosten ab 2017 für die RBI auf 50 Mio. Euro und für
die RZB auf 5 Mio. Euro fallen.
Raiffeisen-Risikovorstand Johannes Schuster wies im Gespräch mit
Analysten auf mehrere Gründe hin, warum die Gruppe im Stresstest
besonders schlecht abgeschnitten hat. Abgesehen vom niedrigen
Ausgangswert für das Kernkapital habe sich ausgewirkt, dass die RBI
in Osteuropa relativ viele notleidende Kredite hat und angenommen
wurde, dass alle ausfallen. Dabei könne in der Realität Raiffeisen
70 Prozent dieser Kredite retten, während es im EU-Schnitt nur 43
Prozent seien. Auch die Annahme, dass externe Finanzierung
wesentlich teurer würde, habe RBI und RZB besonders hart getroffen,
da sie in Österreich keine Spareinlagen haben. Schließlich wirkte
sich aus, dass das Marktrisiko der RBI in einigen Ländern
überdurchschnittlich hoch ist.
(Schluss) rf/tsk
ISIN AT0000606306
WEB http://www.rbinternational.com/
http://www.rzb.at