VIG-Chefin 2 - Kostensenkung angesagt - Mehr Immo-Investments
Auch Veranlagungen in Infrastruktur interessant - Stadler:
Aktienkurs sollte sich nach Strategie-Update wieder erholen -
Beim Ergebnis "auf Kurs"
Zur Kostensenkung will VIG-Chefin Elisabeth Stadler
die Prozesse weiter vereinfachen und optimieren sowie Synergien
heben, auch durch eventuelle Vereinheitlichung von
Back-Office-Tätigkeiten einzelner Gesellschaften, wobei Fusionen
nicht gänzlich ausgeschlossen werden - derzeit sind es 50
Gesellschaften in 25 Ländern. "Es wird definitiv kein Sparpaket
geben", betonte Stadler im APA-Interview.Die eigenen Kosten könne man eher beeinflussen - die Schäden
dagegen kaum. Allenfalls durch Portfoliobereinigung, also etwa indem
man sich von unrentablen Kunden trennt, könne man die Schäden nach
unten drücken, das dauere aber zum Beispiel in der Autoversicherung
mehrere Jahre.
Die Combined Ratio (Kosten und Schäden gemessen an den Einnahmen)
wolle sie mittelfristig, binnen drei bis fünf Jahren, von zuletzt
97,3 auf 95 Prozent herunterbringen, so Stadler. Am intensiven Kampf
um Kfz-Kunden mit Dumping-Preisen wie in Polen, Slowakei oder
Rumänien beteilige man sich nicht.
In Infrastruktur würde Stadler gerne Geld veranlagen, doch seien
dazu noch gesetzliche Erleichterungen nötig.
Infrastruktur-Investments würden sehr gut zur
Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns passen, "wir prüfen derzeit
auch mehrere Projekte in Österreich und in Osteuropa" - eine
Gaspipeline sei nicht dabei. In Österreich sei die VIG einer der
größten Finanzierer im gemeinnützigen Wohnbau.
Ausweiten will die VIG-Chefin Immo-Investments in Österreich,
Ost- und Westeuropa. Aktuell liegt man bei knapp über 6 Prozent
Immo-Anteil, darunter viele "sehr gute Innenstadt-Lagen". Mit 70
Prozent entfällt der Großteil auf Anleihen. In der Sparte Leben
müsse man auch sichere Staatsbonds mit im Portfolio haben, zum Glück
habe man die schon vor längerer Zeit "hold to maturity", also bis
zum Abreifen, günstig erworben - vielfach mit noch zwanzig Jahren
Laufzeit. Auf Darlehensvergaben, die zur Zeit 9 Prozent der
Veranlagungen ausmachen, lege man strategisch keinen Schwerpunkt.
Mit dem VIG-Aktienkurs könne man natürlich nicht zufrieden sein,
der sei "alles andere als erfreulich", räumte Stadler ein. Doch
zeige ihr Strategie-Update für den Konzern, dass man sichtbar auf
Expansion setze. Den Investoren wolle man zeigen, dass die VIG ihre
Aktivitäten nicht nur plane, sondern auch wirklich umsetze, "und
dann wird sich die Aktie hoffentlich wieder positiver entwickeln".
"Wir haben ein klares Wachstumsziel", so Stadler. In Ungarn,
Serbien, Kroatien und Ungarn wolle man mittelfristig in den nächsten
drei bis fünf Jahren den Marktanteil auf mindestens 10 Prozent
erhöhen. Bevorzugt werde organisches Wachstum, aber auch weitere
Akquisitionen sind nicht ausgeschlossen. Die VIG screene
diesbezüglich die 25 Länder, in denen sie tätig ist. "Wenn es ein
Angebot gibt, schauen wir uns das an."
Zu Frage der Finanzierung des Wachstums verweist Stadler auf eine
gute Kapitalausstattung. Die Solvency-II-Quote liege nach bisherigen
Berechnungen bei rund 200 Prozent. Wenn die Rahmenbedingungen
passten, sei bei einem allfälligen Finanzbedarf auch eine
Kapitalerhöhung nicht ausgeschlossen. Für kleinere Akquisitionen
habe man Geld genug. Stadler ist zudem überzeugt, dass die neuen
Eigenkapitalregeln für Versicherungen (Solvency II) in der
Versicherungswirtschaft Europas noch "einiges an Konsolidierung"
zeigen werde, die die VIG entsprechend nutzen könne. Österreich und
CEE "sind unser Heimatmarkt", auf den sich die VIG fokussieren
wolle. In Deutschland fahre die VIG eine sehr erfolgreiche
Nischenpolitik, hier sieht Stadler noch Potenzial. In Rumänien
funktioniere der Optimierungskurs sehr gut, das Gewinnen von
Neukunden sei durch das Ausscheiden von Mitbewerbern möglich.
Für einen Schock an der Börse hatte im Herbst eine überraschende
IT-Abschreibung von 195 Mio. Euro gesorgt, die auch das
Jahresergebnis verhagelte. Der Vorsteuergewinn (EGT) brach 2015 um
zwei Drittel 172 Mio. Euro ein, das Konzernergebnis um fast drei
Viertel auf 98 Mio. Euro, die Dividende wurde von 1,40 Euro auf 60
Cent je Aktie gekürzt. Für 2016 ist zumindest eine Verdoppelung des
EGT geplant bzw. eine Anhebung auf bis zu 400 Mio. Euro. Beim
Ergebnis sei man "auf Kurs", so Stadler; kommende Woche gibt es die
Erstquartalszahlen.
Einen Grund, wegen der IT-Mega-Abschreibung am SAP-System im
Konzern zu rütteln, sieht Stadler nicht. Fast jedes Unternehmen
verwende eine Applikation dieses Herstellers, natürlich seien aber
Versicherungsverwaltungssysteme etwas sehr Spezielles. Die VIG passe
ihre IT regional an, es gebe vier, fünf Insellösungen im Konzern.
Geringe Abschreibungen könne es hier auch künftig geben, wie schon
in den letzten Jahren, denn die Abschreibungsdauer von 10, 15 Jahren
überlebe kaum noch ein IT-System.
Zur Heta werde man sich das für Mittwoch erwartete neue
nachgebesserte Angebot "ansehen" und die Bedingungen dahinter prüfen
und danach entscheiden, so Stadler am Dienstagnachmittag. Dem
seinerzeitigen ersten Offert hätte die VIG für ihre 50 Mio. Euro
vorrangigen Senior Bonds - die zur Hälfte, also auf 25 Mio. Euro,
abgeschrieben sind - zugestimmt, doch erhielt das Angebot nicht die
erforderliche Gläubigerzustimmung. Ein weiteres Paket, 50 Mio. Euro
nachrangige Heta-Bonds, hat die VIG schon länger auf Null
abgeschrieben.
(Schluss) sp/itz/cs
ISIN AT0000908504
WEB http://www.vig.com