Fusion RZB/RBI - Verschmelzung wäre rückwirkend per Juni 2016
Aufnehmendes Institut wäre die börsennotierte RBI, RZB würde
via Sacheinlage eingebracht - Raiffeisenlandesbanken dann
direkt am Börsekonzern beteiligt
Noch sind viele heikle Fragen offen, wie die nun
auch in die formale Prüfung und Bewertung geschickte Fusion der RZB
mit ihrer börsennotierten 60-Prozent-Tochter Raiffeisen Bank
International (RBI) im Detail laufen wird. Fest steht, dass in dem
Fall die RBI das aufnehmende Institut wäre. Geht alles glatt, würde
die Fusion rückwirkend zum 30. Juni 2016 wirksam.Das hat RBI-Chef Karl Sevelda am Mittwoch im APA-Gespräch
skizziert. Ob es bei einer Fusion der RZB mit der RBI bliebe oder ob
nicht noch andere - etwa die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien -
dazustoßen könnten? Es werde jetzt die Lösung zwischen RZB und RBI
verfolgt, "alles andere ist nicht auf der Agenda", sagte Sevelda.
Ob das in vielen Jahren einmal anders aussehen wird, will man bei
Raiffeisen nicht für alle Zeiten ausschließen. "Aber jetzt ist es
einmal so, dass es um eine Fusion von RZB und RBI geht, die geprüft
wird", so Sevelda. In dem Fall würde dann die RBI auch das neue
Spitzeninstitut für die österreichische Raiffeisen-Geldgruppe. Die
Raiffeisen Zentralbank würde in der Raiffeisen Bank International
aufgehen.
Der Streubesitz in der RBI würde durch die Transaktion leicht
sinken, aber nicht wesentlich, heißt es ohne nähere Angaben zu
künftigen Beteiligungsverhältnissen. Die Interessen der
Streubesitzaktionäre würden jedenfalls eine Schlüsselrolle bei allen
Schritten spielen, versicherte der RBI-Chef heute bei einer
Analystenkonferenz.
Zur Zeit halten die österreichischen Raiffeisenlandesbanken
zusammen 90 Prozent an ihrem Spitzeninstitut RZB. Die
Raiffeisenlandesbanken wären nach einer Fusion RZB/RBI dann direkt
an der RBI beteiligt, weil es in dem Deal ja um eine Sacheinlage
gegen Kapitalerhöhung ginge. Gegen Bares kaufen wird die RBI die RZB
nicht.
Zum bisherigen Fahrplan: Nach dem gestrigen Beschluss in der RZB,
die Verschmelzung zu prüfen, wird das jetzt einmal maximal sechs
Monate evaluiert und durchgerechnet. Geht die Rechnung auf, wird auf
Basis der Halbjahresabschlüsse 2016 der Merger dann durchgezogen.
Vorher sind noch die Hauptversammlungsbeschlüsse (es ist jeweils
eine 75 Prozent Zustimmung nötig) einzuholen.
Bis längstens 31. März 2017 muss alles fertig sein für die
Eintragung der Fusion, die rückwirkend zum 30. Juni 2016 wirksam
werden sollte - wenn denn alles läuft wie die Initiatoren es wollen.
Intern trägt das Projekt den Namen "R2".
Vorerst werden jedenfalls Gesellschaftsrechtsexperten und
Wirtschaftsprüfer am Zug sein. Jede Seite wird nach ihren
Grundsatzentscheidungen unabhängige Experten für Bewertungsgutachten
ernennen, für eine finale Beurteilung wird wie immer bei großen
Firmenfusionen ein gerichtlich bestellter Verschmelzungsprüfer am
Werk sein.
Die RBI hat in Wien derzeit rund 1.800 Beschäftigte, in der
Gruppe mit dem Osteuropa-Netzwerk sind es mehr als 51.700 Leute. Die
RZB AG (als Holding) beschäftigt selber nur 235. Sie hält freilich
ein milliardenschweres Beteiligungsportfolio, neben der größten
Tochter (RBI) ist sie u.a. an der UNIQA Versicherung beteiligt sowie
an diversen Spezialinstituten wie Bausparkasse, Leasing oder
Fondsgesellschaft. Dazu kommt eine Vielzahl kleinerer Beteiligungen
im heimischen Finanzgeschehen.
Fragen nach der künftigen und wohl auch gestrafften
Führungsmannschaft der neuen fusionierten Bank wurden am Mittwoch
ebenfalls noch nicht beantwortet. In der "Raiffeisen Zeitung" hat
RZB-Chef Walter Rothensteiner dazu nur festgestellt: "Anders als
manchmal in der Politik überlegen wir uns erst, was wir wollen und
unterhalten uns dann über Personalien."
(Schluss) rf/ivn
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