Meischberger-Prozess - Das Treffen der Grasser-Gruppe
Stammtisch mit Hochegger, Telekom-Fischer und Immobilienmakler
Plech - Meischberger: "Da sind sehr viele Geschäfte gemacht
worden"
Bei der Fortsetzung des Meischberger-Prozesses heute
im Wiener Straflandesgericht hat der angeklagte Ex-Spitzenpolitiker
Walter Meischberger seiner Enttäuschung über einen Freund Luft
gemacht, der als Zeuge zuletzt ausgesagt hatte - und sich dabei von
Meischberger distanzierte.Dabei sei man sehr eng befreundet gewesen, was sich an
regelmäßigen Treffen und Stammtischen zeige. Und diese Treffen waren
durchaus prominent besetzt. Mit dabei war Ex-Finanzminister
Karl-Heinz Grasser und der Ex-Telekom-Manager Rudolf Fischer, der
sich gerade mit Fußfessel im Straflandesgericht beim
Telekom-1-Prozess verantworten muss. Ebenfalls mit dabei war der
Immobilienmakler Ernst Plech, eine zentrale Figur in der Causa
Buwog, wo derzeit über eine Anklageerhebung im Justizministerium
entschieden wird.
Nicht gefehlt hat auch der bekannte Lobbyist Peter Hochegger. "Da
sind sehr viele Geschäfte gemacht worden", so Meischberger vor
Richter Michael Tolstiuk. Alles Namen, die in zahlreichen
Korruptions-Causen aufscheinen. Sämtliche Personen bestreiten
Malversationen, es gilt die Unschuldsvermutung.
Der Zeuge, ein Hotelmanager, war laut ersten Angaben von
Meischberger der mögliche Tippgeber, dass ein Hotel in München zum
Verkauf steht. Meischberger hatte für den Tipp 600.000 Euro von der
Baufirma UBM bekommen, was für die Staatsanwaltschaft eine
Scheinrechnung ist. Zuletzt hatte Meischberger dann gesagt, er wisse
nicht mehr, wer ihm den Tipp gegeben hat. Der Zeuge war es laut
Eigenangaben jedenfalls nicht.
Doch heute kam es zur Wende: Von seinem Verteidiger befragt
meinte Meischberger, dass der Hotelmanager möglicherweise doch der
Tippgeber war. Wie eng die Freundschaft war, unterstrich die
Verteidigung durch die Vorlage eines privaten Fotobuches von
Meischberger, in dem beide feiernd zu sehen sind.
Hintergrund der Anklage ist eine Einmietung der Finanzbehörden in
ein Porr-Gebäude in Wien (Brehmstraße). Die Porr war seinerzeit die
Konzernmutter der UBM. Die Staatsanwaltschaft vermutete
Schmiergeldzahlungen und ermittelte auch gegen den damaligen
Finanzminister Grasser. Die Ermittlungen gegen Grasser wurden
eingestellt, übrig blieb die 600.000-Euro-Rechnung der damaligen
Porr-Tochterfirma, für die Meischberger Erklärungsbedarf hat.
Dieser gründet sich unter anderem auf ein Telefonat von
Meischberger mit Plech. Dabei fragte Meischberger: "Weißt du noch,
was hinter der Münchner Geschichte eigentlich war?" Plech hatte
geantwortet: "Des von der Münchner Geschichte war der 11. Bezirk,
die Aussiedlung von Teilen der Finanz." Meischberger:
"Brehmstraße?". Plech: "Brehmstraße". Zu einem anderen Projekt, der
Nordbergstraße, hatte Meischberger ebenfalls Plech nach Details
gefragt: "Wo woar mei Leistung?" - ein Satz, der zum geflügelten
Wort in Korruptionsberichten wurde.
(Schluss) stf/snu
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