Panama-Leaks - FMA prüft Offshore-Deals von RBI und Vorarlberger Hypo
Faymann: Rigoros prüfen - Staatsanwaltschaft wartet ab -
Banken versichern Gesetzmäßigkeit - Raiffeisen-Offshore-Deal
mit Poroschenko - Geldwäscheermittlungen zu Vbg-Hypo-Kunden
eingestellt
Die Berichterstattung über die "Panama
Papers" zu Offshore-Deals hat am Montag auch in Österreich Wellen
geschlagen. Konkrete Folgen gibt es bisher wenig: Die
Finanzmarktaufsicht kündigte eine "anlassbezogene Vorortprüfung" der
beiden genannten heimischen Banken, Raiffeisen Bank International
(RBI) und Landeshypo Vorarlberg an. Für die Staatsanwaltschaft ist
der Verdacht bisher zuwenig konkret.Ein internationales Medienkonsortium unter Führung der
"Süddeutschen Zeitung" hat Daten der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca
(Mossfon) mit Sitz in Panama, einem der weltweit größten
Briefkastenfirmenanbieter, zugespielt bekommen. Der "ORF" und das
Wochenmagazin "Falter" berichten seit Sonntagabend über die
Offshore-Deals. Sie sind Partner in dem internationalen
investigativen Recherche-Netzwerk, das sich acht Monate lang durch
11 Millionen "Panama-Leaks"-Dateien, unter anderem Mails,
Kontodaten, Briefe gewühlt hat.
Die FMA wird jetzt die RBI und die Landeshypo Vorarlberg bei
einer außertourlichen Prüfung unter die Lupe nehmen. Sollte sich ein
Geldwäscheverdacht ergeben, werde die Geldwäscheverdachtsmeldestelle
beim Bundeskriminalamt informiert. Bereits im Jahr 2012 sei ein
Verdachtsfall gemeldet worden, sagte der FMA-Sprecher, ohne Details
zu nennen.
Bei diesem von der FMA ermittelten Verdachtsfall handelte es sich
um die Geschäfte des russischen Milliardärs Guennadi Timtchenko
(auch: Gennadi Timtschenko), der zu den engen Vertrauten des
russischen Präsidenten Vladimir Putin gezählt wird. Der russische
Milliardär mit Wohnsitz in der Schweiz machte demnach einen Deal mit
der Southport Management Service auf den britischen Jungferninseln.
Die Konten liefen über die Vorarlberger Landeshypo. Die
Staatsanwaltschaft Feldkirch bestätigte am Montag auf APA-Anfrage,
dass sie Ende 2012 eine Anzeige gegen Timtchenko wegen
Geldwäscheverdachts erhalten habe. Nach Ermittlungen sei das
Verfahren mangels Beweisen im Frühjahr 2013 eingestellt worden.
Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) forderte eine rigorose
Aufarbeitung der Hintergründe. Faymann sieht darin ein politisches
Problem: "Wenn Staaten um gerechte Einnahmen aus dem Vermögen jener,
die es sich richten können, durch solche Konstruktionen gebracht
werden, muss es klare Antworten geben: Gesetze und Strafen, die das
Ziel haben, das zu verhindern. Nachdem es sich um eine
internationale Frage handelt, müssen wir hier die europäischen
Antworten forcieren", forderte der Bundeskanzler.
Das Finanzministerium wartet in der Causa "Panama Papers" vorerst
ab. "Sobald Daten bei uns einlangen, werden wir - wie auch bei
vergangenen Fällen - zügig mit der Analyse und Abarbeitung starten",
teilte ein Sprecher der APA mit. In erster Linie sei das ein Thema
für die Finanzmarktaufsicht (FMA). Finanzminister Hans Jörg
Schelling (ÖVP) selbst wollte sich am Montag nicht äußern.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sieht derzeit
keinen Anlass, in der Causa selber aktiv zu werden. "Uns liegt
derzeit keine Anzeige vor. Laut der Medienberichterstattung ist der
Vorwurf in Österreich viel zu unkonkret, um hier Ermittlungen
einleiten zu können", sagte die Sprecherin der WKStA,
Oberstaatsanwältin Alexandra Baumann, am Montag auf Anfrage zur APA.
Die Staatsanwaltschaft werde die Medienberichterstattung weiter
verfolgen. Eventuell Betroffene, die reinen Tisch machen wollen,
könnten jederzeit Selbstanzeige erstatten, sowohl bei jeder
Polizeistelle als auch bei der WKStA selber.
Für Ermittlungen zur Causa "Panama-Leaks" "brauchen wir einen
begründeten Anfangsverdacht", erläuterte der Sprecher der
Staatsanwälte, Gerhard Jarosch, im Ö1-Mittagsjournal des ORF-Radios.
"Ein Offshore-Konto an sich ist ja noch nichts Illegales". Die Frage
sei, was mit dem Konto gemacht werde, ob Gelder gewaschen oder
Steuern hinterzogen werden. Der Staatsanwalt hält auch
Kontoöffnungen, Hausdurchsuchungen und Rechtshilfeersuchen für
denkbar. Sollte die Finanzmarktaufsicht (FMA) auf strafrechtlich
relevante Sachverhalte stoßen, würde die Staatsanwaltschaft
informiert.
Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) verwies darauf, dass
die Justiz in der Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerhinterziehung
bereits aufgerüstet habe. Brandstetter bezeichnete die Gesetze als
"streng". Das zentrale Kontoregister solle noch heuer in Kraft
treten.
Die FPÖ fordert eine vollständige Aufklärung der Rolle heimischer
Banken. "Die Verantwortlichen sind zur Rechenschaft zu ziehen und
mit der vollen Härte des Gesetzes zu bestrafen", erklärte der
freiheitliche Budgetsprecher Roman Haider. Rainer Hable von den NEOS
sagte: "Österreich ist ein Nachbarland zu Panama, Liechtenstein und
Zypern wenn es um Verschleierungsoptionen von wirtschaftlich
Begünstigten geht." Der Grüne Werner Kogler meinte, es wundere ihn
nicht, dass heimische Banken in den Daten vorkommen. Österreichs
diskreter Finanzstandort nasche immer noch mit in der "global
organisierten Verschleierungsindustrie".
Die Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank (Hypo Vorarlberg) hat
am Montag erneut beteuert, nur legale Offshore-Geschäfte zu
betreiben. In jedem einzelnen Fall sei der wirtschaftlich
Berechtigte bekannt, betonte Hypo-Vorstandschef Michael Grahammer.
Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) als Eigentümervertreter
unterstrich, dass sich die Bank ganz aus dem Offshore-Bereich
zurückziehen werde. Außerdem wird es eine Sonderprüfung der Bank
durch eine externe Kanzlei geben.
Die RBI hatte am Sonntag in einer Stellungnahme betont, dass sie
die besondere Sorgfaltspflicht, die bei Offshore-Geschäften gelte,
eingehalten habe. Man erfülle die "gesetzlichen Verpflichtungen zur
Geldwäschereiprävention vollumfänglich". Die Bank sei verpflichtet,
die Identität des wirtschaftlichen Eigentümers eines Kunden
festzustellen. Die Bank verwies darauf, "kein Organ der Exekutive"
zu sein, eine "gänzliche Durchleuchtung von Kunden und
Transaktionen" sei "nicht möglich".
Die Raiffeisen-Gruppe soll in Kreditgeschäfte im Umfeld des
ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko via Briefkastenfirmen
involviert sein. Im Auftrag von Offshore-Gesellschaften auf den
British Virgin Islands vergab die Raiffeisengruppe laut den
Berichten hohe Millionenkredite an Unternehmen im Einflussbereich
Poroschenkos. Den Recherchen zufolge soll Poroschenko im August 2014
auf dem Höhepunkt des Ukraine-Krieges mit der Gründung einer
Offshore-Firma seinen Süßwarenkonzern juristisch auf die Britischen
Jungferninseln verlegt haben. Ziel sei die Vermeidung von
Steuerzahlungen aus dem möglichen Verkauf.
(Schluss) gru/cri
ISIN AT0000606306
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http://www.rbinternational.com/
https://www.hypovbg.at/