Panama-Leaks - Medien veröffentlichen Daten über Briefkastenfirmen
ORF und "Falter" in Recherchenetzwerk dabei - Bezug zu RBI und
Hypo Vorarlberg - Promis von Putin-Freunden bis Messi genannt
- Strukturelle Probleme wichtiger als Einzelfälle
Ein unbekannter Informant hat der "Süddeutschen
Zeitung" gut zehn Millionen Datensätze der panamesischen
Anwaltskanzlei Mossack Fonseca über 215.000 Briefkastenfirmen
zukommen lassen. Ein Netzwerk von Medien aus 80 Ländern, darunter
aus Österreich der "Falter" und der ORF, wertet diese aus und hat am
Sonntagabend erste Ergebnisse veröffentlicht.Laut ORF und "Falter" gibt es in Österreich Bezüge zur Raiffeisen
Bank International (RBI) und zur Hypo Vorarlberg, über die
Kundengelder in Briefkastenfirmen geflossen seien. Bei der RBI gehe
es insbesondere um Firmen im Umfeld des ukrainischen Präsidenten
Petro Poroschenko. Die beiden Banken weisen darauf hin, dass
Offshore-Geschäfte nicht illegal seien und man die Kunden besonders
genau geprüft habe. Allerdings "da wir kein Organ der Exekutive
sind, ist eine gänzliche Durchleuchtung von Kunden und Transaktionen
nicht möglich. Wir erfüllen aber selbstverständlich die gesetzlichen
Anforderungen zur Geldwäscheprävention", so Raiffeisen-Sprecherin
Ingrid Krenn-Ditz.
International wird auf Briefkastenfirmen des argentinischen
Fußballers Lionel Messi aber auch auf Freunde des russischen
Präsidenten Vladimir Putin verwiesen, dabei insbesondere auf den
Cellisten Sergej Roldugin und den Judo-Trainer Arkady Rotenberg. Der
Kreml sprach in einer ersten Reaktion von einer westlich gesteuerten
Kampagne gegen Putin, so der ORF. Roldugin sage, er brauche mehr
Zeit, um auf die Vorwürfe antworten zu können. Rotenberg habe nicht
auf Journalistenanfragen reagiert.
Die konzertierte Veröffentlichung der teilnehmenden Medien am
Sonntagabend war nur der Auftakt für weitere Enthüllungen. Florian
Klenk, im "Falter" für die Recherche verantwortlich und Ulla
Kramar-Schmid, beim ORF mit dieser Aufgabe betraut, kündigten bei
einem Runden Tisch der "ZiB2" für die nächsten Wochen weitere
Berichte an. So werde es um einen Investmentbanker gehen, der
geschäftlichen Kontakt mit einem Würdenträger in Ungarn hatte - da
gehe es um den Verdacht des Insiderhandels. Auch werde es um einen
Banker gehen, der sich auf sehr kompliziertem Weg drei Wohnungen in
New York gekauft habe "und wir nicht genau wissen, was er damit
bezweckt hat". Auch Geschichten um Geldflüsse rund um den inzwischen
verstorbenen ehemaligen kasachischen Botschafter Rakhat Aliyev
stehen noch bevor.
Mehrere Experten aber auch die recherchierenden Medien haben
darauf hingewiesen, dass das Nutzen einer Briefkastenfirma nicht
illegal sei. Es müsse im Einzelfall geprüft werden, ob kriminelle
Handlungen dahinter stünden. Daher gehe es auch weniger um
Einzelfälle als um die Strukturen an sich, so Klenk. Denn jedenfalls
verlieren die Herkunftsstaaten Steuereinnahmen. Auch Kramar-Schmid
verwies auf die demokratiepolitische Auswirkung - dass sich die
Reichsten aussuchen könnten, wo und wie viel Steuern sie zahlen.
Michel Reimon, EU-Abgeordneter der Grünen, forderte in Reaktion
eine sofortige politische Aufarbeitung. "Dazu müssen Maßnahmen wie
Untersuchungsausschüsse im Europaparlament und in den nationalen
Parlamenten eingeleitet werden." Es handle sich nicht um
Einzelfälle, sondern um ein System und deshalb brauche es nicht nur
juristische Ermittlungen, sondern auch politische Konsequenzen. Auch
Grünen-Budgetsprecher Bruno Rossmann forderte eine bessere Kontrolle
von Firmenbeteiligungen.
NEOS-Finanzsprecher Rainer Hable forderte von Justizminister
Wolfgang Brandstetter (ÖVP), die grenzübergreifende Zusammenarbeit
voranzutreiben. Nur so könnten die Begünstigten von kriminellen
Machenschaften ausgeforscht und das Geld der Steuerzahler
zurückgeholt werden. "Österreich ist ein Nachbarland von Panama,
Liechtenstein und Zypern wenn es um Verschleierungsoptionen von
wirtschaftlichen Begünstigten geht", so Hable.
(I N E T E R N E T: http://www.mossfon.com/)
(Schluss) tsk/mri
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