Verbund will weiter sparen, Strompreisverfall hält an
Investitionen und Dividendenpolitik werden evaluiert
Der Verbund will den weiter sinkenden
Strom-Großhandelspreisen mit weiteren Kostensenkungen und
Effizienzsteigerung begegnen und Investitionen und Dividendenpolitik
evaluieren. Ein Wachstumsfeld sind für den Stromkonzern aktuell
Dienstleistungen. 2015 stieg der Gewinn deutlich, für heuer ein
höheres Nettoergebnis, aber weniger operatives EBITDA erwartet.Die Strompreise seien in den vergangenen Wochen weiter gefallen,
die Forward-Preise auf rund 20 Euro pro Megawattstunde (MWh)
gesunken, so Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber am Mittwoch bei der
Bilanzpressekonferenz. Die Strompreise sind laut Verbund-Angaben
2013 noch bei 49 Euro je Megawattstunde (MWh) gelegen, 2014 bei 39
Euro/MWh und 2015 bei 35 Euro/MWh. Eine Preissenkung um 1 Euro/MWh
senke das Ergebnis (EBITDA) beim Verbund um rund 25 Mio. Euro. 2015
schlugen sich die niedrigeren Strompreise im EBITDA mit 100 Mio.
Euro nieder, so Finanzvorstand Peter Kollmann.
Es gebe auch keine mittelfristige Aussicht, dass sich dies
nachhaltig verbessern werde. Anzenberger betonte, dass in einem
Markt, der von Überproduktion geprägt sei, der Fokus in
Investitionen und Effizienzsteigerung gehe. Sparen bleibe nach wie
vor ganz oben auf der internen Tagesordnung, betonte Anzengruber. Es
gehe auch um eine Dynamisierung der Organisation, die
Digitalisierung bleibe auf der Tagesordnung, und man müsse die
Investitionen noch einmal scannen.
Anzengruber verwies in diesem Zusammenhang auf den Ausstieg beim
geplanten Murkraftwerk in Graz-Puntigam, bei dem der Verbund
50-Prozent-Partner der Energie Steiermark war. Der Kostendruck
bleibe bestehen, der Verbund müsse aber nicht eruptive Lawinen
auslösen wie andere, so Anzengruber. Genaueres soll zur Jahresmitte
feststehen. Das letzte Sparprogramm hat mit insgesamt 177 Mio. Euro
mehr gebracht als die geplanten 130 Mio. Euro. Aus dem Markt kämen
angesichts der Preissituation derzeit keine Investitionsanreize. Der
Verbund investiere vor allem im Netzbereich.
Die Verbund-Aktionäre erhalten für 2015 eine leicht höhere
Dividende von 30 Cent je Aktie, nach 29 Euro je Aktie für das Jahr
davor. Insgesamt werden laut Vorstand rund 104 Mio. Euro
ausgeschüttet. Mehrheitseigentümer des Verbund ist die Republik
Österreich. Die Dividendenpolitik werde evaluiert, so Anzengruber.
Die bisherige Guidance, 50 Prozent des bereinigten
Konzernergebnisses auszuschütten, sei unter Prüfung. 2015 stieg das
Konzernergebnis um rund 65 Prozent auf 207,7 Mio. Euro, das
bereinigte Konzernergebnis um 24,5 Prozent auf 268,9 Mio. Euro.
Die Verbund-Strategie stehe auf drei Säulen, so Anzengruber. Mit
einer CO2-freien Erzeugung müssten Gewinne erwirtschaftet werden.
Der Verbund habe gezeigt, dass es in schwierigen Jahren nie Verluste
gegeben habe. Weitere Standbeine seien das Stromnetz sowie
Dienstleistungen. Wichtig seien auch Allianzen für die
Energiezukunft etwa im Bereich Elektromobilität oder Start-ups. Ein
großes Thema werden angesichts der Volatilitäten am Strommarkt auch
Speicher. Geografisch blieben Österreich und Deutschland die
Kernmärkte. Man wolle aber nicht ganz vergessen, "was rund um uns
passiert", irgendwann komme wieder die Zeit, wo man auch Schlagkraft
haben müsse, um entsprechende Investitionen zu tätigen.
Bei den Haushaltskunden sei man mit einem Marktanteil von 7
Prozent im Strombereich noch nicht ganz dort, wo man hinwolle. Der
Verbund hat derzeit 341.000 Haushaltskunden im Strombereich. Gas,
das seit dem Vorjahr angeboten wird, beziehen 23.000 Haushaltskunden
vom Verbund.
Für das Gaskraftwerk Mellach prüfe man alle Optionen, so
Anzengruber. Es sei aber nicht ganz einfach. Eines sei aber klar,
der Verbund wolle ein CO2-freier Stromerzeuger werden. Es würden
Gespräche geführt. Mit Stefan Pierer, dessen Pierer Industrie als
einer der Interessenten gilt, habe er zuletzt vor einigen Monaten
gesprochen. Es seien viele Interessenten in dem Spiel drinnen.
Herbert Paierl sei einer der Interessenten. Der Consulter und
frühere steirische ÖVP-Landesrat Paierl berät Pierer Industries zum
Thema Mellach. Er hatte Mitte Februar zur APA gesagte, es gebe keine
Verhandlungen der Industriegruppe von Pierer, aber man stehe nach
wie vor in "Gesprächen mit dem Verbund". Aus informierten Kreisen
war unter den konkretesten Interessenten für Mellach zuletzt neben
Pierer Industries auch die deutsche Meyer-Werft genannt worden.
Die Klage gegen die Energie Steiermark im Ausmaß von 85 Mio. Euro
im Zusammenhang mit der Fernwärmeversorgung von Graz durch Mellach
sei eine Bereitstellungsklage. Das Verhältnis zur Energie Steiermark
sei professionell. Der Buchwert des Gaskraftwerks Mellach betrug
Ende des vierten Quartal 33,6 Mio. Euro, lässt sich aus dem
Geschäftsbericht ableiten. Mellach macht Verluste. Bei der Kelag
wolle man dem Land Kärnten Anteile abkaufen, es gebe aber keine
Gespräche.
Geld verdient hat der Verbund im Vorjahr auch mit sogenannten
Flexibilitätsprodukten wie Engpassmanagement, Kapazitätsreserven
oder Netzdienstleistungen. Sie trugen 140 bis 150 Mio. Euro zum
EBITDA bei, nach 80 Mio. Euro 2014. Wie sie sich weiter entwickeln,
könne man derzeit nicht einschätzen, die Erlöse könnten aber etwas
zurückkommen, so Kollmann. Das sei abhängig vom Stromsystem. Das
operative Ergebnis im Segment Netz stieg laut Geschäftsbericht von
58 Mio. Euro auf 180 Mio. Euro.
Das operative EBITDA wuchs um 9,9 Prozent auf 888,7 Mio. Euro.
2016 will man rund 230 Mio. Konzernergebnis bzw. rund 750 Mio. Euro
EBITDA erreichen - unter der Voraussetzung einer durchschnittlichen
Wasserkraft-Eigenerzeugung.
(Schluss) itz/sp
ISIN AT0000746409
WEB http://www.verbund.com