Verbund muss Strompreisverfall mit Sparmaßnahmen begegnen
"Weitere signifikante" Cashflow-Stärkung geplant - Letztes
Sparprogramm übererfüllt - Nettoergebnis 2015 zwei Drittel
höher, EBITDA um ein Zehntel - Mellach weiter abgewertet -
BILD GRAFIK
Der Verbund-Konzern muss wegen des Verfalls der
Stromgroßhandelspreise weitere Gegenmaßnahmen setzen. Das Management
prüfe "weitere signifikante" Schritte zur Stärkung des Free Cash
Flow, so das Unternehmen am Mittwoch. Das letzte, seit 2013
gelaufene Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramm habe mit
177 Mio. Euro Gesamteinsparung um 47 Mio. Euro mehr gebracht als
ursprünglich geplant.Seine Ergebnisse hat der Verbund 2015 beinahe im Rahmen der
Analystenerwartungen steigern können. Das operative EBITDA wuchs um
9,9 Prozent auf 888,7 Mio. Euro und damit "in line". Das
Konzernergebnis dagegen legte nur um 64,7 Prozent auf 207,7 Mio.
Euro zu, hier war deutlich mehr prognostiziert. 2016 will man bei
diesen beiden Kennzahlen rund 230 Mio. bzw. rund 750 Mio. Euro
erreichen - unter der Voraussetzung einer durchschnittlichen
Wasserkraft-Eigenerzeugung.
Das bereinigte Konzernergebnis steigerte der Verbund - wegen
eines verbesserten Finanzergebnisses und geringerer Ertragssteuern -
2015 um 24,5 Prozent auf 268,9 Mio. Euro. Das um Einmaleffekte
bereinigte EBITDA sei - trotz gesunkener Absatzpreise und einer
gegenüber 2014 um neun Prozentpunkte geringeren Wasserführung - nur
um 5,7 Prozent auf 838,8 Mio. Euro gesunken. Das operative EBIT wird
mit 410,6 (384,4) Mio. Euro beziffert, vor Werthaltigkeitsprüfungen
seien es 528,6 (423,5) Mio. Euro gewesen. Das Eigenkapital betrug
5,433 (5,281) Mrd. Euro.
Wie 2014 sei auch 2015 "massiv von Einmaleffekten beeinflusst
gewesen". Im abgelaufenen Jahr waren dies vor allem die
Wertminderung des Gas-Kombikraftwerks Mellach sowie die Auflösung
von Rückstellungen aufgrund von Verfahrensbereinigungen im
Netzbereich. Der Mellach-Buchwert hat sich von 30.9. bis 31.12. um
weitere 54,3 Mio. Euro von 87,9 auf 33,6 Mio. Euro vermindert, geht
aus dem Bericht im Internet hervor.
Wegen der in den letzten Wochen "dramatisch gesunkenen
Terminmarktpreise für Strom" evaluiert das Management "weitere
signifikante Maßnahmen" zur Stärkung des Free Cash Flow, so der
Verbund. Das beziehe sich insbesondere auf Wachstums- und
Instandhaltungsinvestitionen, künftige Dividendenpolitik sowie
Aufwandsreduktionen.
Um dem Umbruch am europäischen Strommarkt zu begegnen, hat der
Verbund nach eigenen Angaben 2015 "zahlreiche Maßnahmen
fortgesetzt". Diese umfassten die Fortsetzung der thermischen
Restrukturierung mit der Stilllegung des Kohlekraftwerks Dürnrohr
sowie den Abschluss der Verkäufe der Gas-Kombikraftwerke in
Frankreich und den Ausstieg aus der italienischen
Sorgenia-Beteiligung.
Die Umsatzerlöse stiegen 2015 um 3,1 Prozent auf 2,970 Mrd. Euro.
Dabei sanken die Stromerlöse um 3,7 Prozent von 2,427 auf 2,336 Mrd.
Euro, die Netzerlöse wuchsen um 25,1 Prozent auf 440 (351) Mio.
Euro.
Die Eigenerzeugung sank um 8,2 Prozent auf 31.239 (34.030) GWh;
dabei ging sie aus Wasserkraft um 9,9 Prozent auf 28.098 (31.188)
GWh zurück; aus Wärmekraft stieg sie um 11,2 Prozent auf 2.259
(2.031) GWh und aus Wind/Sonne um 8,8 Prozent auf 882 (811) GWh. Mit
Fremdbezug Handel (19.673 nach 16.801 GWh) sowie Fremdbezug Verlust-
und Regelenergie wuchs die Stromaufbringung um 1,6 Prozent auf
55.238 (54.329) GWh.
Vom Stromabsatz (51.375 nach 50.823 GWh) entfielen u.a. über die
Hälfte auf Österreich (27.366 nach 25.891 GWh) und zwei Fünftel auf
Deutschland (19.628 nach 22.491 GWh). Mit 8.946 GWh gingen um 5,7
Prozent weniger als 2014 an Endkunden, 24.317 GWh an Weiterverteiler
(+10,0 Prozent) und 18.112 GWh an Händler (-5,8 Prozent)
Der durchschnittliche betriebswirtschaftliche Personalstand
betrug voriges Jahr 3.089 (nach 3.245 in 2014). Der Personalaufwand
wurde um 7,9 Prozent von 361,6 Mio. auf 332,9 Mio. Euro reduziert.
Die Eigenkapitalquote (bereinigt) verbesserte sich auf 48,2 (44,7)
Prozent, der Nettoverschuldungsgrad auf 67,8 (76,9) Prozent.
Dass die Dividende für das Vorjahr nur marginal angehoben werden
soll - von 0,29 auf 0,30 Euro pro Aktie -, hatte der Verbund bereits
am Dienstagabend mitgeteilt; beschließen soll das die
Hauptversammlung am 13. April. Die geplante Dividende entspricht
einer Ausschüttungsquote von 50,2 Prozent bezogen auf das berichtete
Konzernergebnis bzw. einer Ausschüttungsquote von 38,8 Prozent
gemessen am bereinigten Konzernergebnis. Der Verbund gehört zu 51
Prozent der Republik Österreich.
Die laufenden Vorstandsbezüge erhöhten sich 2015 auf insgesamt
4,144 (3,810) Mio. Euro. Darunter werden sie für CEO Wolfgang
Anzengruber mit rund 1,187 Mio. Euro (nach 1,159 Mio. Euro 2014)
angegeben, davon etwa 381.000 (367.000) Euro variabler Anteil. Bei
Johann Sereinig waren es gesamt 1,136 Mio. (1,058) Mio. Euro (davon
365.000 nach 302.000 variabel), bei Günter Rabensteiner etwa 735.000
(738.000) Euro, davon 163.000 (176.000) Euro variabel, für CFO Peter
Kollmann etwa 980.000 (750.000), erstmals 2015 mit 217.000 Euro
variabel. AR-Chef Gilbert Frizberg bekam 65.000 Euro
Aufwandsentschädigung bzw. 5.500 Euro Sitzungsgelder.
( 0271-16)
(Schluss/Forts. nach PK) sp/ggr/cs
ISIN AT0000746409
WEB http://www.verbund.com
ISIN US5949181045
WEB http://www.microsoft.com