Strom-Pools und Effizienz-Netzwerke sind bares Geld wert
Gebündelte Leistung "virtueller Kraftwerke" bringt bis zu
60.000 Euro pro MW - Bis zu 30 Prozent Einsparung durch
Contracting
"Virtuelle Kraftwerke" kommen verstärkt in Mode.
Immer mehr Industrie- und Gewerbebetriebe bündeln in "Power Pools"
Stromangebot- und -nachfrage oder schließen sich
Effizienz-Netzwerken an, um ihren Energieverbrauch zu senken. Durch
solche Pools kann jedes Unternehmen profitieren, so die hier tätige
Verbund Solutions. Der deutsche Energie-Contractor Getec sieht 10
bis 30 Prozent Einsparpotenzial."In jedem Unternehmen ist Einsparpotenzial zu finden - eine
Teilnahme rechnet sich für alle", meinte
Verbund-Solutions-Geschäftsführer Martin Wagner am Donnerstagabend
bei einer Podiumsdiskussion. In einen Power Pool eintreten könne ein
Betrieb sinnvollerweise ab einer nicht produktionskritischen, also
Leistung von einem Megawatt. Meist geht es dabei um Gasturbinen mit
3 bis 4 MW, speziell aus Papier-, Zement- oder Chemieindustrie.
Jedes Megawatt Leistung sei in der Vermarktung pro Jahr 20.000
Euro wert am tertiären Regelenergiemarkt, so Wagner. Am sekundären
Regelenergiemarkt sei sogar mit dem Zwei- bis Dreifachen zu rechnen,
also mit 40.000 bis 60.000 Euro. Zwar umfasse der gesamte Regelmarkt
in Österreich 200 bis 250 MW, "das Potenzial unserer Kunden ist aber
viel größer". Daher suche man nach Intraday- und Spot-Möglichkeiten
sowie neuen alternativen Anwendungen.
Die Teilnehmer an "virtuellen Kraftwerken" vereinbaren im Voraus
ihre Kapazitäten, die dann bei Bedarf abgerufen und - gebündelt -
verkauft werden. Für Deutschland wurde das Gesamtvolumen solcher
möglichen Demand-Response-Lösungen der Industrie von der
Forschungsstelle für Energiewirtschaft einmal mit 9 Gigawatt (GW)
beziffert; umgelegt auf Österreich wären das 900 MW, die dreifache
Leistung des Donaukraftwerks Wien-Freudenau. Auch der Stahlkonzern
voestalpine ist mit Demand-Response Teil eines künstlichen
Kraftwerks, "der Verbund ist mit der Idee auf uns zugekommen",
berichtete der für Innovationen zuständige Vorstandsdirektor Peter
Schwab.
Eine weitere Möglichkeit zum Energiesparen ist für Unternehmen
die Teilnahme an einem Energieeffizienz-Netzwerk, wie es etwa der
Verbund in Form des "Eco-Net" anbietet. Dort legen Gruppen von
Firmen gemeinsame Einsparziele fest, mit an Bord sind etwa Andritz,
Magna, Hammerer Aluminium, Ochsner Wärmepumpen oder Schirnhofer.
Meist geht es um Heiz- oder Kühlsysteme, Abwärmenutzung, Druckluft,
Lüftung oder Beleuchtung. Stefan Chalupnik, der Chef des
Kunststoffverarbeiters Coreth, der ebenfalls mitmacht, bezifferte
sein Gruppenziel mit 9 Prozent Einsparung bei Energie und 7 Prozent
bei CO2. Die Teilnahme an "Eco-Net" koste zwar "auch nicht wenig",
doch sei das "gut investiertes Geld". Selbst wenn er weniger
einsparen würde als in Aussicht gestellt, bliebe noch immer was
übrig. Contracting habe er auch überlegt, so Chalupnik, doch brächte
das Coreth über Photovoltaik nicht mehr als 3 bis 5 Prozent
Energieersparnis.
Komplette Energieversorgungskonzepte gleich für zehn, fünfzehn
Jahre erstellt der deutsche Contracting-Marktführer Getec, mit dem
der Verbund ein Joint Venture in Österreich unterhält. Die
Einsparungen durch solche Lösungen beziffert Volker Schulz,
Vorstandssprecher und CEO von Getec heat & power, mit 10 bis 30
Prozent. Jedoch ist für die Anlagen schon eine Mindestgröße
erforderlich: "Ab 100 kW thermischer Leistungen steigen wir ein."
Vielen Firmen sei gar nicht bewusst, auf welch ungenutzten
Einsparvolumina sie sitzen. Schulz berichtete von einem
Milchverarbeiter, der von Getec eigentlich nur eine
Dampferzeugungsanlage wollte; dann hätten sich aber Möglichkeiten im
Nieder- und Hochtemperaturbereich aufgetan. Für diesen Kunden habe
man den Energieverbrauch letztlich um 25 Prozent senken können,
berichtete der Contracting-Experte bei der Veranstaltung des Verbund
und der Tageszeitung "Die Presse".
(Schluss) sp/itz/cs
ISIN AT0000746409
WEB http://www.verbund.com