Gewinn-Messe - Verbund auf anhaltend schwierigen Markt eingestellt
Anzengruber: Sind gut gerüstet durch Wasserkraft und Befreiung
von Altlasten - Über 10% Anteil bei Privatkunden angepeilt -
Südosteuropa langfristig interessant, derzeit politisch
unmöglich
Österreichs größter Stromkonzern Verbund geht von
einem preislich gesehen weiter schwierigen Markt aus, sieht sich
dafür aber vor allem durch seine 130 Wasserkraftwerke gut gewappnet,
mit denen der Konzern des Weg zur CO2-Freiheit vollziehen will. Bei
Privatkunden will der Verbund den Marktanteil auf über 10 Prozent
steigern, sagte Konzernchef Wolfgang Anzengruber am Freitag auf der
Gewinn-Messe.Derzeit verfüge man mit 330.000 Haushaltskunden über 7 Prozent in
diesem Bereich, Ziel seien über 10 Prozent an den über 4 Mio.
Abnehmern. Wachstum weise der Privatkunden-Markt freilich nicht auf,
"das ist ein Verdrängungswettbewerb". Bei Industriekunden (inkl.
Gewerbe) komme der Verbund auf 20 Prozent Marktanteil.
Neue Stromerzeugungsanlagen könnten derzeit nur im geförderten
Bereich gebaut werden, denn lediglich die aus Umweltgründen
eigentlich unerwünschten Braunkohle-Kraftwerke seien mit 35 Euro je
MWh Vollkosten allein über die Stromerlöse rentabel;
Laufwasseranlagen kosten 62 Euro/MWh, Windkraft 63 und neue
Solaranlagen 91 Euro pro Megawattstunde.
Demgegenüber lägen die Future-Base-Preise für Lieferungen im
heurigen Jahr bei nur 35 Euro/MWh, für 2016/17 sind es laut EEX
jeweils 32 Euro. Vor sechs bis sieben Jahren seien die
Stromgroßhandelspreise mit 75 Euro noch mehr als doppelt so hoch
gewesen, damals sogar noch mit der Perspektive Richtung 100 Euro.
"So wie es einmal war, wird es nicht mehr werden", da dürfe man sich
keinen Illusionen hingeben, so Anzengruber.
Der Verbund sei mit seinem hohen Wasserkraft-Anteil von 95
Prozent an der Eigenerzeugung dabei noch "in der besten Situation
von allen Stromunternehmen in Europa". Bei der heimischen
Stromerzeugung insgesamt beträgt der Anteil 65 Prozent. Zudem sei
der Verbund mittlerweile von Altlasten in der thermischen Erzeugung
befreit.
In diesen schwierigen Märkten werde es in einigen Jahren die
großen Schlachtschiffe der Elektrizitätswirtschaft in der jetzigen
Form womöglich gar nicht mehr geben. Der Verbund jedoch sei "in
einer sehr gesunden Situation", "und wir unternehmen alle
Anstrengungen, um unsere Position auch in Zukunft wahrzunehmen".
Strategisch sei der Verbund primär auf Wasserkraft, Windenergie
und Übertragungsnetze konzentriert. Regional liege der Fokus kurz-
und mittelfristig auf Deutschland und Österreich. Mittelfristig
könnte aber auch Südosteuropa als interessante Wasserkraftregion
mehr in den Blick rücken, derzeit sei SO-Europa aber "politisch
nicht geeignet für ein längerfristiges Investment". Sein
Investitionsprogramm habe der Verbund an die Strommarktentwicklung
selektiv angepasst, erinnerte Anzengruber.
Ja, der Gesamtenergiebedarf werde in Zukunft sinken, der
Strombedarf aber nicht. Der Strombedarf werde langsam wachsen, vor
allem im Haushaltsbereich, ist Anzengruber überzeugt, und der Anteil
von Strom an der gesamten Energie werde steigen.
(Schluss) sp/itz
ISIN AT0000746409
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