Infrastrukturminister setzt auf Beteiligungsmanagement - ÖIAG-Kritik
Eigentümerstrategie für ÖBB, Asfinag etc. wird veröffentlicht
- Stöger: Hätte Telekom nicht "wegschwimmen" lassen
Das Infrastrukturministerium hat für die ihm
zugeordneten Unternehmen wie ÖBB und Asfinag ein aktives
Beteiligungsmanagement ausgearbeitet. Die Eigentümerstrategien für
die jeweiligen Unternehmen werden 2016 auf der Homepage des BMVIT
veröffentlicht, kündigte Minister Alois Stöger (SPÖ) Mittwochabend
vor Journalisten an. Kritik übte er am Teilverkauf der Telekom
Austria.Es sei ein Versagen der ÖIAG, dass die Telekom als ein für
Österreich so wichtiger Betrieb einfach "weggeschwommen" sei, sagte
Stöger. Wäre er verantwortlich gewesen, hätte er das nicht
zugelassen. Die Folgen könnten sich etwa bei der Breitbandmilliarde
zeigen. Die Telekom agiere nun rein nach Marktinteressen und nicht
mehr im Interesse der österreichischen Bevölkerung. Ob sich die
Telekom nun auch mit Eigeninvestitionen bei der Breitbandmilliarde
beteiligen werde, müsse sich erst zeigen. Die Telekom ist inzwischen
mehrheitlich im Besitz der mexikanischen America Movil.
Die Nachfolgerorganisation der ÖIAG, die ÖBIB, stelle zwar eine
Verbesserung dar, weil die "Selbsterneuerung" des Aufsichtsrats
weggefallen sei, durch die die Interessen der Österreicher nicht
wahrgenommen wurden, meinte Stöger. Doch auch die ÖBIB sei wie die
ÖIAG im falschen Ministerium angesiedelt, denn das Finanzministerium
betreibe Finanzpolitik und nicht Wirtschaftspolitik, kritisierte
Stöger. Ob sich die neuen Manager der Telekom auch für den
Breitbandausbau etwa in Osttirol begeistern könnten, werde sich noch
zeigen.
Für die direkten Beteiligungen des BMVIT wurden standardisierte
Prozesse für das Beteiligungsmanagement implementiert, wie etwa
halbjährliche Eigentümer-Jour-Fixe. Insgesamt sind in allen
BMVIT-Beteiligungsunternehmen knapp 46.000 Beschäftigte tätig, die
Umsatzerlöse und sonstigen betrieblichen Erlöse beliefen sich 2014
auf 9,7 Mrd. Euro.
Von den 17 direkten Beteiligungen sind die Österreichischen
Bundesbahnen (ÖBB) bei weitem die größte. Weitere
100-Prozent-Beteiligungen sind die Asfinag, die AustroControl, die
AustriaTech, die Graz-Köflacher Bahn- und Busbetriebe, die
Schienen-Control, die
Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft und die via donau.
Dazu kommen noch Beteiligungen, an denen das BMVIT weniger als 100
Prozent hält, wie etwa das Austrian Institute of Technology (AIT),
das Austria Wirtschaftsservice (AWS), die Kärntner
Betriebsansiedlungs- und Beteiligungsgesellschaft (BABEG), die
Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und die Raaber Bahn.
Im exemplarisch vorgelegten Entwurf für die Asfinag-Strategie
findet sich etwa die Vorgabe des Eigentümers, dass die Asfinag eine
"risikoaverse Finanzstrategie" verfolgen solle. Weiters wird bei der
Umsetzung der vereinbarten Investitionsprogramme "Zeit- und
Kostenstabilität" verlangt.
Einzelne kleinere Bereiche der Beteiligungen könnten auch wieder
ins Ministerium zurückgeholt werden, etwa zum Abbau von
Doppelgleisigkeiten, kündigte Stöger an. Das BMVIT könne seine
Beteiligungen jedenfalls besser managen als die ÖBIB, zeigte er sich
überzeugt.
(Schluss) gru/stf
ISIN AT0000720008
WEB http://www.oebb.at/
http://www.asfinag.at
http://www.telekomaustria.com
http://www.oiag.at
http://www.obib.co.at