Verbund-Tagung - "Gemeinsame Märkte ausweiten und nicht einschränken"
GD-Energie-Vertreter aus Brüssel: Konflikt um gemeinsame
Preiszone mit Deutschland "offen und fair austragen" - Global
noch 1,1 Milliarden Menschen ohne Zugang zu Energie
Wie Energieminister Reinhold Mitterlehner
(ÖVP) plädierte am Mittwoch auch der Energie-Sektionschef im
Wirtschaftsministerium, Christian Schönbauer, gegen eine Aufspaltung
der deutsch-österreichischen Strom-Preiszone, von der unser Land
preislich profitiert. "Die gemeinsamen Märkte sollten ausgeweitet
und nicht eingeschränkt werden", so Schönbauer bei der
"energy2050"-Tagung des Vebund in Fuschl.Oliver Koch, Vize-Referatsleiter in der Generaldirektion Energie
der EU-Kommission, zeigte Verständnis für die Sensibilität in
Österreich zu diesem Thema. Die heutige Empfehlung der europäischen
Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden
(ACER) werde hierzulande "sicher für viele Wellen sorgen". Letztlich
gehe es dabei um ganz immense Verteilungsfragen, nämlich um hunderte
Millionen Euro, vielleicht sogar Milliarden. Solche Konflikte
müssten "offen und fair ausgetragen" werden, meinte Koch.
Sich in Europa bei der Förderung von Erneuerbarer Energie "vom
Markt zu entfernen, kann keine dauerhafte Lösung sein", so der
Brüsseler Vize-Referatsleiter für Großhandelsmärkte, Strom und Gas.
Versorgungssicherheit nur national anzudenken, sei "eine Sackgasse",
"wir sind vernetzt" - eine Fragmentierung gelte es zu vermeiden.
Dies sei auch in der Marktdesign-Diskussion relevant, zu der die GD
Energie"ergebnisoffen" und dankbar für alle Vorschläge sei.
Christoph Frei, Generalsekretär und CEO des World Energy Council
(WEC), verwies darauf, dass weltweit noch immer 1,1 Milliarden
Menschen keinen Zugang zu Energie haben - vor fünf Jahren seien es
noch 1,3 Milliarden gewesen. Diese Zahl werde sich bis zum Jahr 2050
auch nicht auf Null drücken lassen, mindestens 300 Mio. Menschen
würden wohl auch dann noch unter Energiearmut leiden.
Auch die globalen CO2-Ziele - eine Halbierung der Emissionen bis
2050 - werde wohl nicht gelingen, vor allem wenn sich der
Energieverbrauch nicht reduzieren lasse. "Wir brauchen hier ganz
starke Politik-Ambitionen", so Frei. Bei der
Energieeffizienz-Steigerung habe es in den letzten Jahren jeweils
nur 1,3 Prozent Energieintensitätsgewinne jährlich gegeben, obwohl
die WEC-Berechnungen zeigten, dass es mehr sein könnte.
Künftig gehe es vor allem um eine regulative Marktdesign-Reform
sowie eine Entkarbonisierungs-Reform, meinte Frei, also um eine
marktkonforme Reform des Emissionshandelssystems, die im übrigen
auch Verbund-Vorstandschef Wolfgang Anzengruber einforderte. "Wir
brauchen auf allen Ebenen eine integrierte Klima- und Energiepolitik
- und auch eine österreichische Energiestrategie", so Anzengruber.
(Schluss) sp/itz
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