Blaulichtfunk-Prozess - Prozesstag startet mit einer Panne
Videokonferenz nach Berlin holperte - Zeuge war im U-Ausschuss
nicht erschienen -Richter telefonierte mehrmals mit Gericht in
Berlin und Rechtsanwalt des Zeugen
Der Blaulicht-Prozess am Wiener Straflandesgericht
ist heute, Freitag, mit einer Panne gestartet. Geplant war zum
Auftakt eine Videokonferenz zur Zeugeneinvernahme von Ex-Motorola
Österreich-Vorstand Hans-Joachim Wirth in Berlin. Allerdings war die
Verbindung nicht brauchbar.Dass die Probleme ausgerechnet bei einem Strafprozess rund um die
Telekommunikationsfirmen Telekom Austria und Motorola auftrat,
sorgte im Gerichtssaal für Heiterkeit.
Wirth sollte bereits im Jahr 2012 zur Affäre rund um den
Blaulichtfunk Tetron im parlamentarischen U-Ausschuss befragt
werden. Diesen hatte Wirth allerdings boykottiert. Da Wirth
deutscher Staatsbürger ist standen dem Ausschuss keine Beuge- oder
Zwangsmöglichkeiten zu Verfügung. Die Staatsanwaltschaft kritisierte
heute dass es der Zeuge nicht der Mühe wert gefunden habe vor
Gericht zu erscheinen.
Anstatt mit Wirth zu starten begann nun der heutige Prozesstag
mit der Befragung des Erstangeklagten, dem Ex-Festnetzchef der
Telekom Austria, Rudolf Fischer. Gestern waren er und der
mitangeklagte Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly durch eine
Zeugenaussage unter Druck geraten. Beide Angeklagten hatten die
Zahlungen der Telekom an Mensdorff - hinter denen die
Staatsanwaltschaft Schmiergeldzahlungen vermutet - damit
gerechtfertigt, dass die Telekom unbedingt aus dem Bieterkonsortium
Motorola/Alcatel/Telekom aussteigen wollte, dies Motorola aber nicht
wollte.
Der Zeuge gestern, der damalige Motorola-Europa-Vertriebschef
Carlos Sartorius, konnte sich aber nicht an ein Dreierkonsortium
erinnern. Für ihn war Alcatel wichtig, wer der Zulieferer war - ob
die Telekom Austria oder Mitbewerber - sei nicht entscheidend
gewesen. Die Telekom Austria habe sich aber durch die guten Kontakte
zu den Behörden angeboten.
Auch an die intensiven Kontakte, die Mensdorff mit den
Entscheidungsträgern bei Motorla gehabt haben will, konnte sich
Sartorius nicht so recht erinnern. Er sprach von ein paar kurzen
Gesprächen. Ein angeblich sehr wichtiges Treffen von Mensdorff mit
Sartorius in London hatte letzterer nur mehr als Kaffeeplausch in
Erinnerung. Mensdorff war als Berater für Motorola aktiv, dass er
gleichzeitig für die Telekom lobbyierte, wusste Sartorius nicht.
Fischer konzentrierte sich heute darauf, dass er unbedingt
verhindern wollte, dass die Deutsche Telekom der Zulieferer für
Tetron wird. Eine sehr engagierte Schöffin konzentrierte sich aber
lieber weiter auf das Konsortium. Staatsanwalt Volkert Sackmann
legte neue Unterlagen vor, diese seien auf dem Laptop einer
involvierten Person sichergestellt worden. Sie würden zeigen, dass
auch das Innenministerium als Auftraggeber für Tetron die Telekom
nicht als Teil des Motorola-Konsortiums sah. Die Verteidigung
kritisierte daraufhin die kurzfristige Vorlage dieser Beweisstücke.
Richter Michael Tolstiuk versuchte daraufhin erneut mit mehreren
Anrufen beim Gericht in Berlin sowie bei der Rechtsvertretung von
Wirth eine Videokonferenz zustande zu bringen, allerdings weiterhin
erfolglos, woraufhin für heute von einer Befragung von Wirth
abgesehen wurde.
(Forts. mögl.) stf/phs
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