Blaulichtfunk-Prozess - Fischer: Mensdorff war mein Sparringpartner
Ex-Telekom-Festnetzchef: Andere Vorstände verwenden Berater um
in der Öffentlichkeit gut dazustehen - Zeuge: Keine
Beratertätigkeit wahrgenommen
Der Prozess rund um angebliche Bestechungen bei der
Vergabe des Funksystems Tetron für Blaulichtorganisationen (Polizei,
Rettung, Feuerwehr) vor gut zehn Jahren ist heute, nach einer
zweimonatigen Verhandlungspause, im Wiener Straflandesgericht
fortgesetzt worden.Als erster Zeuge wurde ein ehemaliger Mitarbeiter der Telekom
Austria befragt. Die Telekom hatte gemeinsam mit Alcatel und
Motorola - nach einer umstrittenen Neuausschreibung durch den
damaligen Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) - den Zuschlag für das
Blaulichtsystem erhalten. Dem ursprünglichen Gewinnern rund um
Siemens/Raiffeisen musste der Staat 30 Mio. Schadenersatz zahlen,
obwohl selbst noch Strasser-Nachfolgerin Maria Fekter (ÖVP) in einer
Anfrage betonte, dass das Erstangebot mangelhaft gewesen sei. Das
Tetron-System ist bis heute - entgegen den ursprünglichen Plänen -
flächendeckend nicht verfügbar.
Der Zeuge, damals für Zukäufe und Zusammenschlüsse bei der
Telekom zuständig, hielt fest, dass ihm bei der Bewerbung um den
Tetron-Auftrag keine Berater aufgefallen wären. Die Telekom habe
gewusst, was sie wolle, und habe dies auch umsetzen können.
Der angeklagte Ex-Telekom-Festnetzchef Rudolf Fischer betonte,
dass es auf Seiten des Mitbewerbers - des Konsortiums rund um
Siemens und Raiffeisen - erhebliche Lobbyingpower gegeben habe, dem
man entgegenhalten musste. Neben Fischer auf der Anklagebank sitzt
der Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly, der für seine Tätigkeit für
die Telekom rund 1,1 Mio. Euro erhalten hat. Die Staatsanwaltschaft
kann für diese Summe allerdings keine ausreichende Leistung erkennen
und vermutet Schmiergeldzahlungen.
Fischer hingegen betonte heute, Mittwoch, einmal mehr, wie
wichtig Mensdorff für die Telekom war. Schließlich bestand die
Gefahr, dass die Deutsche Telekom versuchen würde, über diesen
Großauftrag stärker in Österreich Fuß zu fassen. Mensdorff sollte
klären, inwiefern Motorola bereits mit den Deutschen liebäugle und
ob Motorola auch zufrieden gewesen wäre, wenn die Telekom nicht
direkt Teil des Konsortiums ist, sondern nur Technologielieferant.
Das habe Mensdorff erfolgreich erledigen können.
Fischer ging damals von einem 100-Millionen-Euro-Auftrag aus, als
Provision für Mensdorff habe er bei einem halben bis ein Prozent
gesehen. Geworden sind es dann 1,1 Mio. Euro. Der heute neu
hinzugezogene Gutachter Georg H. Jeitler verwies darauf, dass der
Deal ohnehin schon mehr oder weniger in trockenen Tüchern war, als
der Lobbyist beauftragt wurde. So könne man das nicht sehen, so
Fischer, der bei der Befragung durch den Gutachter zusehends
emotional reagierte. Mensdorff habe dafür gesorgt, dass es keinen
Ärger mit Motorola gab und die Deutsche Telekom nicht zum Zug kam.
Das Geschäft mit Mensdorff habe er danach weitergeführt weil
Mensdorff in Osteuropa sehr gut vernetzt sei. "Lassen Sie sich das
mal von ihm erzählen", schlug Fischer vor. Und er ergänzte: "Was ist
so verfänglich, wenn der Vorstand einen Berater hat." Schließlich
würden andere Vorstände sogar Experten dafür einsetzen, nur damit
sie besser in der Öffentlichkeit dastehen, ärgerte sich Fischer.
Ob Mensdorff zu seiner Arbeit Dokumente abgeliefert hatte, wollte
daraufhin der Gutachter wissen. Darauf dürfe man die Arbeit nicht
reduzieren, schließlich sei vieles mündlich weitergegeben worden,
betonte Fischer. Das sei eben die Vorgangsweise von Mensdorff
gewesen. Mensdorff sei sein "Sparringpartner" gewesen. Was genau
davon an die anderen Vorstände weitergegeben wurde, wollte Jeitler
daraufhin wissen. Fischer konterte, Jetler würde nicht verstehen,
wie die Telekom funktioniere, da laufe man nicht sofort zu einem
Vorstand, schließlich gab es auch ein Spannungsverhältnis zwischen
der Festnetz- und Mobilfunkfraktion im Unternehmen.
(Forts. mögl.) stf/kre
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