Verbund erzeugte im Juli ein Fünftel weniger Wasserkraft-Strom
Bedarf trotz Trockenheit sichergestellt: Speicher- und
thermische Kraftwerke springen ein - Speicheranlagen zu 70 bis
90 Prozent gefüllt
Wegen der trockenen Witterung hat der
Verbund-Stromkonzern im Juli in seinen Wasserkraftwerken um mehr als
20 Prozent weniger Elektrizität erzeugt als sonst üblich. Dabei war
die Produktion in den Anlagen an der Donau in letzter Zeit zeitweise
um die 30 Prozent unter normal, während etwa der Inn im
Normalbereich lag, die Drau in Kärnten sogar über den langjährigen
Mittelwerten.Natürlich bleibe die Trockenheit nicht ohne Auswirkung auf die
Stromerzeugung an den Laufkraftwerken, vor allem an der Donau. Ein
erzeugungsschwacher Sommer wie heuer - ähnlich wie zuletzt 2011 -
sei für den Verbund als Kraftwerksbetreiber jedoch "nichts
Außergewöhnliches", meinte der Verbund-Mediensprecher für den
Bereich Erzeugung, Florian Seidl, zur APA. Und der Hochsommer sei
bekanntlich generell eine schwache Zeit für die Stromerzeugung aus
Laufwasserkraft. Im übrigen ist beispielsweise im Juli und August
auch der Verbrauch geringer als in Wintermonaten.
Anders als etwa die ebenfalls unter dem Wassermangel leidenden
Bereiche Agrar oder Schifffahrt könne die E-Wirtschaft jetzt auf
andere Erzeugungsquellen ausweichen. "In dieser Zeit springen
Speicher- und thermische Kraftwerke ein. Dank ausreichender
Erzeugungskapazitäten im Bereich der Speicher- und Wärmekraftwerke
ist der Elektrizitätsbedarf in Österreich sichergestellt." So seien
etwa die Wasserspeicher für die Speicherkraftwerke "nach wie vor gut
gefüllt" mit "zwischen 70 und 90 Prozent Füllstand".
Die Wasserkrafterzeuger seien von der Trockenheit wesentlich
weniger betroffen als zum Beispiel aktuell die Betreiber kalorischer
Kraftwerke in Polen, teils auch Frankreich und Deutschland. Diese
würden Wasser nicht zur Erzeugung, sondern als
Frischwasser-Kühlmittel im thermischen Erzeugungsprozess benötigen.
Der niedrige Wasserstand in den Flüssen führe nicht im gleichen
Ausmaß zu einem Rückgang der Stromerzeugung in Laufkraftwerken. "Da
ein Flusskraftwerk nicht von der Wassermenge, sondern von der
Fallhöhe an der Staustufe abhängt, wird der Effekt des
Wasserrückgangs abgemildert", erläutert Seidl. "Denn durch den
niedrigen Wasserstand unterhalb eines Kraftwerks erhöht sich
wiederum die Fallhöhe. Damit verbessert sich die Energieausbeute und
kompensiert die durchflussbedingten Verluste."
Im ersten Halbjahr hat der Verbund einen
Wasserkraft-Erzeugungskoeffizienten von 1,03 aufgewiesen, die
Wasserführung lag also um 3 Prozent über dem langjährigen
Durchschnitt. Wie es nach dem Juli mit über 20 Prozent Minus und der
extrem trockenen ersten August-Hälfte weitergeht, ist noch offen -
für die nächsten Tage ist in Österreich jedenfalls wieder etwas mehr
Regen angesagt.
(Schluss) sp/stf
ISIN AT0000746409
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