Verbund-Vorstand Rabensteiner will "Gleichbehandlung für Wasserkraft"
Kritik: "Völlig in Schieflage geratene deutsche
Energiepolitik" verhindert Wasserkraft-Projekte -
Kannibalisierung von Wasserkraft durch Solar und Wind
"Eine völlig in Schieflage geratene deutsche
Energiepolitik zusammen mit einer falsch aufgesetzten CO2-Politik"
auf europäischer Ebene seien schuld daran, dass es derzeit einen
gewaltigen Rückstau bei interessanten Wasserkraft-Projekten gebe,
kritisierte Verbund-Vorstand Günther Rabensteiner am Donnerstag in
Wien."Sie bekommen derzeit kaum ein Wasserkraftwerk in wirtschaftliche
Dimensionen", sagte Rabensteiner bei der Präsentation einer Studie
zur Bedeutung der Wasserkraft in Europa. Die verfehlte
Energiepolitik habe zu gewaltigen makroökonomischen Problemen
geführt, die "hochgelobte Solarindustrie in Deutschland" lege "einen
Bankrott nach dem anderen" hin, auch große Windparks hätten bereits
Bankrott angemeldet.
Zu den Leidtragenden gehöre auch die Wasserkraft als etablierte
Erneuerbaren-Technologie. "Es gibt einen Kannibalisierungseffekt",
sagte Rabensteiner. Durch die uneingeschränkte Erzeugung von Wind-
und Solarenergie müssten sich Wasserkraft-Produzenten überlegen, ob
sie das Risiko von Strafzahlungen auf sich nehmen sollen. "Es ist
absurd, dass die neuen Erneuerbaren Wind und Sonne in zunehmenden
Fällen die Wasserkraft verdrängen, das heißt, dass Wasser über die
Wehranlagen abgegeben werden muss, ohne Strom zu produzieren." Es
müsse eine Gleichbehandlung der Erneuerbaren geben, forderte
Rabensteiner. Es sei absurd, "dass die einzige wirtschaftliche Art
Strom zu produzieren - klammern wir einmal das Nuklearthema aus -
Braunkohle geworden ist".
Um das Image der Wasserkraft-Branche in der Öffentlichkeit zu
verbessern, hat der Verbund gemeinsam mit 20 anderen europäischen
Wasserkraftunternehmen und Verbänden eine Studie anfertigen lassen,
die die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wasserkraft in Europa
herausstreicht. "Wasserkraft ist die größte erneuerbare
Energiequelle in Österreich und Europa", sagte Verbund-Chef Wolfgang
Anzengruber bei der Präsentation der Studie. Demnach erzeugen die
Wasserkraftanlagen in der EU jährlich rund 380 TWh Strom, das sind
etwa 13 Prozent der gesamten Stromaufbringung. Berücksichtige man
zusätzlich die Länder Norwegen, Schweiz und die Türkei, die über die
Stromnetze mit der EU verbunden sei, so liege der Wert bei etwa 600
TWh bzw. bei 18 Prozent, sagte Christian Hewicker vom
Beratungsunternehmen DNV.GL, das die Studie erstellt hat.
Der Beitrag der Wasserkraft zur volkswirtschaftlichen
Wertschöpfung beträgt laut Studie pro Jahr rund 25 Mrd. Euro für die
EU-28 bzw. 38 Mrd. Euro, wenn man Norwegen, die Schweiz und die
Türkei dazuzählt. "Das entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt von
Slowenien", sagte Herwicker.
(Schluss) ivn/itz
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