Ex-OMV-Chef Ruttenstorfer neuer Aufsichtsratschef der Telekom Austria
ÖBIB-Geschäftsführer Kemler abgelöst - Exner-Wöhrer ersetzt
Leonhartsberger - Konzernchef Ametsreiter stellte Aktionären
starkes Jahr 2015 in Aussicht - Streubesitz soll bis 2016
steigen
Der frühere OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer ist
neuer Aufsichtsratschef der Telekom Austria. Er ist im Anschluss an
die ordentliche Hauptversammlung in der konstituierenden Sitzung des
Aufsichtsratsgremiums als Vorsitzender gewählt worden, teilte das
teilstaatliche Unternehmen am Mittwoch mit. Zuvor stellte
Generaldirektor Hannes Ametsreiter den Aktionären ein starkes Jahr
2015 in Aussicht.Ruttenstorfer löst den interimistischen ÖBIB-Geschäftsführer
Rudolf Kemler ab, der nun nach OMV und Post sein drittes
Aufsichtsratsmandat zurückgelegt hat. Den ÖBIB-Prokuristen Günter
Leonhartsberger ersetzt die Salzburger Industrielle Karin
Exner-Wöhrer. Die Funktionsperiode der neu gewählten Aufsichtsräte
dauere bis zum Ende jener Hauptversammlung, die über die Entlastung
für das Geschäftsjahr 2019 beschließt, erklärte die Telekom Austria
weiters.
Neben den Wahlen in den Aufsichtsrat haben die Aktionäre am
Mittwoch wie erwartet auch die Dividende für 2014 von 0,05 Euro pro
Aktie abgesegnet. Einzelne Anleger hatten in der Hauptversammlung
allerdings gefordert, angesichts des Verlustjahres keine Dividende
auszuschütten. Ametsreiter verteidigte die Dividendenzahlung, auch
weil manche Investmentfonds nur in Aktien investierten, die
Dividenden zahlen.
Der Vorstand der börsennotierten Gesellschaft erstattete Bericht
über das Geschäftsjahr 2014 und lenkte den Fokus insbesondere auf
das laufende Jahr. Das Unternehmen hatte im ersten Quartal 2015
seinen Gewinn mehr als verdoppelt. Ametsreiter geht von einem
starken Jahr 2015 aus, wie er sagte.
Seit dem Vorjahr hält der mexikanische Telekom-Tycoon Carlos Slim
mit seinem Konzern America Movil die Mehrheit an der Telekom
Austria. Der Staatsholding ÖBIB (früher ÖIAG) gehören unverändert
28,4 Prozent. Im Syndikatsvertrag zwischen America Movil und ÖBIB
ist vereinbart, dass 24 Prozent der Telekom-Aktien in Streubesitz
und an der Wiener Börse notieren sollen, derzeit sind es nur 11,9
Prozent. Es gebe für die Zielerreichung eine Frist von zwei Jahren,
sagte Kemler auf Aktionärsfragen. Slim und der ÖBIB bleiben also
noch gut ein Jahr, um den Streubesitz wieder zu erhöhen.
In den Korruptionsfällen, die in der Telekom Austria in den
vergangenen Jahren aufkamen, seien bisher 8,3 Mio. Euro an das
Unternehmen zurückgeflossen, sagte Ametsreiter vor den Aktionären.
Der ehemalige Finanzvorstand Stefano Colombo hat den Angaben zufolge
im Frühjahr 2015 gut 3,1 Mio. Euro gezahlt. Auch von den Parteien
ÖVP, FPÖ und BZÖ werde Geld zurückgefordert. Mit der Volkspartei
gebe es bereits eine Vereinbarung. 2014 seien in Summe 3,25 Mio.
Euro an "Schadensregulierungen" ergebniswirksam gewesen.
Für Schmunzeln bei dem einen oder anderen Aktionär sorgte ein
Versprecher von Kemler. Er wünschte dem "neuen CEO", dem Argentinier
Alejandro Plater, nach dessen kurzer Vorstellung auf Englisch alles
Gute. Später stellte Kemler klar, er habe "COO", nicht "CEO" gesagt.
Allen, die etwas anderes gehört hätten, empfahl er, die Ohren bei
einem HNO-Spezialisten überprüfen zu lassen. Es gebe keine
Geheimabsprachen, es sei klar geregelt, dass die ÖBIB den
Generaldirektor, den Chief Executive Officer (CEO), stelle und Slim
die beiden weiteren Vorstandsmitglieder. Slim hatte dem
tatsächlichen CEO Ametsreiter im März Plater als seinen Vertreter
zur Seite gestellt. Insider sprachen damals von einem "geheimen
CEO", den die Mexikaner nach Wien geschickt hätten.
(Schluss) pro/snu
ISIN AT0000720008
WEB http://www.telekomaustria.com
http://www.obib.co.at