EZB-Bondkäufe von Brezinschek kritisch gesehen: Keine Deflation droht
Weitere Euro-Talfahrt vorprogrammiert - RBI-Chefanalyst:
Eurohüter wollen einigen Regierungen mehr Zeit für Reformen
geben - Auch Daniel Gros skeptisch: "QE kein Allheilmittel" -
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Peter Brezinschek, Chefanalyst von
Raiffeisen Research, sieht das EZB-Anleihenkaufprogramm kritisch.
Anders als EZB-Chef Mario Draghi sehe er keine nach unten gerichtete
Inflations-Dynamik, und die Geldmenge M3 hätte sich auch ohne QE
weiter nach oben entwickelt, sagte Brezinschek zur APA. Das
Bondprogramm bestrafe klassische Universalbanken und belohne riskant
agierende Investmentbanken.Für 2015 sei eine weitere Talfahrt des Euro bereits
vorprogrammiert. Denn die US-Notenbank Fed werde spätestens zu Ende
des zweiten Quartals mit Zinserhöhungen starten und diese rasch in
0,25er-Schritten vornehmen, "sodass wir Ende des Jahres bei 1,25 bis
1,5 Prozent in den USA stehen werden", meinte der Chefanalyst der
Raiffeisen Bank International (RBI).
Zum Thema Anleihekauf habe die EZB mit der Betonung eines
"Investment Grade" das Griechenland-Problem umschifft. Offenbar
wolle die EZB bestimmten Regierungen "entgegenkommen, damit sie mehr
Zeit für Reformen haben". Das gelte vor allem für Frankreich, aber
auch Italien und zum Teil auch für Griechenland, wo die Renten- und
Arbeitsmarktreform sowie die Privatisierungen aufgeschoben worden
seien. Fraglich für ihn, Brezinschek, sei jetzt jedoch, wer denn
monatlich diese 60 Mrd. Euro an Staatsanleihen verkaufen solle - in
Summe könnten es 1.140 Mrd. Euro bis September 2016 sein.
Daniel Gros vom Centre for European Policy Studies hatte schon im
Vorfeld der EZB-Entscheidung gemeint, das Anleiheprogramm könnte die
Märkte womöglich nicht so richtig überzeugen, keine großen
Auswirkungen auf die Volkswirtschaft haben und auch die
Deflationsgefahr nicht bannen.
Das Wichtigste sei, dass die Nachfrage in Europa weiter steige
und in den Schuldnerländern endlich die Strukturanpassung
stattfinde, so Gros im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radio. Doch da
gebe es auf beiden Seiten ein Problem. Im Norden, primär
Deutschland, sei noch immer die Nachfrage schwach und im Süden das
Angebot. Wie das Bankensystem in Europa aufgestellt sei, könne man
sich von dem Bondkaufprogramm der Zentralbank nicht viel erwarten,
"dieses berühmte QE ist kein Allheilmittel".
(Grafik 0100-15, Format 88 x 100 mm)
(Schluss Auftakt/Ausführlicher Bericht folgt) sp/ggr
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