Wiener Zeitung: Vor Wachablöse in "Städtischer"
Wie die "Wiener Zeitung" in ihrer Wochenendausgabe schrieb: Generationenwechsel an Spitze des größten heimischen Versicherers - Hofübergabe früher als bisher angekündigt
In Österreichs größtem Versicherungskonzern, der
Vienna Insurance Group ("Städtische"), dürfte der erwartete Wechsel
an der Spitze in Kürze erfolgen. Peter Hagen soll bald als Nachfolger
von Günter Geyer designiert werden.
Das ist aus Aktionärskreisen des börsenotierten Konzerns zu hören.
Günter Geyer wollte im Interview (siehe unten) dazu nicht Stellung
nehmen, sagte nur: "Hans-Peter Hagen ist mein Wunschkandidat." Der
67-jährige Geyer, dessen Vertrag bis 2013 laufen würde, möchte
demnach schon nach dem Geschäftsjahr 2011 aus dem operativen Geschäft
aussteigen (bisher hatte Geyer wiederholt davon gesprochen, dass er
Mitte 2012 gehen würde).
In Kürze soll der Aufsichtsrat des börsenotierten
Versicherungskonzerns darüber entscheiden und den 51-jährigen Hagen
als Nachfolger Geyers festzurren. Im Frühjahr 2012, nach der
Bilanz-Erstellung, wäre dann die offizielle Hofüber gabe.
Die Vienna Insurance Group (VIG) ist aus der "Wiener Städtischen"
entstanden. Sie ist in Österreich eben mit Städtischer, Donau- und
S-Versicherung tätig. Darüber hinaus ist der Konzern Marktführer in
Zentral- und Osteuropa. Dort ist er in 23 Ländern aktiv.
25.000 Mitarbeiter
Die Gruppe beschäftigt derzeit rund 25.000 Mitarbeiter. Das jährliche
Prämienvolumen lag 2010 bei 8,7 Milliarden Euro, der Gewinn vor
Steuern stieg gegenüber 2009 nach vorläufigen Zahlen um 15 Prozent
auf 505 Millionen Euro. Die Kapitalanlagen des Konzerns liegen bei
zirka 28 Milliarden Euro. In diesem Bereich gibt es auch
Abschreibungen: Die Versicherung geht offenkundig bei
Euro-Staatsanleihen auf Nummer sicher. Die Bestände an griechischen
Papieren sollen um zirka 20 Prozent abgewertet werden.
Zuletzt war die Versicherung vor allem am Balkan aktiv, in Montenegro
wurde das Geschäft gestartet, in Albanien ausgebaut.
In Österreich ist das Kfz-Versicherungsprämienvolumen rückläufig,
allerdings aus einem interessanten Grund: Die PS-abhängige Steuer und
der hohe Benzinpreis führen dazu, dass sich die Österreicher
schwächere, und damit billigere, Autos kaufen. Und für diese Modelle
sind auch die Prämien günstiger.
Mehrheitseigentümer
Günter Geyer, so wurde 2009 gemutmaßt - als Hans-Peter Hagen als
Stellvertreter bestellt wurde -, könnte dem Haus allerdings erhalten
bleiben. Beim Mehrheitseigentümer, der Städtische
Vermögensverwaltung, sitzt er im Vorstand. Damals wurde auch
spekuliert, dass Geyer in den Aufsichtsrat großer
Tochtergesellschaften geht.