ATX-Bewertungsniveau mittelfristig klar zu tief
Trotz der geringen direkten Abhängigkeit vom US-Immobilienmarkt hat
die Wiener Börse überdurchschnittlich verloren und liegt nunmehr bei ca. 30% Minus
seit ihren Höchstständen bzw. 22% im Minus seit Jahresanfang. Diese großen
Verluste liegen sicherlich auch daran, dass US-Anleger europäische Aktien abverkaufen,
wo sie aufgrund der EUR-Stärke und der vergangenen positiven Performance
noch immer Kursgewinne aufzuweisen haben.
Fundamental hat sich die Situation jedoch auch in Europa und in Wien eingetrübt,
da speziell zyklische Werte zuletzt Probleme bei der Ergebnissituation eingestehen
mussten bzw. in den nächsten Wochen wahrscheinlich noch tun werden. Der
Höhepunkt in Wien war hier sicherlich die Gewinnwarnung seitens Wienerberger, die
bis kurz zuvor ihre Ergebnisprognose noch bestätigt hat.
Wir sehen die Bewertungsniveaus des ATX insgesamt mittelfristig allerdings klar zu
tief, da das aktuelle KGV auf Basis aktuell geschätzter Gewinn für 2008 bei rund 10x
liegt, während der historische Schnitt bei ca. 13,3x beträgt. Doch werden die
Aussagen der Unternehmen bei ihren Halbjahresberichten im Juli und August
sicherlich von Vorsicht geprägt sein, da vor allem der Ausblick für 2009 laufend nach
unten revidiert wird. Weitere negative Gewinnrevisionen sind aber sehr wahrscheinlich.
Dies macht auch den Vergleich zum Anleihemarkt etwas schwieriger, wo sich
der Spread der Gewinnverzinsung minus Bondrendite auf historischem Höchstniveau
befindet. Allerdings ist auch hier durch negative Gewinnrevisionen mit einer
Abschwächung zu rechnen.