Billig-Airline Ryanair droht und lockt Österreichs Regierung
Bei Abschaffung der Flugverkehrsabgabe winkt Wachstum der
Passagierzahlen um
70 Prozent - Kerosinpreis ist laut Ryanair-Chef Michael
O'Leary ein kleineres Problem
Europas größte Billigfluggesellschaft Ryanair
erhöht den Druck auf die Regierung und den Flughafen Wien, die
Kosten für den Flugbetrieb zu senken. Insbesondere die
Flugverkehrsabgabe von 12 Euro ist Ryanair-Chef Michael O'Leary ein
Dorn im Auge. "Wir fordern Bundeskanzler (Christian) Stocker und
Verkehrsminister (Peter) Hanke erneut auf, ihre gescheiterte
Hochsteuerpolitik aufzugeben", sagt O'Leary am Dienstag in Wien.Er fordert eine Entscheidung bis zum 1. Mai - dann sei Ryanair
bereit, für neues Wachstum an Österreichs Flughäfen zu sorgen,
insbesondere in Wien. Die Airline aus Irland greift dabei einmal
mehr zu einer Strategie aus Zuckerbrot und Peitsche. Ryanair sei
bereit, eine Summe von einer Milliarde US-Dollar (850 Mio. Euro) in
Österreich zu investieren und damit das Passagieraufkommen bis 2030
um 70 Prozent auf 12 Millionen Personen jährlich zu erhöhen,
unterstreicht O'Leary.
Die Fluggesellschaft würde auch die Zahl der beförderten
Fluggäste an den Flughäfen in Salzburg, Linz und Klagenfurt steigern
- auf rund eine Million, das entspreche einem Plus von 150 Prozent.
Die Anzahl der angebotenen Strecken könnte um 40 auf insgesamt 130
steigen, die Zahl der Beschäftigten in Österreich um 300 auf gut
1.000.
"Österreich droht im internationalen Luftverkehr zurückzufallen"
Andernfalls droht die irische Billigairline indirekt mit weiteren
Kürzungen des Flugangebots ab Wien. Ryanair hat bereits die Zahl der
in Wien stationierten Flugzeuge von 19 auf 14 zurückgenommen, die
angebotenen Routen sanken um neun auf 73. Offenbar als Anreiz nennt
O'Leary den slowakischen Flughafen Bratislava, der wachse "wie eine
Rakete". Österreich drohe hier weiter zurückzufallen.
Länder wie die Slowakei, Ungarn, Italien oder Schweden hätten
ihre Flugabgaben abgeschafft, in Deutschland habe es immerhin eine
Senkung gegeben. Ryanair könne und werde für rasches Wachstum von
Verkehr und Tourismus sorgen, ergänzt Andreas Gruber, Chef der
Ryanair-Tochter Laudamotion. Voraussetzung dafür sei allerdings,
dass "Österreich eine wettbewerbsfähige Kostenbasis bietet, wie sie
derzeit in der Slowakei, Albanien und in italienischen Regionen
gegeben ist". Andernfalls sei "unvermeidlich, dass Österreich
weiterhin Flugzeuge, Strecken, Passagieraufkommen und Arbeitsplätze
an kostengünstigere Länder verlieren wird".
Bei Kerosin sieht sich Ryanair für den Sommer "gut aufgestellt"
Vergleichsweise viel weniger Sorgen machen Ryanair-Chef O'Leary
die Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten. Man habe bereits
langfristig Flugzeugtreibstoff zum günstigen Preis von 50 Dollar je
Fass (159 Liter) gekauft, sagt O'Leary. "Wir sind hier gut
aufgestellt, das hat keine Auswirkungen auf den Sommerverkehr".
Knappheiten bei der Versorgung mit Kerosin könne man zwar nicht
ausschließen, man halte das aber für wenig wahrscheinlich.
Es sei jetzt "Zeit für entschlossenes Handeln", ein
"Herumdoktern" an einer "Reform der schädlichen Luftverkehrssteuer"
sei nicht ausreichend, appelliert O'Leary an die zuständigen
Politiker, die er erneut als "sleepy Stocker" und "hopeless Hanke"
bezeichnete - also als "verschlafen" und "hoffnungslos". Zudem würde
diese Abgabe dem Staatshaushalt nur 150 Mio. Euro bringen.
Flughafen Wien soll Wachstumsanreizprogramm wieder einführen
Mit einer bloßen Reduzierung der Flugverkehrsabgabe von 12 auf 10
oder 8 Euro werde sich Ryanair nicht zufriedengeben. Diese Abgabe
habe bereits dazu geführt, dass Airlines wie Wizz, Level oder
EasyJet Österreich verlassen hätten. Die größten Fluggesellschaften
im Land, AUA und Ryanair, hätten ihre Kapazitäten zurückgefahren und
Strecken eingestellt. Ohne Senkung der Gebühren würden weitere
Gesellschaften abwandern.
Zudem will Ryanair eine Senkung der Flugsicherungsgebühren im
Ausmaß von wenigstens 50 Prozent. Vom Flughafen Wien fordert
O'Leary, frühere Wachstumsanreizprogramme wieder einzuführen.
Ryanair-Chef O'Leary drängt zur Eile. Man benötige eine Entscheidung
bis Anfang Mai, weil danach die Planungen für den Winterflugplan
2026/2027 beginnen würden.
fhwk/pro
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