Hipp-Rückruf - Ermittlung wegen Erpressung, noch ein Glas in Umlauf

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Hipp-Rückruf - Ermittlung wegen Erpressung, noch ein Glas in Umlauf


Polizei Ingolstadt: Täter-E-Mail seit 16. April bekannt - Gesundheitsministerin Schumann rief zu Vorsicht auf - Rewe und dm nehmen vorsorglich Produkte aus Regalen



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Die Kriminalpolizei Ingolstadt in Bayern hat am Montagnachmittag offiziell Ermittlungen wegen Verdachts der versuchten Erpressung des Babykostherstellers Hipp aus Deutschland bestätigt. Ein E-Mail der mutmaßlichen Täter sei seit Donnerstag (16. April) bekannt. In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden seither insgesamt fünf manipulierte Babynahrungsgläser vor dem Verzehr sichergestellt. Ein Glas mit Rattengift könnte in Österreich mutmaßlich noch in Umlauf sein.

Nach dem Rückruf von Hipp-Babynahrung und einem möglicherweise noch nicht gefundenen zweiten Glas mit Rattengift aus einem Spar-Markt in Eisenstadt hatte Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) am Montag weiterhin zu Vorsicht aufgerufen. "Es ist zutiefst bestürzend, dass jemand offenbar bereit ist, aus kriminellen Motiven die Gesundheit von Babys zu gefährden", betonte sie. Ein genaueres toxikologisches Gutachten zum ersten sichergestellten Glas war indes noch ausständig.

"Ich bitte alle Eltern in Österreich: Seien Sie jetzt besonders wachsam, verwenden Sie das betroffene Produkt nicht und zögern Sie im Zweifel keine Sekunde, Hilfe zu holen - etwa bei der Notrufnummer 144 und der Vergiftungsinformationszentrale unter 01-4064343. Die Gesundheit Ihrer Kinder steht an erster Stelle", riet Schumann in dem der APA übermittelten Statement. "Die zuständigen Behörden arbeiten eng zusammen, vom Gesundheitsministerium über die AGES bis hin zur Polizei, um die notwendige Information der Öffentlichkeit sicherzustellen. Mir ist besonders wichtig: Bitte lassen Sie jetzt äußerste Vorsicht walten, solange noch nicht alle Umstände vollständig geklärt sind."

Suche nach zweitem Glas mit Gift

Die Ermittlungen der burgenländischen Behörden konzentrierten sich am Montag weiterhin intensiv auf die Suche nach dem zweiten Glas, das ebenfalls wie das bereits sichergestellte Hipp-Produkt vom Spar in Eisenstadt stammen soll. Wie Polizeisprecher Helmut Marban gegenüber der APA erläuterte, wurden bereits am Sonntag umliegende Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen deswegen kontaktiert, am Montag dann zusätzlich auch Kindergärten und -gruppen.

Die Suche wurde auf umliegende Gemeinden ausgeweitet, um dort Eltern von Kleinkindern über die potenzielle Gefahr zu informieren und das zweite Glas aus dem Verkehr zu ziehen. Zudem wurden am Sonntag die ungarischen Behörden über den Sachverhalt informiert, da das Glas eventuell auch von im dortigen Grenzgebiet ansässigen Personen erworben hätte werden können. Von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, die Ermittlungen wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung aufgenommen hat, hieß es am Montagvormittag von Behördensprecherin Petra Bauer, dass sie vorerst noch keine Angaben zum toxikologischen Gutachten zum Inhalt des ersten Glases machen könne.

Das am Samstag in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) sichergestellte Gläschen, dessen Inhalt bei einer Untersuchung positiv auf Rattengift getestet wurde, war bei Spar in Eisenstadt gekauft worden. Auch das zweite Produkt, das sich noch im Umlauf befindet, soll aus diesem Supermarkt stammen. Auf dieses Geschäft dürfte sich auch ein Hinweis an die Ermittler bezogen haben, der nach anfänglichen Erhebungen in Deutschland auf behördlichem Weg zur heimischen Polizei gelangt war. In Tschechien und der Slowakei wurden ebenfalls markierte Gläser polizeilich sichergestellt. Die betroffenen Gläser sollen einen weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden haben. Die burgenländische Polizei bittet weiterhin um Hinweise unter der Telefonnummer +43-5913310-3333.

Rewe und dm nehmen Produkt aus Regalen

Hinweise hatte es konkret zum Artikel Hipp "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" 190 Gramm gegeben. Vorsorglich nahm am Montag auch die Rewe-Gruppe das Produkt bei Bipa, Billa, Billa Plus und Adeg aus dem Verkauf. "Diese Rücknahme erfolgt rein präventiv, ohne Verdachtsmomente in unseren Märkten, ohne Anweisung der Behörden oder der Firma Hipp", hieß es gegenüber der APA. "Wir überprüfen darüber hinaus laufend Hipp-Produkte in unseren Märkten." Die Firma Hipp habe Rewe offiziell informiert, dass die Hipp-Babykostgläschen in diesen Märkten nicht betroffen sind.

Zuvor hatte die Drogeriemarkt-Kette dm-Österreich bereits das betroffene Produkt aus dem Verkauf genommen. "Außerdem werden sämtliche Produkte Hipp-Glaskost in allen dm-Märkten und in den Verteilzentren auf Beschädigungen des Deckels oder auf Kennzeichnungen überprüft", wurde betont. Für verunsicherte Konsumentinnen und Konsumenten gelte die Rücknahme-Garantie für bei dm gekaufte Produkte.

Keine konkreten Ermittlungen in Oberösterreich

Deutsche Medienberichte, wonach neben dem Burgenland auch in Oberösterreich nach vergifteten Hipp-Gläschen gesucht wird, wurden indes gegenüber der APA dementiert. Das Landeskriminalamt sei "involviert und in Kenntnis" sowie "in Abstimmung mit anderen Bundesländern", sagte Jasmin Reiter, Leiterin des Büros Öffentlichkeitsarbeit der Landespolizeidirektion Oberösterreich. Es gebe jedoch keine konkreten Ermittlungen im Bundesland. Bisher sei in Oberösterreich kein Fall eines vergifteten Gläschens aufgetreten.

"Gerade in solchen Situationen dürfen Eltern mit ihren Sorgen nicht allein gelassen werden", reagierte Grünen-Konsumentenschutzsprecherin Alma Zadić in einer Aussendung. "Es braucht eine zentrale Anlaufstelle im zuständigen Ministerium - eine Hotline, die rasch Hilfe, verlässliche Informationen und konkrete Hinweise bietet und vor allem im Umgang mit betroffenen Produkten Auskunft gibt", forderte sie.

Ernst Geiger, der ehemalige Leiter im Bundeskriminalamt der Abteilung Ermittlungen, Organisierte und Allgemeine Kriminalität, stellte im Ö1-Mittagsjournal zu einem möglichen Erpressungsversuch fest, dass dahinterstehende Täter bei früheren derartigen Fällen mit wenigen kontaminierten Produkten Druck aufbauten, weil sie "Geld machen" wollen. Die Absicht, jemanden zu vergiften, sei in vergangenen Causen nicht die primäre Motivation gewesen. Zum aktuellen, grenzüberschreitenden Einsatz bemerkte er, dass eine internationale Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden inzwischen "fast das tägliche Brot" der Polizeiarbeit sei.

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