Wohnungsmarkt bleibt noch jahrelang unter Druck
ÖVI: Kaum Neubau - Projektgeschäft nach "Peak" 2021
eingebrochen - Aber: Bedarf nimmt zu
Der Wohnraummangel verschärft sich zusehends. "Nach
dem Peak 2021 ist das Bauträgergeschäft eingebrochen - das heißt,
wir werden weniger Fertigstellungen haben; das heißt, es sind
weniger Wohnungen auf dem Markt", sagte der Vorstand des
Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI), Thomas
Raith, am Mittwoch in Wien. Aber: Der Bedarf nimmt zu. "Wir glauben,
dass die Angebotssituation in den nächsten zwei Jahren keine bessere
wird", so Verbandspräsident Georg Flödl."In den Hotspots, in den Ballungszentren gibt es eine sehr große
Wohnungsknappheit", hielt Geschäftsführer Anton Holzapfel im Zuge
der Jahrespressekonferenz des Verbands fest. "2027 sprechen wir bei
den Fertigstellungen von der Hälfte oder einem Drittel, das fehlt",
verdeutlichte Flödl. Gleichzeitig steige der Bedarf.
Nur "Ladenhüter" am Markt
Das derzeitige Angebot am Markt umfasst dem Immobilienverband
zufolge überwiegend "Ladenhüter" - Neubauwohnungen, die zu teuer
sind, die vom Grundriss oder von der Größe her nicht passen. "Nur es
kommt derzeit nichts Neues auf den Markt", so Raith. In Wien gebe es
20.000 Wohnungen am Markt, die verkauft werden sollen, und 8.000
Mietwohnungen.
"Die Absorption - die Verkaufszahlen, die der Markt pro Jahr
aufnimmt, - ist deutlich gefallen", sagte der Bauträgersprecher. "Es
ist nicht so viel leistbar für den Durchschnittshaushalt." Weiters
herrsche - nicht zuletzt angesichts der geopolitischen Situation -
hohe Verunsicherung bei den Privaten. "Es kauft niemand eine
Bauträgerwohnung, die noch nicht gebaut ist - die Banken verlangen
das aber", berichtete der ÖVI-Vorstand.
Die gestiegenen Zinsen hätten ihr Übriges getan. Die Sparquote
habe sich deutlich erhöht. Das Geld sei aber nicht in Immobilien
investiert worden.
Quasi keine Neuerrichtungen
"Man ist quasi nicht mehr in die Neuerrichtung gegangen", sagte
Raith. Die Rendite, die im Neubau erzielt werde, liege bei 4
Prozent. Das sei "nicht attraktiv". "Investoren verlangen aufgrund
ihres Risikoaufschlags 4,5 bis 5 Prozent Rendite", erklärte der
Immobilienexperte.
"In den vergangenen acht Jahren hat sich alles auf den
Gebrauchtwohnungsmarkt konzentriert." Dieser Markt sei halbwegs
stabil, bekräftigte der Landesstellenleiter des Immobilienverbands
in Kärnten, Max Madile. Im Bauträger- und Neubaumarkt sei die
Tendenz auch im Süden "weiterhin sinkend". Bei den Transaktionen sei
man "auf dem Weg zum schlechtesten Jahr". Verkauft würden
"hauptsächlich Neubauten, die bereits fertiggestellt sind".
Käuferschaft geht auf Nummer sicher
Dasselbe Bild zeigt sich im Westen Österreichs: "Der Markt ist
verhalten - die Neubauprojekte werden nur noch bestehend verkauft
und nicht mehr vom Plan weg", sagte auch ÖVI-Vizepräsident Andreas
Karg. "Wir verspüren hier auch angesichts der weltpolitischen Lage
eine Unsicherheit, langfristige Investitionen zu tätigen", fügte er
hinzu. Der Bedarf nach Wohnraum sei da - "und der wird aus dem
Bestand gedeckt".
Allerdings nehme die Nachfrage zu. In Vorarlberg gebe es zwar
"erfreuliche Baugenehmigungszahlen, aber bis die auf den Markt
kommen, dauert es noch drei bis vier Jahre", so Karg.
Sorgenkind Neuvermietung
"Wenn Eigentum jetzt schwer funktioniert, gehen viele in die
Miete", brachte Holzapfel die Lage auf den Punkt. Das Sorgenkind im
aktuellen Umfeld sei die Neuvermietung, betonte Flödl mit Blick auf
geringe Bewilligungs- und Fertigstellungszahlen. 2024 seien die
Mieten im Schnitt um 6,2 bis 7 Prozent gestiegen. "Wir gehen davon
aus, dass es 2025 nicht viel anders gewesen sein wird."
"Grundsätzlich sind wir in einem stark preisgeregelten Segment",
so der ÖVI-Präsident. 43 Prozent der Hauptwohnsitze in Österreich
seien Hauptmietwohnungen. Von den 1,77 Millionen Hauptmietwohnungen
seien 1,3 Millionen im preisgeregelten Bereich - entweder sozial
(kommunal oder genossenschaftlich) oder im Anwendungsbereich des
Mietrechtsgesetzes (MRG).
Regierung interveniert im preisgeregelten Bereich
Im preisgeregelten Bereich hat die Regierung einiges an
Erleichterungen für die Mieterinnen und Mieter in Aussicht gestellt.
Nach den massiven Anstiegen während der hochfliegenden Inflation
sollen die Mieten 2026 nur um maximal 1 Prozent angehoben werden
dürfen, 2027 um nur 2 Prozent. 2028 sollen inflationsbedingte
Erhöhungen, die 3 Prozent übersteigen, nur zur Hälfte auf die Miete
aufgeschlagen werden dürfen. "Durch solche Einzelmaßnahmen wird das
Vertrauen nicht erhöht", meinte Holzapfel dazu aus Eigentümersicht.
"Die politischen Interventionen machen das Angebot nicht besser -
es werden Investitionen eher hintangestellt", befürchtet Flödl. Der
Mietmarkt könne weiterhin unter Druck geraten. "Wir sind in einer
Angebotsdelle, aus der wir heraus müssen." Planungssicherheit und
Vertrauen seien "die wichtigsten Soft Facts, die wir in den nächsten
Jahren brauchen", meinte er auch mit Blick auf die Rahmenbedingungen
für die Energiewende.
kre/sag
ISIN
WEB http://www.ovi.at/de/verband/index.php
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