Ottakringer - IVA-Kritik an Delisting an Wiener Börse zur "Unzeit"
Anlegervertreter kritisiert Abschied vom Börsenparkett nach
Einschränkungen durch die Corona-Pandemie
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Reaktion IVA-Beckermann. Titel, Utl, teilw. Lauftext neu
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Die Ottakringer Getränke AG kehrt der Wiener Börse
nach 40 Jahren den Rücken. Es wird ein sogenanntes Delisting
angestrebt, teilte das Unternehmen am Dienstagnachmittag mit. "Der
Abschied von der Börse fällt uns nicht leicht, er ist aber ein
logischer Schritt", so Christiane Wenckheim, Vorstandsmitglied bei
der Ottakringer Holding. Nur rund 3 Prozent der Aktien sind im
Streubesitz, es finde kaum Handel statt. Kosten und regulatorischer
Aufwand entstünden aber sehr wohl.
"Diese Entscheidung hat keinerlei Einfluss auf die Mehrheits- und
Kontrollverhältnisse sowie die künftige Ausrichtung der
Unternehmensgruppe", betonte die Managerin. "Die Gesellschaft ist
ein österreichisches Familienunternehmen und soll auch weiterhin
diese Orientierung auf klare familiäre Werte behalten."
Florian Beckermann, Vorstand des Interessenverbandes für Anleger
(IVA), zeigte sich heute kritisch zur Vorgehensweise des Wiener
Braukonzerns. Man erzähle die Geschichte vom börsennotierten
Familienunternehmen, aber nun habe es eine Kehrtwende um 180 Grad
gegeben.+
Des weiteren erfolge die Bewertung zur "Unzeit", schließlich
seien die vergangenen Jahre von der Corona-Pandemie und den damit
einhergehenden Einschränkungen in der Gastronomie geprägt gewesen.
Und schließlich gelte es noch den Kurs der Stammaktien zu
hinterfragen, der dem dreifachen dessen entspreche, was im Raum
stehe. "Das läuft auf ein Überprüfungsverfahren hinaus", so
Beckermann heute zur APA. Hier seien die Behörden gefragt. Ziel am
Ende des Tages sei es jedenfalls, einen fairen Preis für alle zu
finden.
Die Ottakringer Holding will den Aktionären im Rahmen des
Angebots 85 Euro je Stammaktie und 70 Euro je Vorzugsaktie anbieten
- jeweils inklusive der Dividende für das laufende Geschäftsjahr.
Derzeit liegen diese Angebotspreise laut der Firma über dem
anteiligen Unternehmenswert der Gesellschaft. Es werde vor der
Veröffentlichung des Angebots auch noch ein unabhängiger
Sachverständiger mit der Ermittlung des Unternehmenswerts
beauftragt. Mangels Liquidität sei das Angebot nicht als
Preis-Untergrenze zu verstehen.
Vom Ergebnis der sachverständigen Bewertung hängt ab, ob das
angekündigte Angebot die gesetzlichen Mindestpreisschwellen erfüllt
und tatsächlich erfolgt. "Im Hinblick darauf wird das Angebot erst
im Herbst dieses Jahres veröffentlicht werden können", schreibt
Ottakringer. Der Vorstand der Ottakringer Getränke (unterhalb der
Holding) habe das Verlangen der Holding zur Kenntnis genommen und
werde sich wie der Aufsichtsrat noch schriftlich äußern.
Zur Ottakringer Gruppe gehören neben dem gleichnamigen Bier
beispielsweise auch Vöslauer Mineralwasser und ein Getränkehandel.
Die Papiere -Stamm- und Vorzugsaktien - der Firma notieren an der
Wiener Börse im standard market auction.
stf/phs/ivn
ISIN AT0000758008
WEB http://www.ottakringer.at
http://www.wienerborse.at
ISIN AT0000BAWAG2
WEB http://www.bawagpsk.com