Sanochemia erwartet 13 Mio. Euro Betriebsverlust für 2018
EBIT drehte von 1,2 Mio. auf -13 Mio. Euro in die Verlustzone
- Umsatzeinbruch von 41 Mio. auf 33 Mio. Euro - Aktionär
b.e.imaging erhöht Beteiligung auf 28 Prozent - Timo Bender
wird CEO
Der teilweise Produktionsstillstand im April 2018
hat das an den Börsen in Wien und Frankfurt notierte Wiener
Pharmaunternehmen Sanochemia Pharmazeutika AG schwerer getroffen als
zunächst erwartet - nun muss Sanochemia eine Gewinnwarnung ausgeben:
Das operative Ergebnis (EBIT) sank 2018 von 1,2 Mio. Euro weit unter
die Nulllinie auf -13 Mio. Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch
mit.Im April habe man wegen Verunreinigungen bei einem selbst
hergestellten Produkt auf behördliche Anweisung die Produktion
teilweise einstellen müssen, erklärte Technik- und Finanzvorstand
Stefan Welzig am Mittwoch gegenüber der "APA" und dem "Standard".
"Davon waren hauptsächlich die Bereiche Lohnherstellung und
Veterinär betroffen, der Bereich Human nur wenig bis gar nicht."
Eine Gesundheitsgefährdung für Menschen habe es nie gegeben. "Das
Problem ist jetzt schon gelöst und es kann nicht mehr vorkommen",
versicherte Welzig.
Zunächst habe man durch die Produktionseinschränkung auf Grund
der Qualitätsmängel keine großen Auswirkungen erwartet, tatsächlich
habe sie aber "dazu geführt, dass wir mehr oder weniger den ganzen
April nicht produziert und ausgeliefert, sondern an Verbesserungen
und Investitionen in unsere Qualitätssicherungssysteme gearbeitet
haben". Ende September habe es dann weitere Verzögerungen bei der
Auslieferung gegeben, weil man weiter an der Verbesserung der
Qualitätssicherheitssysteme gearbeitet habe.
Der Umsatz brach im Gesamtjahr von 41 Mio. auf 33 Mio. Euro ein,
das EBITDA werde voraussichtlich bei -5 Mio. Euro liegen (nach 3,6
Mio. Euro im Vorjahr). "Aufgrund der komplexen Bilanzprüfung wird
die Vorlage der Bilanz von 18.1.2019 auf den 14.2.2019 verlegt",
heißt es in der heutigen Mitteilung.
"Wir haben keine Großkunden verloren", sagte Vertriebsvorstand
Klaus Gerdes. "Bei einem Kunden sind wir in Verhandlungen über die
Neuaufnahme von Lieferungen, da hat es tatsächlich die Stornierung
einer Bestellung gegeben. Sehr umsatzwesentlich für die Zukunft ist
das aber nicht."
"Wenn man eine Zeit lang Geld ausgeben muss, aber keines
hereinkommt, dann ist das immer eine unangenehme Sache",
kommentierte Welzig die Lieferausfälle im April. "Wir haben das
durch intensives Working-Capital-Management aber gut handhaben
können."
Um die bereits angekündigten Pläne zur Umsatzausweitung ohne
Geldsorgen umsetzen zu können, werde es eine Kapitalerhöhung geben,
durch die der Aktionär b.e.imaging seinen Anteil von derzeit rund
13,5 Prozent auf 28 Prozent erhöhen wird und damit zum größten
Einzelaktionär wird. Geplant ist eine Erhöhung des Grundkapitals von
derzeit 12.872.053 Euro um 2.777.778 Euro durch die Ausgabe von
2.777.778 neuen Aktien zu einem Ausgabebetrag von 1,80 Euro je Aktie
und damit mit einem Aufschlag von 32,4 Prozent zum Schlusskurs der
Aktie vom 7. Jänner 2019. Der Gesamtbetrag, zu dem die neuen Aktien
ausgegeben werden, beträgt 5 Mio. Euro.
Der geschäftsführende Gesellschafter von b.e.imaging, Timo
Bender, soll zum CEO der Sanochemia bestellt werden. Das sei für
Ende Jänner/Anfang Februar geplant, sagte Gerdes. Weitere
Veränderungen im Vorstand seien nicht geplant, "der bestehende
Vorstand bleibt".
Die b.e.imaging ist ein Anbieter von Kontrastmitteln,
Medizinprodukten und Dienstleistungen für die Radiologie und
Urologie mit Schwerpunkt Deutschland, Österreich, Schweiz und selbst
Abnehmer von Sanochemia-Produkten. "Mit der Firma arbeiten wir schon
seit sechs Jahren zusammen, das ist ein großer Kunde von uns", sagte
Gerdes. Auch b.e.imaging sei von der Aussetzung von Lieferungen im
September betroffen gewesen.
Weil im September zwar zum Teil nicht ausgeliefert, aber weiter
produziert worden sei, habe man einen großen Lagerbestand aufgebaut,
der nun abgebaut werde, wodurch man wieder Cash hereinbekommen
werde, sagte Welzig. Für die Verbesserung der Qualitätssicherung
habe man im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als eine Million Euro
ausgegeben. Für eventuelle Pönalzahlungen gebe es Rückstellungen im
Wert von knapp unter 2 Mio. Euro. Laut Gerdes wurde mit Kunden
vereinbart, mögliche Pönalzahlungen auch durch Warenlieferungen über
längere Zeiträume zu begleichen.
Durch den Verlust im Vorjahr wird die Eigenkapitalquote laut
Welzig von 62 Prozent auf 49 Prozent sinken, durch die
Kapitalerhöhung dann aber auf 53 Prozent steigen.
"Wir haben uns ein Eigentor geschossen", sagte Gerdes. "Aber wir
gehen davon aus, dass wir die Umsatzdelle schon in diesem
Geschäftsjahr zum größeren Teil wieder ausbügeln können." Erhöhen
will man vor allem den Anteil der Lohnfertigung für Dritte, der sich
im vergangenen Jahr auf 10 Prozent nahezu halbiert hat.
(Schluss) ivn/ggr
ISIN AT0000776307
WEB http://www.sanochemia.at