Sanochemia ist zurück in den schwarzen Zahlen
Positives Konzernergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr
2014/15 - Hohe Erwartungen an US-Markt - Warten auf den Segen
der US-Behörde FDA
Die börsennotierte Wiener Pharmafirma Sanochemia hat
ein positives Geschäftsjahr 2014/15 hinter sich. Es kehrt nach
Verlusten in die Gewinnzone zurück. Ein neues Diagnostikmittel für
Blasenkrebs gilt als Cash Cow der Zukunft. Ein Röntgenkontrastmittel
in Eigenproduktion soll am wichtigen US-Markt reüssieren. Allein,
die Mühlen der amerikanischen Food and Drug Administration mahlen
langsam.Wer in der Arzneimittelbranche tätig ist, muss Geduld und einen
langen Atem beweisen. Zumindest nach den Schilderungen von
Firmengründer und Noch-Vorstandsvorsitzender Werner Frantsits. Der
Lohn sind hohe Margen. Im Fall des Röntgenkontrastmittels Scanlux
mindestens 30 Prozent, so Sales-Vorstand Klaus Gerdes am Mittwoch
bei der Vorstellung der Bilanzzahlen. Gestern wurde bekannt, dass
Firmengründer Frantsits wieder in den Aufsichtsrat zurückkehrt. Den
Chefposten übernimmt mit März Franco Merckling.
Seit zwei Jahren wartet man in Wien bei Sanochemia auf die
Zulassung von Scanlux durch die US-Behörde. Eigentlich hat die FDA
schon vor Jahren "grünes Licht" für das Kontrastmittel gegeben, aber
eben für einen amerikanischen Hersteller. Mittlerweile stelle man
das Röntgenkontrastmittel selbst her, in den eigenen Anlagen im
Burgenland, was eine neue Überprüfung zur Folge hatte.
Im März, spätestens April 2016 soll es jetzt endlich so weit sein
und Scanlux als Arzneimittel in den USA verkauft werden können. Ein
weiteres Produkt, das Kontrastmittel für die
Magnetresonanztomographie MR-Lux, soll im Herbst in die US-Läden
gelangen. Nach Ansicht der Vorstände werden diese die Ergebnisse des
laufenden Geschäftsjahres 2015/16 merklich positiv beeinflussen.
Ein künftiger Hoffnungsträger ist auch das Medikament Vidon
(PVP-Hypericin). Es ist ein Mittel zur Früherkennung von
Blasenkrebs. Laut der klinischen Studie und Ärzten zufolge sei die
"Blaulichtmethode" der bisher angewandten Untersuchungsmethode, der
Weißlicht-Zystoskopie, überlegen, so der Firmengründer. Das
Medikament hat die klinische Phase-IIb-Studie hinter sich.
Sanochemia will für die kostenintensive Phase III entweder einen
Partner ins Boot holen, oder denkt über eine Finanzierung über
Venture Kapital nach. Konkretes liegt aber noch nicht am Tisch.
Sanochemia, das an der Frankfurter Börse notiert ist, hat im
Geschäftsjahr 2014/15 (Ende September) ein Betriebsergebnis (EBIT)
von 1,646 Mio. Euro erwirtschaftet und damit seinen Verlust des
vergangenen Geschäftsjahrs von 2,23 Mio. Euro wettgemacht, wenn auch
nicht schmerzfrei. Es mussten zwei Mio. Euro bei Personal und
Sachkosten eingespart werden. Unterm Strich, nach Steuern, hat
Sanochemia im abgelaufenen Jahr ein positives Konzernergebnis in
Höhe von 384.000 Euro geschrieben (2013/14: Minus 3,4 Mio. Euro).
Der Gesamtumsatz stieg um fünf Prozent auf 35,6 Mio. Euro (2013/14:
34,1 Mio. Euro). Das EBITDA (Betriebsergebnis vor Abschreibung)
betrug 4,2 Mio. Euro (0,9 Mio. Euro). Der operative Cash-Flow stieg
von über 700.000 im vergangenen Geschäftsjahr auf fast vier
Millionen Euro, liquide Mittel stiegen ebenfalls um fast 800.000 auf
knapp 2,7 Mio. Euro. Nur die Cash-Flows aus Investitions- und
Finanzierungstätigkeit dümpeln weiterhin bei einem Minus von über
einer bzw. fast zwei Millionen vor sich hin.
"Der Gewinn ist nicht nur buchmässig. Es ist auch Geld
geflossen", kommentiert der bestätigte Sales-Vorstand Gerdes am
Mittwoch die Bilanzzahlen. Aber der Aktienwert sei mit knapp 1,4
Euro pro Aktie immer noch "recht grauslich", wobei "es ist nicht
unmöglich, wieder auf einen doppelten Aktienwert von 3 Euro zu
kommen", versicherte er.
Sanochemia macht 50 Prozent der Umsätze mit Humanpharmazeutika,
vorrangig mit Produkten für den Radiologiebereich.
Veterinärpharmazeutika waren im vergangenen Geschäftsjahr mit 18
Prozent am Umsatz beteiligt, Tendenz steigend. Der Bereich
Produktion erwirtschaftete 25 Prozent der Umsätze, davon ein Drittel
Auftragsproduktion, Forschung & Entwicklung lagen bei sechs Prozent.
Die USA, Europa und Japan sind die Märkte, auf die Sanochemia
sich hinkünftig konzentrieren will. Südamerika sei vielversprechend,
aber auch Asien, allen voran Südkorea und die Philippinen. Von den
Emerging Markets in Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten zeigt
sich Firmengründer Frantsits geheilt. Die "geopolitischen
"Verwerfungen", sprich die politische Krisen, Umstürze und Kriege
haben Sanochemia ein verlustreiches Geschäftsjahr 2013/14 beschert,
auch mit der Zahlungsmoral steht es dort nicht zum Besten. Die
Umsätze sind völlig weggebrochen. Russland krankt an einer
anhaltenden Rubelschwäche.
Aber auch in Europa steht für Frantsits nicht alles zum Besten.
Die Bürokratie sei ein großes Hindernis, erklärte er. Schließlich
gebe es 28 Zulassungsbehörden in der Europäischen Union, wo man
vorstellig werden müsse. In der USA gebe es nur die FDA. Aber die
lässt sich Zeit.
(Schluss) ans/stf
ISIN AT0000776307
WEB http://www.sanochemia.at