Aufregung um Immigon-Immo-Verkauf in Ungarn
Grüne vermuten Ungereimtheiten im Bieterverfahren um Duna
Tower unter Ausschaltung von Konkurrenz - Bad Bank hält
dagegen: Mehr als 100 Investoren angesprochen, kein
Korruptionsverdacht
Die ehemalige ÖVAG (jetzt Immigon) ist wieder Thema
einer Anfrage an den Finanzminister. Die Grünen gehen
"Ungereimtheiten" beim Verkauf einer prominenten Büroimmobilie in
Budapest ("Duna Tower") nach. Die Immigon hielt dazu am Donnerstag
fest, der Verkaufsprozess sei nach aktuellem Standard abgelaufen und
noch nicht abgeschlossen. Man habe mehr als 100 Investoren direkt
angesprochen.Die Grünen geben indes heftige Vorwürfe wieder: In Ungarn gebe es
Berichte, wonach wertvolle Immobilien aus dem Besitz der ÖVAG ohne
öffentliche Feilbietung an einen Kreis von Insidern verschoben
würden, heißt es in einer parlamentarischen Anfrage der Grünen an
Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP).
So sei der Verkauf der Büro-Immobilie" Duna-Tower" aus dem Besitz
der ÖVAG bzw. nun Immigon ohne öffentliche Bekanntmachung bzw.
Ausschreibung eingeleitet worden, heißt es in der Anfrage. Durch die
"vertrauliche Abwicklung" sei der Wettbewerb komplett verhindert
worden. Überdies bestehe, so wird bei den Grünen gemutmaßt, ein
privates Naheverhältnis zwischen der Geschäftsführung der mit dem
Verkauf betrauten Immobilienfirma CE Land Kft. und dem
Geschäftsführer der Volksbank.
Beigefügt ist der Anfrage der Grünen Abgeordneten Gabriela Moser
ein Brief eines "potenziellen Käufers" der "wertvollsten Immobilie
der Volksbank in Budapest", deren Wert darin mit mindestens 60 Mio.
Euro beziffert wird. In dem Brief ist von "Rechts- und
Regelwidrigkeiten" sowie "merkwürdigen Ereignissen" die Rede, und
von einem "unübersichtlichen korrupten Verkaufsprozedere".
Der (in der Anfrage namentlich nicht genannte) Autor des Briefs
ist sich sicher, "dass bereits vor dem Start des Tenders
entschieden" worden sei, "wer gewinnen wird und für was für einen
Preis." ... "Wir wären zum Beispiel nicht überrascht, wenn zwischen
den Bewerbern die ... GTC auffindbar wäre, mit dem Vorsitzenden Hrn.
Thomas Kurzmann", der jahrelang leitender Manager bei Europolis
gewesen sei.
Vom österreichischen Finanzminister wollen die Grünen nun wissen,
wie er sicherstelle, dass bei Immobilienverkäufen der Immigon alle
potenziellen Kaufinteressenten einbezogen werden.
In der ÖVAG-Bad-Bank Immigon in Wien sagte ein Sprecher zur APA,
der Prozess des Verkauf des Duna Tower sei noch nicht abgeschlossen,
er laufe nach "state of the art", begleitet von renommierten
Anwaltskanzleien. Man habe mehr als 100 mögliche Investoren direkt
angesprochen, weitere hätten sich selber noch beworben.
Der Brief, der den Grünen zugespielt wurde, ist auch in der
Immigon eingelangt, sagte der Sprecher heute zur APA. Die habe
daraufhin intensive Untersuchungen eingeleitet, die keine Hinweise
auf Korruption oder grobe Ungereimtheiten erbracht hätten.
Ganz allgemein wollen die Grünen vom Finanzminister auch wissen,
wie die derzeitigen Planungen hinsichtlich der Rückführung der
Bankenrettungsgelder aus dem Volksbankensektor lauten. "Zwischen
welchem Minimum und Maximum bewegen sich die Erwartungen?"
Die Konstruktion der Immigion mit den beiden etwa gleich großen
Großaktionären Bund und Volksbanken sowie einer kleineren
Treuhandgesellschaft mit Genussrechten für den Bund macht die Grünen
auch misstrauisch. Ziel scheine ja zu sein, dass der Staat keinen
beherrschenden Einfluss bei der Immigon habe. "Auch mit der
Konsequenz, dass der Rechnungshof keine Prüfkompetenz erhält, obwohl
die ÖVAG einzig und allein auf Grund der staatlichen Unterstützung
überleben konnte", schreiben die Grünen in der mit 30. September
datierten Anfrage.
(Schluss) rf/ivn
ISIN AT0000755665
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