ÖVAG-Nachranganleihen - Investor klagt Immigon und Volksbank Wien
Prozess am Handelsgericht Wien - Streitfrage, ob früherer
ÖVAG-Vorstand die Öffentlichkeit korrekt informiert hat -
"Presse": EU-Kommission hatte schon 2010 Zweifel an
ÖVAG-Lebensfähigkeit
Ein Investor klagt am Wiener Handelsgericht die
ÖVAG-Abbaugesellschaft Immigon und die Volksbank Wien. Er hatte
nachrangige Anleihen der Österreichischen Volksbanken-AG gekauft,
die nun wertlos sind. Streitpunkt vor Gericht ist, ob der frühere
ÖVAG-Vorstand die Öffentlichkeit und Investoren nicht korrekt über
den Zustand der Bank informiert hat.Im Zuge des Prozesses mussten die geklagten Banker nun vor
Gericht weitere Dokumente vorlegen, etwa einen 93-seitigen
"Viability Report" des ÖVAG-Vorstands an die EU-Kommission aus dem
Jahr 2009. Schon im Vorwort auf Seite sechs stufte der damalige
Vorstand die Lage damals als dramatisch ein. "Die nun bekannt
gewordenen Dokumente bestätigen unsere Position, dass Investoren
irreführend und/oder falsch informiert worden sind", sagte der
Wiener Rechtsanwalt Ingo Kapsch, der den Investor vertritt, zur
"Presse" (Dienstagausgabe). In Presseaussendungen und
Ad-hoc-Meldungen hatte die ÖVAG laut Zeitung jedoch 2010 und 2011
von einer Trendwende und einem Turnaround gesprochen.
Die EU-Kommission war mit den Restrukturierungsmaßnahmen der ÖVAG
unzufrieden, wie ein Schreiben des damaligen ÖVAG-Vorstands aus dem
Jahr 2010 zeigt. Darin heißt es, dass die EU-Kommission nicht nur
bei der ersten Staatshilfe im Jahr 2009, sondern auch "zum
derzeitigen Zeitpunkt" (Jahr 2010) Zweifel am Status der ÖVAG
anmeldet, zitiert die "Presse" aus dem Dokument. Bei einer früheren
Abwicklung der ÖVAG wäre dem österreichischen Steuerzahler
möglicherweise viel Geld erspart worden. Mit Kapitalschnitten gingen
bisher 1,3 Mrd. Euro Staatsgeld verloren.
Aus Kostengründen hat der betroffene Investor nur ein kleinerer
Betrag vor dem Wiener Handelsgericht eingeklagt. "Weil wir aufgrund
der neuen Dokumente sicher sind, dass wir das Verfahren gewinnen
werden, werden wir im Herbst höhere Summen einklagen", so Kapsch.
Laut dem Anlegeranwalt hat die ÖVAG einst nachrangige Anleihen im
Volumen von 500 Mio. Euro verkauft.
Vor dem Handelsgericht wurde unter anderem der langjährige
Vorstand der ÖVAG-Spezialbanktochter Investkredit und aktuelle
Immigon-Prokurist Klaus Gugglberger als Zeuge befragt. Er hat
erklärt, dass es Fusionsgespräche mit der BAWAG gegeben habe. Diese
haben sich bis zum Mai 2010 "recht erfolgsversprechend" entwickelt,
seien dann aber gescheitert. "Weiters stand der Verkauf der
Investkredit zur Debatte. Dieser hat sich dann allerdings, nach dem
Scheitern der Partnersuche, als nicht mehr sinnvoll erwiesen", so
Gugglberger laut "Presse".
(Schluss) cri/itz
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