Liebscher - Ausland sieht österreichischen Finanzplatz kritisch
Vor allem in Deutschland - Cernko: "Österreich wird insgesamt
kritischer gesehen" - Kommunalkredit-Closing jetzt für Ende
August angepeilt
Österreichs Banken haben weiter das
höchste Osteuropa-Exposure Europas. Dass die Region als Emerging
Market gesehen wird, steigert aus internationaler Sicht das Risiko
und treibt gemeinsam mit den Vorgängen um die "Bad Banks" die
Refinanzierungskosten in die Höhe, schreibt "Forbes". Fimbag-Chef
Klaus Liebscher glaubt, dass sich an der kritischen Sicht durch das
Ausland so bald noch nichts ändert."Aus meinen Beobachtungen heraus wird der österreichische
Finanzplatz in vielen Bereichen kritisch gesehen, vor allem in
Deutschland - allerdings nicht nur dort, sondern darüber hinaus",
sagte Liebscher in einem Interview in der Juli-Ausgabe des Magazins.
"Das spüren die österreichischen Banken natürlich auch am
Kapitalmarkt."
Ob sich das auf absehbare Zeit ändern kann? "Ich glaube, da muss
man 2017 abwarten, und ob man zu ähnlichen Regelungen wie in
Deutschland kommt", sagte Liebscher. Damit ist laut Magazin gemeint,
dass zu dem Zeitpunkt die restlichen problematischen
Hypo/Heta-Anleihen auslaufen und in der Folge der Start für ein
Länder-Insolvenzrecht erfolgen kann, wie es in Deutschland bereits
besteht.
Spätestens das Debakel rund um die Kärntner Hypo, inzwischen
Heta, habe weltweit Skepsis rund um den österreichischen Finanzplatz
aufkommen lassen, heißt es in dem Forbes-Austria-Bericht. Für den
Bankensektor lasse sich diese Skepsis in Zahlen gießen: Laut einer
UniCredit-Studie müssen Österreichs Banken jährlich 1,5 Mrd. Dollar
(1,3 Mrd. Euro) an erhöhten Refinanzierungskosten zahlen.
Die schlechter gewordene Außenwirkung sieht
Bankenverbandspräsident und Bank-Austria-Chef Willibald Cernko indes
nicht auf die Bankenszene beschränkt: "Österreich wird insgesamt,
nicht nur als Finanzplatz, kritischer gesehen als noch vor wenigen
Jahren." Die Wirtschaft schwächle und das Land sei bei einigen
Indikatoren von der Spitze ins Mittelfeld abgerutscht.
"Bei internationalen Investoren herrscht nach den
Hypo/Heta-Entscheidungen Verunsicherung", beklagt Cernko in Forbes.
Er wirft der Politik Fehler vor: "Der Kardinalfehler, nämlich
Nichtstun und Aussitzen-Wollen, ist bereits vor Ex-Vizekanzler
Spindelegger passiert. Dessen Sündenfall war es, die Landeshaftungen
(für die Nachranganleihen) per Gesetz für null und nichtig zu
erklären. Dieser Vertrauensschaden geht auf seine Rechnung."
Mit Argusaugen werde, so der Bericht, jetzt auch global die
Abwicklung der teilstaatlichen Volksbanken AG (ÖVAG) beobachtet. Die
Art und Weise, wie in den nächsten Fällen im Rahmen einer Abwicklung
vorgegangen wird, wird ein Lackmustest sein", wird Rainer Polster,
Chef der Deutschen Bank Österreich, zitiert. Damit könnte das Land
den Ruf des Finanzstandortes wieder etwas verbessern.
Fimbag-Chef Liebscher zufolge stehen die Chancen auf einen
halbwegs versöhnlichen Ausgang des ÖVAG-Dramas nicht so schlecht.
Unter den Assets der Bank befänden sich keine unberechenbaren
Derivate. Liebscher ist auch Aufsichtsratschef der unmittelbar vor
der Aufspaltung stehenden ÖVAG. Er erwartet, dass das Kapitel ÖVAG
2017 "ohne weitere Koten für den Steuerzahler" abgeschlossen wird,
vorbehaltlich unvorhersehbarer externer Effekte. "Die Planung sieht
vor, bis 2017 alles abgewickelt zu haben und dann für die
Abwicklungsgesellschaft ein Ergebnis von plus/minus null zu
erreichen."
Beim Teilverkauf der Kommunalkredit an den deutschen Investor
Bettscheider, der Anfang April den Kartellbehörden gemeldet wurde,
hofft Liebscher auf einen Abschluss im August. Man habe die
Komplexität der gesellschaftsrechtlichen Maßnahmen wie auch jene der
aufsichtsrechtlichen Genehmigungen schlicht und einfach
unterschätzt.
(Schluss) rf/snu
ISIN AT0000755665
WEB www.heta-asset-resolution.com
http://www.oevag.com
http://www.kommunalkredit.at